Isselhorster Landwirte sind gegen eine unterirdische Verlegung der Stromtrasse – Eingriff in die Umwelt Erdkabel birgt Tücken

Gütersloh-Isselhorst (WB). Viele Bürgerinitiativen und manche Kommunalpolitiker fordern: Wenn die Hauptschlagadern der Energiewende unbedingt nötig sind und von Nord nach Süd durchs Land gezogen werden müssen, dann soll man die Leitungen bitteschön im Boden vergraben. Doch das sehen die betroffenen Landwirte in Gütersloh-Isselhorst anders: »Die Erdverkabelung birgt Tücken.«

Von Wolfgang Wotke
Sind strikt gegen eine Erdverkabelung in Isselhorst: die Landwirte Hermann Dreesbeimdieke, Dirk Baumeister, Martin Hanneforth, Alexander Knufinke und Wolfgang Hornberg (von links). Das sei ein gewaltiger Eingriff in die Umwelt.
Sind strikt gegen eine Erdverkabelung in Isselhorst: die Landwirte Hermann Dreesbeimdieke, Dirk Baumeister, Martin Hanneforth, Alexander Knufinke und Wolfgang Hornberg (von links). Das sei ein gewaltiger Eingriff in die Umwelt. Foto: Wolfgang Wotke

Andreas Knufinke (28) vom Landwirtschaftlichen Ortsverband Isselhorst redet Klartext: »Wenn hier die Erdverkabelung quer durch unsere Felder verlegt werden soll, dann wäre das ein gewaltiger Eingriff in die Umwelt mit ungeahnten Folgen.« Die Baustelle wäre dann 42 Meter breit, gleichzusetzen mit einer vierspurigen Autobahn, also doppelt so groß wie die A 33, sagt er.

Vorgesehen sei eine acht Meter lange Erdverkabelungsstrecke. Die gebe es in ganz Deutschland nicht. Rund 20 Landwirte und mehr als 100 Privathaushalte seien dann in Isselhorst betroffen. »Erdkabel haben noch eine größere Strahlung als die Hochspannungsleitungen«, beteuert Landwirt Hermann Dreesbeimdieke (53). »Wir wissen gar nicht, was da noch alles auf uns zukommt.«

Anbau und Grundwasser gefährdet

Es gebe dann noch andere Probleme, wie Wolfgang Hornberg (64) erläutert. »Die Kabel werden zwei Meter tief eingelassen und geben ein bis zwei Grad mehr Wärme ab. Das schadet nicht nur unserem landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch dem Grundwasser.« Es dauere mindestens drei Jahre, bis die Dichte wieder hergestellt und bis zu fünf Jahre, bis eine Bewirtschaftung möglich sei. »Am besten, man lässt alles so, wie es ist«, meint Dreesbeimdieke. »Niemand hat bislang erklärt, warum überhaupt die Stromtrasse gebaut werden muss.«

Entschädigungszahlungen

Demnächst sei es an der Zeit, neu zu verhandeln hinsichtlich der Erdverkabelung. 80 Prozent der betroffenen Eigentümer und Landwirte hätten zwar schon eine Erklärung unterschrieben, doch die beziehe sich nur auf die Hochspannungsleitungen und gewisse Entschädigungszahlungen von rund 10 000 Euro pro Strommasten.

»Jetzt muss man erneut darüber nachdenken.« Eine weitere entscheidende Frage sei, was mit der Gesundheit der Bürger werde, die in der Nähe einer Frei- oder Erdleitung leben müssten. Freileitungen und Erdkabel haben also Vor- und Nachteile. Insgesamt sehen es die Isselhorster Landwirte so: »Da wird uns Angst und Bange, weil niemand darüber richtig nachdenkt.«

Kommentare

Südlink-Tasse als Erdkabel vs. dezentrale Stromgewinnung

So: »Niemand hat [Herrn Dreesbeimdieke] bislang erklärt, warum überhaupt die Stromtrasse gebaut werden muss.«

Dann sag ich mal, in ganz Deutschland - auch im Süden - werden konventionelle Kraftwerke auf Drängen der Umweltlobby abgeschaltet, denn an der Küste im Norden kann man sehr gut und viel Strom aus Windernergie gewinnen. Aber dummerweisen leben auch im Süden dieses Landen Menschen, die gern von der technischen Errungenschaft Strom profitieren möchten. Und aus diesem Grunde sind nun einmal leistungsfähige Leitungstrassen von Nord nach Süd nötig. -- Alternativ könne man südlich des Weser-Wiehengebirgens ja auch ein paar Atomkraftwerke errichten. Dann brauchts keine 'Südlink-Trasse' ... Alles klar?

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