Verfahren zum Totschlag am Uphof in Borgholzhausen: Gericht will psychiatrischen Gutachter anhören
Beschuldigter wünscht sich Todesurteil

Bielefeld/Borgholzhausen (WB). Vor der 10. Strafkammer des Bielefelder Landgerichts hat die Verhandlung wegen des Tötungsdelikts Am Uphof in Borgholzhausen begonnen. Der 38-jährige in Bukarest geborene Nicolae I. ist wegen Totschlags an seiner damaligen 38-jährigen Lebensgefährtin Florentina P. angeklagt.

Donnerstag, 11.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 05:01 Uhr
In einer Dachgeschosswohnung in diesem Haus am Uphof in Borgholzhausen wurde am 8. Januar 2020 eine Frau tot aufgefunden. Foto: Stefan Küppers

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 8. Januar 2020 getötet zu haben, ohne Mörder zu sein. Nach einer lautstarken Auseinandersetzung habe der „nicht unerheblich alkoholisierte“ Beschuldigte seine Lebensgefährtin unter Anwendung von körperlicher Gewalt zu Boden gebracht, auch weil sie seine Kinder beleidigt haben soll. Infolge der Gewalteinwirkungen erlitt die Geschädigte ein massives Schädelhirntrauma mit erheblichem Blutverlust und starb innerhalb kürzester Zeit wegen Einatmens und Verschluckens von Blut.

Beschuldigter: Ehefrau hat mich in Rumänien mit dem Chef betrogen

Auf entsprechende Nachfragen des Vorsitzenden Richters Christoph Meiring erklärte sich der Angeklagte zu umfassenden Äußerungen zum Tathergang und seinem bisherigen Lebensweg bereit. Über seine Dolmetscherin berichtete er, dass seine Ehefrau ihn in Rumänien mit dem Chef betrogen habe und ihn anschließend als verrückt dargestellt habe. „Ich möchte verurteilt sein und ein Todesurteil bekommen, damit die Sache ein Ende hat“, erklärte er dem Richter.

Seine Freundin Florentina P. sei seine große Liebe gewesen. Nach dem Kennenlernen über Messengerdienste sei er im Oktober 2019 nach Deutschland gekommen und kurz danach bei ihr eingezogen. „Ich weiß, dass sie noch am Leben ist“, behauptete Nicolae I. Wiederholt sprach er von „diesen Herren“, die ihm alles eingebrockt und die Unterlagen für einen Mord zusammengestellt hätten. Floren­tina habe von ihm verlangt, dass er ihr die Nase breche, um Geld von eben diesen Herren zu erhalten. Daraufhin habe er sie gegen den Türrahmen geschubst und dann die Wohnung verlassen. Vorher habe er sie noch umarmt, damit sie nicht schreit. Außerdem hätte Florentina P. seine Kinder aufs Heftigste beleidigt und außerdem noch seine Dokumente aus dem Fenster geworfen. Selbst durch Vorlage von Tatortfotos und gezieltem Nachfragen konnte es Richter Christoph Meiring nicht gelingen, eine nachvollziehbare Chronologie des Tathergangs aufzuzeigen.

Auch Staatsanwältin Claudia Bosse schafft es nicht, Licht ins Dunkel der Tatnacht zu bringen. Auf die Frage, mit wem er sich denn noch an jenem Abend getroffen habe, erwähnt Nicolae I. etwa seinen Bruder und einen Arbeitskollegen. Es gebe Filmaufzeichnungen über den tatsächlichen Verlauf des Abends. Der werde aber erst gezeigt, wenn das Urteil gesprochen sei.

Bereits in Rumänien in psychiatrischer Behandlung gewesen

Offenbar war der Angeklagte bereits in Rumänien in psychiatrischer Behandlung, wenngleich er selbst vehement abstreitet, verrückt zu sein. In seiner Heimat sei es üblich, bei Trennungen in die Hand „dieser Herren“ ausgeliefert zu werden. Auf mehrfaches Nachhaken des Richters erklärte sich der Angeklagte bereit, den Psychiater der JVA Brackwede, wo er zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, und weitere Ärzte und Psychologen aus einer Bukarester Klinik von ihrer Schweigepflicht zu befreien.

Nach einstündiger Beratungspause kündigte Richter Christoph Meiring an, dass die Kammer einen Sachverständigen als Gutachter mit einer psychiatrischen Untersuchung des Angeklagten beauftragen werde. Weil die Einlassungen des Beschuldigten neu und überraschend seien, komme man so mit der Beweisaufnahme nicht voran. Ob das Verfahren wie geplant am 18. Juni fortgesetzt werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

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