Rainer Moritz stellt in Versmold sein neuestes Werk vor
Autor im »Leseparadies«

Versmold  (WB/jog). Mehr als 50 Jahre liegen zwischen seinem Debüt im Rahmen eines Heilbronner Vorlesewettbewerbs und seinem Auftritt in der Versmolder Buchhandlung Krüger. Damals konnte Rainer Moritz mit nichtliterarischen Texten aus dem Sachbuch »Fußball 66« die Jury nicht überzeugen. Heute begeistert er die Zuhörer mit seiner »Liebeserklärung an die Buchhandlung«.

Montag, 01.07.2019, 08:00 Uhr
Zum Abschluss des Versmolder Lesefrühlings war Rainer Moritz in der Buchhandlung Krüger zu Gast. Er stellte sein Buch »Leseparadiese« vor. Foto: Gerhards

Die Lesung beendet nicht nur den diesjährigen Lesefrühling, sie ist zugleich ein bedeutender Einschnitt im Leben von Gesine Klack, die sich nach mehr als 40 ungemein erfolgreichen Jahren in den Unruhestand verabschiedet, wie es ihre Nachfolgerin Christina Risken formuliert. Der Autor und die Buchhändlerin aus Passion kennen sich seit Jahren – vermutlich aufgrund einer »plumpen Einladung«. Zum wiederholten Mal ist Rainer Moritz, unter anderem Leiter des Literaturhauses Hamburg, in Versmold zu Gast. Den meisten der rund 80 Besucher ist er offensichtlich gut bekannt.

Als Ex-Fußballschiedsrichter verfügt er über die geschulte Stimme, um ohne elektronische Verstärkung auch die letzte Reihe zu erreichen. Er beginnt seinen Vortrag aus seinem Werk »Leseparadiese« ganz von vorn. Da ist die Rede von Urbüchern und Urwörtern, die einem beim Start ins literarische Leben begegnen. Ein Aufstöhnen der Wiedererkennung im Publikum, als Moritz die entscheidenden Werke aus dem Bücherregal seiner Eltern auflistet.

Jahrzehntelang das kulturelle Leben koordiniert

Als seine »Urbuchhändlerin« beschreibt er Carmen Tabler, auf die er seine bis heute anhaltende Vorliebe für »dunkelhaarige Frauen mit grauen Strähnen« zurückführt. In ihrer Buchhandlung liefen Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre die Fäden des Widerstands gegen amerikanische Pershings zusammen. In Versmold koordinierte Gesine Klack jahrzehntelang das kulturelle Leben, wie Rainer Moritz zwischendurch seiner lokalen »Spezialbuchhändlerin« entlockt. »Drei Semester Studium wollte mir mein Vater spendieren, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Es hat aber nichts genutzt«, berichtet diese mit einem Schmunzeln.

Buchhandlungen als Bollwerke gegen den Zeitgeist seien »Leuchtbojen in unwirtlichen Einkaufspassagen«, die mit Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist in der Lage sind, die ökonomische und geistvolle Zukunft zu sichern. »Besuche in Buchhandlungen werden zu unvergesslichen Erlebnissen, sobald ein Zauber überspringt, wenn man lesend und redend die Zeit vergisst«, behauptet Moritz. Wenn einen aber – wie in der Berliner Autorenbuchhandlung – »der Bannstrahl der hoch intellektuellen Verkäuferschaft treffe« sei das Maß des Erträglichen überschritten.

Autoren mit Schrullen und Macken

In Kapitel sechs widmet sich der Autor der Unverwüstlichkeit von (Wasserglas-)Lesungen. Auch hier kann Gesine Klack einiges an persönlichen Erfahrungen beisteuern, waren doch namhafte Autoren mit allen möglichen Schrullen und Macken bei ihr zu Gast. Am unangenehmsten ist ihr der Besuch von Ephraim Kishon in Erinnerung geblieben, der seine Lesung nach 45 Minuten beendete. »Seine Werke sind kaum noch lieferbar« sagt Rainer Moritz dazu und macht sich lustig über eins der erschreckendsten Phänomene der Gegenwart: »Romane von Schauspielern müssten verboten werden«.

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