Kabarett-Altmeister Thomas Freitag holt in Gütersloh zum Rundumschlag aus Der Mensch ist das Problem

Gütersloh (WB). Die  »Schlado«-Reihe in der Stadthalle ist in die siebte Saison gestartet. Mit dabei: Kabarett-Altmeister Thomas Freitag und sein kaltwütiger Bibliothekar Sebastian Schüttlöffel.

Von Laura Gehle
Als seine Bibliothek geschlossen werden soll, nimmt Bibliothekar Sebastian Schüttlöffel (Thomas Freitag) 5800 Bücher als Geisel und rechnet mit der Politik und der Gesellschaft ab.
Als seine Bibliothek geschlossen werden soll, nimmt Bibliothekar Sebastian Schüttlöffel (Thomas Freitag) 5800 Bücher als Geisel und rechnet mit der Politik und der Gesellschaft ab. Foto: Laura Gehle

Dieser stürmt zu Beginn auf die Bühne und ist empört: Seine geliebte Bibliothek am Stadtrand soll geschlossen werden. Ein Ding der Unmöglichkeit, findet Herr Schüttlöffel und besetzt kurzerhand die Bibliothek. Von der Polizei samt Psychologen umstellt, im Hintergrund Radiodurchsagen und Sirenen und mit 5800 Büchern als Geiseln macht er seiner Wut vor seinem Publikum, welches er mal als Gaffer, mal als Schaulustige beschimpft, Luft. 

Denn  Sebastian Schüttlöffel ist nicht nur wütend auf den Stadtrat und die  Polizei, sondern auch über den Kapitalismus, die Gleichmacherei und  unsere Gesellschaft im Allgemeinen sowie die Politiker im Besonderen. Dabei kritisiert er vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel, die »für und gegen alles« zu sein scheint: »Wer nichts macht, macht nichts falsch«, meint Freitag alias Schüttlöffel. Aber auch die Ahnungslosigkeit anderer Politiker prangert er an: »Wie konnten sie die Flüchtlingswelle übersehen?«

Auch Karl Marx ist frustriert

Unterstützt werden seine Gedankengänge unter anderem durch Karl Marx, der Schüttlöffel beim Betrachten von Marx’ gesammelten Werken erscheint. Mit Gießkanne, Regenschirm und einem  Dreierpack Socken für 2,30 Euro philosophiert dieser über den  Kapitalismus und stellt fest, dass dieser nicht durch Banken, sondern durch die Konsumenten ermöglicht wird. »Meine Ideen sind super, aber sie hauen nicht hin«, stellt er abschließend resigniert fest. Eignen würden sie sich nur für eine Gesellschaft ohne Menschen.

Pommesbudenbesitzer Siggi, der sein Geschäft nahe der Bibliothek betreibt und sein ganzes  Leben den Fritten gewidmet hat, richtet all seine Empörung auf den Schlankheitswahn der Deutschen: »Unsere Kultur ist bedroht von Salatisten!« Der Mensch überwache seinen Körper mehr und mehr; dabei sei es doch der Geist, der ihn ausmache. Er macht sich stark für das  Bollwerk Deutsche Fritte: »Das ist das unperfekte, aber wahre Leben.«

Nur Affen haben Ahnung

Und der Affe, den Freitag mittels Maske schließlich verkörpert, stellt fest, dass bei der ganzen Gleichmacherei der Raum für individuelle Gedanken fehlt, der eine Gesellschaft weiterentwickelt. Aber, meint er, »muss man wirklich Affe sein, um das zu sehen?«

Während seines  zweistündigen Programms versteht es Thomas Freitag meisterhaft, einen  nahtlosen Übergang zwischen politischer Satire und ernsten, zutreffenden Aussagen über die deutsche Lebensart zu schaffen. Die Zugabe gab es in  Form von Tagebucheinträgen eines Rentners, bei dem die verzweifelte Langeweile schließlich überhand nimmt.

Am Ende gelingt es Sebastian Schüttlöffel nicht, seine  Bibliothek zu retten; allerdings gelingt es ihm, seine Zuhörer nachdenken zu lassen. So muss auch das Publikum erkennen, was sich, zunächst im Spaß geäußert, als traurige Wahrheit entpuppt: »Das größte Problem ist der Mensch selbst.«

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