Teilnehmer der Internationalen Spökenkiekerfahrt machen eine Rast auf Hof Upmann
Starke Kisten unterwegs am Teuto

Borgholzhausen(WB). Man muss schon schrauben können und sich mit alter Technik auskennen. Wer dann noch ein Motorrad besitzt, das vor dem Jahr 1926 hergestellt worden ist, darf mit seinem Gefährt bei der jährlichen Spökenkiekerfahrt mitmachen. Die historische Ausfahrt ist einst von Heiner Beckmann vom Motorradmuseum Greffen initiiert worden. Inzwischen gibt es die Fahrt seit 28 Jahren.

Dienstag, 04.06.2019, 07:41 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 08:00 Uhr
Besondere Familienkutsche. Christian und Manuela Ringgenberg samt Nachwuchs Liana (vorne) und Malea sind extra aus der Schweiz angereist, um mit 30 anderen Fans historischer Motorräder an der Spökenkiekerfahrt teilzunehmen. Foto: Johannes Gerhards

Auch nach dem Tod Beckmanns vor fünf Jahren wird die tolle Tradition fortgeführt. Am vergangenen Samstag fuhren 30 antike Motorräder und Gespanne auf eine »Schaufahrt durch die schöne ostwestfälische Landschaft«.

Rast auf dem Hof Upmann

Gegen Mittag knattern die meisten der Teilnehmer mit ihren Maschinen den Hof Upmann. Die älteste Maschine – eine Clement von 1901 – ist den Strapazen der Neuzeit offensichtlich nicht gewachsen und macht unterwegs schlapp.

»Schon wieder Pause«, denken sich dagegen die Mitglieder der Schweizer Familie Ringgenberg. Christian und Manuela sind mit einem AJS-Gespann aus dem Jahr 1923 unterwegs, die beiden Töchter Liana und Malea sitzen perfekt ausgerüstet im Beiwagen.

»Es macht Spaß, auch mal ohne Steigungen herum zu fahren«, sagen Mama und Papa, dafür ist ihnen auch die mehr als 600 Kilometer lange Anreise aus den Alpen nicht zu weit, wobei sie für ihr Gefährt natürlich einen Transporter nutzen. An drei bis vier Rundfahrten pro Jahr nimmt die Familie teil. Die Kinder finden laut ihren Eltern bei sämtlichen Veranstaltungen schnell »Ersatzomas und -opas«.

Karbidlampen sind im Tunnel verboten

Im internationalen Teilnehmerfeld sind neben den Einheimischen weitere Schweizer und einige Niederländer. »Wegen der Karbidlampen haben wir kein Durchfahrtsrecht bei Tunneln«, berichtet Christian Meyer aus Hunzenschwil (CH). Wie seine Frau Anny fährt er eine Condor-Maschine aus den zwanziger Jahren. Das größte Problem sei auch in der Ebene das eigene Rückgrat, gibt er schmunzelnd zu, weil der Sattel als einzige Federung nicht den heute üblichen Komfort biete.

Ganz begeistert, so viele funktionierende alte Fahrzeuge zu sehen, zeigt sich Piums stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Schröter. Mit den Worten »Ich freue mich, dass alle den Weg gefunden haben« verteilt sie Lebkuchenherzen an die Teilnehmer. »Wir fahren in jedem Jahr annähernd die gleiche Strecke«, erklärt Uwe Goedereis aus Löhne. Er hat lediglich die ersten drei Rundfahrten verpasst, weil sein Fahrzeug – eine Peugeot von 1904 – seinerzeit noch zu modern war.

Die Markierungen sind simpel: Dreieck steht für geradeaus, Quadrat heißt links und Kreis rechts abbiegen. Dennoch haben sich nach seinen Angaben wohl einige Fahrer von den Kennzeichnungen einer RTF irritieren lassen.

Beim Start ist mitunter menschliche Anschubhilfe nötig

Manche der alten Schätzchen haben keine Kupplung, deswegen ist beim Start menschliche Anschubhilfe erforderlich. Walter Schenk aus Spenge muss seine 1910er Humber per Handkurbel in Schwung bringen. Hermann Nordmann aus Exloo (NL) läuft neben seiner Blackburne her, springt dann akrobatisch auf und fährt davon.

Nach 40-minütiger Rast und Fachsimpelei sind die motorisierten Veteranen wieder verschwunden. Nachmittags erhält der schönste Spökenkieker im Garten des Greffener Motorradmuseums den diesjährigen Ehrenpreis.

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