Pfarrer Josef Dieste aus Halle zum Umgang mit der Corona-Pandemie
„Es heißt Hallelu-Ja“

Halle (WB). Das Osterfest als Höhepunkt des Kirchenjahres wird in diesem Jahr wohl zum ersten Mal in der Geschichte in ungewöhnlicher Form gefeiert. Wie geht die Kirche mit dieser großen Herausforderung um, und welche Antworten kann sie aus christlicher Sicht geben?

Freitag, 10.04.2020, 09:00 Uhr
Pfarrer Josef Dieste weiß, dass viele gerade an Ostern den Kirchgang zum Gottesdienst in Herz-Jesu vermissen. Zurzeit kann die Kirche nur Einzelseelsorge anbieten. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Josef Dieste ist Dechant des Dekanats Rietberg-Wiedenbrück und Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden des Pastoralverbundes Stockkämpen, der die Gemeinden Borgholzhausen, Halle, Steinhagen, Versmold und Werther umfasst. Die Fragen stellte Westfalen-Blatt-Mitarbeiter Johannes Gerhards.

 

Welche Kommunikationswege wählen Sie, um mit den Gläubigen in Kontakt zu treten?

Josef Dieste: Da sind alle Kirchen sehr phantasievoll geworden, es gibt fast schon einen Ideenwettbewerb auf den Homepages mit guten Ideen für die Gestaltung dieser Tage in den Familien. Ich verweise gerne auf unsere Webseite www.pastoralverbund-stockkaempen.de. Aber wir haben insbesondere auch die älteren Menschen zu bedenken. Hier gibt es schriftliche Grüße ins Haus, Telefonzeit und das Gespräch darüber werden wichtiger, wir nehmen uns diese Zeit.

Gerade in dieser Zeit sind viele Menschen von Ängsten und Einsamkeit bedroht. Wie schafft es die Kirche, ihrer Rolle als Trostspender und Vermittler des Ideals christlicher Nächstenliebe gerecht zu werden?

Josef Dieste: Wir sind da! Das können wir versichern! Die Kirche betet! Ich mache das bei Glockengeläut in der Herz-Jesu-Kirche und sende einen Abendsegen! Hier können wir zurzeit nur Einzelseelsorge anbieten, keine Festgottesdienste. Rufen Sie uns an! Es entsteht aber auch derzeit ein Vakuum. Die Menschen vermissen den Sonntag mit Kirchgang und Auferstehungsfeier an Ostern mit Osterfrühstück.

Was fällt Ihnen persönlich gerade besonders schwer im reduzierten persönlichen Umgang mit den Gemeindemitgliedern?

Josef Dieste: Besuche im Altenheim, im Krankenhaus sind nicht möglich. Auch zuhause gibt es meist Bedenken. Es kann deshalb sein, dass Menschen ohne familiären oder seelsorglichen Kontakt im Krankenhaus leben oder sterben müssen ohne den Trost des Gebetes, auf den sie ein ganzes Leben gesetzt und gehofft haben.

Welche Ratschläge kann die Kirche in der gegenwärtigen Situation erteilen?

Josef Dieste: Bitte keine! Sich an die Regeln halten, die Staat und Gesellschaft vorgeben. Nähe durch Distanz! Wir sollten aber auch das Hauptgebot der Christen neu entdecken: Gott ehren und den Nächsten lieben wie sich selbst.

Wie wird sich die Corona-Krise auf das zukünftige Gemeindeleben auswirken? Steht eine „Renaissance des Glaubens“ bevor, oder werden sich die Menschen von der Religion abwenden?

Josef Dieste: Ich habe Sätze wie „Not lehrt beten“ oder „Es müssen wieder schwere Zeiten kommen, dann beten sie wieder!“ nie leiden können. Gottesbeziehung lässt sich nicht verordnen. Das hat etwas mit Geborgenheit zu tun. Geborgen fühle ich mich in guten oder auch in schlechten Zeiten.

Sind Ihnen schon Menschen begegnet, die die CoronaPandemie für eine Strafe Gottes oder eine „letzte Warnung“ halten? Ist nach der Zeit der erzwungenen Einkehr und Entschleunigung eine Neuausrichtung der christlichen Lehre in Bezug auf Bewahrung und Erhaltung der Natur und im Umgang miteinander erforderlich?

Josef Dieste: Die Pandemie lässt nachdenklich werden und fordert wohl auch zu persönlichen Konsequenzen und zu koordiniertem internationalen Handeln auf. Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato si“ immer wieder darauf hingewiesen, auch über den Lebensstil in Europa nachzudenken. Es wird jetzt sehr deutlich, dass Gottes JA zur Schöpfung dem Menschen eine große Verantwortung für sein Tun lässt.

Wie lautet Ihre ganz persönliche Osterbotschaft in diesem Jahr?

Josef Dieste: Das schöne Wort Hallelu-ja endet mit einem Ja! Ganz positiv und zugewandt! Hallelu-nein wäre ein furchtbares Wort! Das dürfen und wollen wir in diesem Jahr auch feiern und singen, wenn wir uns wieder treffen können. In den Osterliedern kommen leicht 50 bis 60 Halleluja zusammen.

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