Marianne Sägebrecht präsentiert in Borgholzhausen »Sterbelieder fürs Leben«
Der Tod redet ein Wörtchen mit

Borgholzhausen (WB). »Wer Angst vor dem Tod hat, fängt nie zu leben an«, mit diesem Zitat begrüßt Ingrid Stolte von der Hospizgruppe Borgholzhausen die rund 200 Besucher im ausverkauften Gemeindesaal.

Samstag, 02.03.2019, 09:45 Uhr aktualisiert: 02.03.2019, 09:50 Uhr
Sterbelieder fürs Leben präsentieren (von links) Lyriker Josef Brustmann, Schauspielerin Marianne Sägebrecht und Musiker Andreas Arnold auf Einladung der Hospizgruppe im ausverkauften Gemeindesaal in Borgholzhausen. Foto: Johannes Gerhards

Zum Auftakt der neunten Veranstaltungsreihe »Dem Alter begegnen« ist die vielseitige Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht zu Gast. Begleitet wird sie vom Musiker und Lyriker Josef Brustmann und dem Instrumentalisten Andreas Arnold.

Diese drei »holen den Tod zurück ins Leben« und präsentieren in durchaus heiterer Atmosphäre tröstliche Lieder, schließlich sei der Tod in erster Linie etwas Schlimmes für die Zurückbleibenden. Für die, die den Verlust im Herzen spüren müssen, bedarf es des Trostes der Dichter und Sänger, so lautet der Untertitel des berührenden Abends.

Zwischen Texten, Klarinetten-Solo und Zither-Musik

In der Tat haben zahlreiche Poeten sich dem Tod von verschiedenen Seiten genähert. Josef Brustmann reiht sich ein in die Reihe der Berühmtheiten von Bertholt Brecht über Heinrich Heine, Clemens Brentano und Robert Gernhardt. »Mein größter und ältester Bruder, der nicht leben durfte, wird mir einst beim Sterben helfen«, so lautet sein kurzes prägnantes Gedicht.

Die drei Künstler wechseln sich auf der Bühne ab und spielen sich imaginäre Bälle zu: hier ein schlicht vorgetragener Text, dort ein meditatives, hauchzartes Klarinettensolo oder besinnlich-entspannte Zitherklänge, die zum Träumen und Nachdenken einladen.

»Der große Tod, den jeder in sich hat, das ist die Frucht, um die sich alles dreht«, heißt es bei Rainer Maria Rilke. »O lass mein Schweigen sein dein Lied«, wünscht sich Georg Trakl, während Friedrich Hebbel die letzte Rose des Sommers durch den Flügelschlag eines Schmetterlings vergehen sieht. Schließlich weiß auch Khalil Gibran »Die Blume geht zugrunde, aber der Same bleibt zurück«. Mascha Kaléko beendet ihr »letztes Lied« mit den an ihren Sohn gerichteten Worten »Ich werde still sein, doch mein Lied geht weiter. Ich bin so müde – aber Du sei heiter«. Hermann Hesse lässt in »Beim Schlafengehen« von 1911 die »unbewachte Seele in freien Flügen schweben«, das kann durchaus als Aphorismus für den Tod als ewigem Schlaf begriffen werden.

Mit Robert Gernhardt zum eher unbeschwerten Teil des Abends

»Mein Körper ist so unsozial. Ich rede, er bleibt stumm. Ich leb ein Leben lang für ihn. Er bringt mich langsam um«, mit diesem humoristischen Text von Robert Gernhardt leitet Josef Brustmann den eher unbeschwerten Teil des Abends ein.

Auch die Musik wird leichter und beschwingter. Nach einer virtuosen Zitherversion von »Sound of Silence« gibt es erstmals größeren Szenenapplaus. An­dreas Arnold legt sich daraufhin mit seinem Saxofon »etwas mehr ins Zeug«, als wolle er sagen, das kann ich auch – und das Publikum tut ihm den Gefallen.

»Wenn ich tot bin, mach ich was ich will« kündigt das Waisenkind bei Friedrich Holländer an, und Kabarett-Altmeister Hanns Dieter Hüsch lobt den »Gott der Gelassenheit« und wundert sich darüber, dass »jeder in den Himmel kommen, aber keiner sterben will«. Mit der Ballade von den zwei Königskindern geht ein Mut machender und Trost bringender Abend zu Ende.

Marianne Sägebrecht, die seit vielen Jahren das Sankt Josephs Hospiz in München unterstützt, betont zum Abschluss die Bedeutung von Sterbebegleitung. »Bei Start ins Leben helfen uns Hebammen, es wäre schön, wenn es auch genügend Hebammen oder ‚Hebammeriche‘ gäbe, die uns an dessen Ende unterstützen«.

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