Hilfe aus Nachbarkommunen – Borgholzhausener Freibad soll am Dienstag wieder öffnen
Wassernotstand vorerst abgewendet

Borgholzhausen (WB). Wegen Trinkwasserknappheit musste das Freibad in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) zeitweise schließen, die Stadt musste das Bewässern von Gärten und das Befüllen von Privatpools verbieten. Doch jetzt hat sich die Lage dank der Hilfe benachbarter Kommunen wieder entspannt.

Montag, 10.08.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 15:30 Uhr
Das Borgholzhausener Freibad soll am Dienstagvormittag wieder öffnen. So können die Schüler wenigstens am letzten Ferientag noch das kühlende Nass genießen. Foto: Johannes Gerhards

»Wir sind glücklich, dass wir kurzfristig Schlimmeres vermeiden konnten und danken der TWO für die Unterstützung «, sagt Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann und freut sich darüber, dass dank nachbarschaftlicher Unterstützung der Hochbehälter des Wasserwerks wieder einen deutlich erhöhten Pegelstand anzeigt.

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerkes stellten am Wochenende die Notreserve an Trinkwasser für die 80 Bewohner vom DRK-Haus Ravensberg sicher. Obwohl das Haus seit Sonntagabend wieder an die städtische Wasserversorgung angeschlossen ist, bleibt die Anlage vorerst betriebsbereit.

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerkes stellten am Wochenende die Notreserve an Trinkwasser für die 80 Bewohner vom DRK-Haus Ravensberg sicher. Obwohl das Haus seit Sonntagabend wieder an die städtische Wasserversorgung angeschlossen ist, bleibt die Anlage vorerst betriebsbereit. Foto: Gerhards

Samstag und Sonntag wurden die Bürger in den Abendstunden mittels Lautsprecherdurchsage über die prekäre Lage informiert und aufgefordert, ihren privaten Wasserverbrauch nach Möglichkeit einzuschränken . Im DRK-Haus Ravensberg war ein THW-Team vom Ortsverband Lemgo im Einsatz, um die Notfallreserve bei der Trinkwasserversorgung sicher zu stellen. Insgesamt wurden fünf Puffer-Behälter mit einem Fassungsvermögen von jeweils rund 900 Litern installiert. Sie werden über eine Schlauchleitung von identischen Behältern auf den Einsatzfahrzeugen aufgefüllt. Von da aus fließt das aus Bockhorst herbei geschaffte Wasser ins hauseigene Versorgungsnetz.

Aus diesen rund 900 Litern fassenden Pufferboxen fließt das Trinkwasser in die Hausleitungen vom DRK Haus Ravensberg. Schläuche und Anlagen bleiben vorerst vor Ort, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Aus diesen rund 900 Litern fassenden Pufferboxen fließt das Trinkwasser in die Hausleitungen vom DRK Haus Ravensberg. Schläuche und Anlagen bleiben vorerst vor Ort, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Foto: Gerhards

»Die Inlets aus Kunststoff müssen alle zwei Tage aus hygienischen Gründen ausgetauscht werden«, erläutert Einsatzleiter Dirk Schemmel, der die momentane Lage im Corona-Jahr als »nicht so einfach« einstuft. Am Sonntagabend gibt Bürgermeister Dirk Speckmann vorerst Entwarnung: »Haus Ravensberg ist nun wieder auf Stadtwasser umgestellt, um uns den Pendelverkehr nach Bockhorst zu ersparen«. Dennoch bleibe die Anlage zunächst vor Ort und betriebsbereit, um jederzeit wieder reagieren zu können.

Das seit Sonntag geschlossene Freibad, bei dessen routinemäßig anstehenden Arbeiten zur Filterspülung eine große Menge Frischwasser benötigt wurde, soll am Dienstagvormittag wieder seine Tore öffnen, damit die Kinder laut Speckmann »den letzten Ferientag noch im kühlen Nass genießen können«.

Dank nachbarschaftlicher Unterstützung durch die TWO liegt der Pegelstand im städtischen Hochbehälter nicht mehr im bedrohlichen Bereich. Vorübergehend war er in die Nähe der Löschwasserreserve gesunken.

Dank nachbarschaftlicher Unterstützung durch die TWO liegt der Pegelstand im städtischen Hochbehälter nicht mehr im bedrohlichen Bereich. Vorübergehend war er in die Nähe der Löschwasserreserve gesunken. Foto: Gerhards

Entgegen der in sozialen Netzwerken aufgestellten Behauptungen sind die industriellen Großbetriebe trotz derzeit auf Hochtouren laufender Kühlanlagen keineswegs die hauptsächlichen Wasserverbraucher. »Die Top 3 Bartling / Nagel / Düpmann haben einen Jahresverbrauch von gerade mal grob sieben Prozent unserer Liefermenge, und dann kommt schon als viertwichtigster Abnehmer das DRK Haus Ravensberg mit seinen 80 Bewohnern«, sagt Dirk Speckmann. Um zu verdeutlichen, dass gerade die Privathaushalte entscheidend zu Spitzenverbräuchen beitragen, macht er folgende Rechnung auf: »Ein normaler Tagesverbrauch beträgt bei uns mit leichten Schwankungen durchschnittlich 900 Kubikmeter«, was in etwa dem Fassungsvermögen des Hochbehälters gleichkomme.

Demnach entsprechen zehn gleichzeitig an einem Tag befüllte Pools mit je 10 Kubikmetern bereits einem Neuntel der zur Verfügung stehenden Wassermenge. Speckmann bezeichnet den seit etwa zwei Jahren zu beobachtenden Trend zum eigenen Pool als »furchtbar«, auch weil das städtische Freibad auf Dauer darunter leiden werde, da sinkende Besucherzahlen dessen wirtschaftlichen Verlust noch erhöhen.

Wenn darüber hinaus etwa 300 Gartenbesitzer bei trocken-heißer Witterung am Tag jeweils eine Stunde lang ihren Rasen und die Beete mit Stadtwasser wässern, werde so bereits ein Drittel der normalen Tageskapazität an kostbarem Trinkwasser vergeudet. Das zum Teil aus großen Tiefen geförderte Trinkwasser von hoher Qualität sei aber vorrangig zum Kochen, Trinken, Reinigen und auch für die Klospülung gedacht – so die bisherige Auslegung der Wasserwerks-Infrastruktur.

Nicht nur das Wasserwerk Borgholzhausen wird sich auf neue Strategien zur Sicherung der Trinkwasserversorgung einstellen müssen. Offenbar zeigen die Klimaveränderungen auch in diesen Breiten ernsthafte Auswirkungen.

Nicht nur das Wasserwerk Borgholzhausen wird sich auf neue Strategien zur Sicherung der Trinkwasserversorgung einstellen müssen. Offenbar zeigen die Klimaveränderungen auch in diesen Breiten ernsthafte Auswirkungen. Foto: Gerhards

Mit derartigen Herausforderungen steht Borgholzhausen keineswegs alleine da. Viele Wasserwerke fördern wegen Dürresommern und sinkender Grundwasserpegel derzeit an ihrer Kapazitätsgrenze. Speckmann plädiert angesichts dieser Lage für eine verstärkte Regenwassernutzung etwa für die Toilettenspülung. Idealerweise sollten zudem Niederschläge weitflächig versickern, anstatt möglichst schnell über Kanäle zum nächsten Bach geleitet zu werden.

Weil ein für Borgholzhausen wichtiger Grundwasserleiter offenbar inzwischen bei weitem nicht mehr so leistungsfähig ist wie bisher, greift vorerst der Notverbund mit Halle und Steinhagen. In der kommenden Sitzung des Betriebsausschusses am 17. August wird das Thema wohl die Tagesordnung beherrschen. Es steht außer Frage, dass langfristige Strategien zur flächendeckenden Sicherung der Wasserversorgung erarbeitet werden müssen.

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