„Fridays for future“: Hunderte Teilnehmer im Altkreis ziehen in den Klimastreik – mit Video „Nicht morgen, sondern jetzt!“

Werther (WB). Freitagmittag in Werther. Noch ist es ruhig in der Innenstadt. Vereinzelt stehen auf dem Vorplatz der St. Jacobikirche Menschen mit Plakaten und Bannern für den bevorstehenden Klimastreik. Auf einem ist die Erdkugel mit steigendem Thermometer abgebildet.

Von Volker Hagemann
Die Gymnasiastinnen Jana Schwartz (links) und Inka Lege führen am Freitagmittag den etwa 100-köpfigen Protestzug des Klimastreiks an. Damit schließen sie sich den weltweiten Protesten der Bewegung „Fridays for future“ an.
Die Gymnasiastinnen Jana Schwartz (links) und Inka Lege führen am Freitagmittag den etwa 100-köpfigen Protestzug des Klimastreiks an. Damit schließen sie sich den weltweiten Protesten der Bewegung „Fridays for future“ an. Foto: Volker Hagemann

Um kurz vor 13 Uhr folgen drei mal drei Glockenschläge, und aus der Kirche strömen Besucher der ökumenischen Andacht. Dazu hatten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde vor Beginn der Protestaktion eingeladen. Innerhalb kurzer Zeit kommen etwa 100 Interessierte zusammen, die den Ausführungen der Organisatoren lauschen. Zu denen zählen Jana Schwartz und Inka Lege von der Ortsgruppe Werther der „Fridays-for-future“-Bewegung sowie Florian Warzecha, Mariann Milsmann, außerdem vom Evangelischen Gymnasium „Klimascout“ Tim Vogel.

Mit dabei sind auch die „Parents for future“

Auch Vertreter der „Parents for future“, der Eltern, reihen sich in den Protest ein, der den Klimapakt der Bundesregierung als unzureichend geißelt. Kurz zuvor hatte zwar der Bundesrat am Freitagvormittag unter anderem die Erhöhung der Ticketsteuer für Flüge und die Einführung eines CO 2 -Preises für Verkehr und Heizen gebilligt, „doch die CO 2 -Bepreisung ist noch viel zu lasch“, findet Mariann Milsmann.

Begleitet von Polizei und Ordnungsamt setzt sich der Zug der Klima-Demo aus Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in Bewegung. Singend und skandierend, geht es über Alte Bielefelder Straße und Ravensberger Straße bis zum Rathaus. Und immer wieder schallen Slogans durch die Stadt wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!“ und „Wehrt Euch, leistet Widerstand gegen Kohle hier im Land!“

Während der Abschluss-Kundgebung vor dem Rathaus greift auch Anne-Kathrin Warzecha zum Megaphon. Von den weltweiten Folgen des Klimawandels – etwa schmelzende Eisberge, brennender und schwindender Regenwald – spannt sie den Bogen hin zu den Möglichkeiten, die wohl jeder Einzelne für ein klimafreundlicheres Verhalten hat: „Es liegt in unserer Hand, Ökostrom zu nutzen. Und zu entscheiden, wo ich einkaufe, nämlich möglichst regional, was ich kaufe, wie es verpackt ist“, appelliert Warzecha. Jana Schwartz und ihre Mitschüler vom EGW empfehlen, gerade in der Innenstadt Fahrrad und Bus statt Auto zu nutzen. „Die Klimakrise gehört ganz nach oben in der Politik. Nicht morgen oder übermorgen, sondern jetzt!“

Stille Mahnung in Halle mit Rednern dreier Generationen

Die Forderung nach mehr politischen Maßnahmen zugunsten des Klimaschutzes – sie kann laut und deutlich sein wie bei den vergangenen Protestzügen in Halle und am Freitag erneut in Werther und in Borgholzhausen. Es geht aber auch leiser und dennoch nicht weniger eindringlich. So wie jetzt in Halle.

„Wir haben die Teilnehmer zuvor gebeten, stimmungsvolle Lichter mitzubringen: Kerzen, Laternen, aber auch Taschenlampen“, erklärt Mitorganisator Fynn Horstmannshoff. Der 20-Jährige gehört der Bewegung „Fridays for future“ für den Altkreis Halle an. Fast 100 Teilnehmer folgen am Freitagabend dem Aufruf und versammeln sich auf dem Ronchinplatz. Obwohl es inmitten der Adventsbeleuchtung auf den ersten Blick gar nicht so streitbar zugeht. Trotzdem betont Horstmannshoff: „Wir wollen Druck auf die Politiker ausüben. So wie es heute Mitstreiter in etwa 550 Orten in ganz Deutschland machen. Denn das anfängliche ohnehin nur ‚Klimapäckchen‘ ist heute im Bundesrat eher ausgehöhlt worden.“

Laternen und Kerzen rund um den Haller Ronchinplatz

Der 20-Jährige freut sich über den wachsenden Zuspruch: „War es vor einem Jahr ein reiner Schüler-Streik, so haben sich nach ihrer Skepsis gegenüber den ‚Schulschwänzern‘ längst viele Erwachsene angeschlossen.“ Zu denen gehört am Freitag auch Nina Steinkühler von den „Parents for future“, den Eltern. Sie prangert in ihrer Rede die dramatischen Folgen des Klimawandels ebenso an wie nach ihr auch Cora Brand: Die 74-jährige Biologin erinnert an kahle Felder und trockene Felder, appelliert, etwa mehr Bäume zum Klimaschutz zu pflanzen.

Zum Ausklang der Protestaktion leuchten am Ende fast 100 kleine Lichter rund um den Platz.

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