Anlieger der Münsterlandstraße bauen den ersten Bürgerradweg Güterslohs Spatenstich auf eigenes Riskio

Gütersloh (WB). Der neue Radweg wird einer Mutter und drei Kindern den Vater nicht zurückbringen, der am 11. November 2012 sein Leben auf der Münsterlandstraße verlor. Er wird den zu einer Haftstrafe verurteilten und unter einer schweren Depression leidenden Fahrer des Unfallwagens nicht erlösen können. Doch er wird vielleicht verhindern, dass alles irgendwann noch einmal passiert.

Von Stephan Rechlin
Foto: Stephan Rechlin

Ziemlich genau 33 Monate und 19 Tage nach dem entsetzlichen Unfall, bei dem ein 47 Jahre alter Radfahrer um 5.30 Uhr von einem BMW aus Versmold erfasst und getötet wurde, stechen Heiner Kollmeyer, Hermann Birkenhake und Harald Heitmann den Spaten in den Boden der Seitenbankette der Münsterlandstraße.

Die drei CDU-Ratsherren, vor allem aber Anlieger Birkenhake, haben sich massiv im Rathaus und bei der Landesbehörde Straßen.NRW dafür eingesetzt, dass dieser Radweg endlich gebaut wird.

Henning Schulz sieht das Land in der Verantwortung

Zuletzt mussten sie sogar noch ihren eigenen Bürgermeisterkandidaten, Stadtbaurat Henning Schulz, davon überzeugen. Der hatte davor gewarnt, das Land aus der Verantwortung zu entlassen. Denn die Münsterlandstraße ist die L 806 und alles, was darauf gebaut wird, gehört fortan dem Land. Das Land wäre ja auch bereit, den Radweg zu bauen – aber erst in drei, fünf oder sieben Jahren.

»Viel zu spät«, befand Ratsherr Hermann Birkenhake, dessen Eltern bereits für den Bau dieses Radweges gekämpft hatten. Gemeinsam mit weiteren Anliegern schloss er sich dem Verein Radfahrerfreunde Lintel und Umgebung an, der bereits den Bau mehrerer »Bürgerradwege« im Kreis Gütersloh erfolgreich begleitet hatte.

Stadt trägt nur knapp ein Viertel der Kosten

Nach dem Spatenstich geht es deren Modell jetzt so weiter: Die Stadt baut den 430.000 Euro teuren Radweg. Das Land zahlt einen Zuschuss von 255.000 Euro, die Stadt 100.000 Euro. Die Radfahrerfreunde, Sponsoren, Mitbürger und Helfer müssen weitere 75.000 Euro aufbringen – aus eigener Tasche!

Das können Arbeitseinsätze sein wie die schon erledigte Baumfällaktion entlang der geplanten Trasse. Es kann aber auch die Mitfinanzierung eines entsprechenden Kredites sein.

Am kommenden Donnerstag, 3. September, wollen Heitmann, Kollmeyer und Birkenhake ab 20 Uhr im Schützenhaus Niehorst über das Projekt informieren und werben. Sie zählen dabei auch auf die gut 1400 Kollegen des getöteten Radfahrers, der bei der Bertelsmann-Tochter Probind in Marienfeld arbeitete. Die hatten sich bereits mit Unterschriftensammlungen bei der Bürgermeisterin und dem Landrat für den Bau des Radweges eingesetzt.

Heiner Kollmeyer appelliert auch an die Ratskollegen: »Der Gütersloher Rat steht geschlossen hinter dem Bürgerradweg. Alle können mithelfen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.