Neubau 380 kV-Leitung: Planungsdialog gilt bundesweit als richtungsweisendes Beispiel Gemeinsam einen Weg finden

Borgholzhausen (WB/jog). »Sie sind die Experten, Sie kennen sich hier aus«, sagt Moderator Dr. Maik Bohne an die Adresse der etwa 100 Bürger, die sich auf Einladung von Amprion und Stadt Borgholzhausen zum Auftakt das Planungsdialogs in Haus Hagemeyer-Singenstroth versammelt haben. »Gemeinsamkeit ist unsere Absicht«, bekräftigt Katrin Schirrmacher, bei Amprion zuständig für Projektkommunikation.

Foto: Gerhards

Was vor rund sieben Jahren am Wohnzimmertisch von Rolf Syassen (SPD) in nahezu aussichtsloser Lage begann, findet nun eine Fortsetzung als bundesweit richtungsweisendes Beispiel von frühzeitiger Bürgerbeteiligung. Bürgermeister Dirk Speckmann spricht von einem bedeutenden Meilenstein in der langen Geschichte zum geplanten Neubau der 380kV Höchstspannungsleitung, als er auf die Entwicklung der vergangenen Jahre eingeht.

Im Gegensatz zu anderen von der Trasse betroffenen Kommunen im Kreisgebiet gab es 2014 in Borgholzhausen beim Planfeststellungsverfahren mehr als 700 Einwendungen. Nachdem das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) nun die Einstufung als Erdkabelpilotprojekt ermöglicht, wird die Planung zwischen Umspannwerk Hesseln und Landesgrenze neu aufgerollt.

Vergangenheit ausklammern

Speckmann rief alle Beteiligten auf, beim Neustart irritierende Aspekte der Vergangenheit auszuklammern, und bot sich Moderator Maik Bohne als unvoreingenommener »Schirmherr auf dem Weg zum wünschenswerten Konsens« an. Dieser seinerseits möchte beim gesamten Dialog für sachliches, strukturiertes und faires Vorgehen sorgen.

Die Arbeitsgruppe

Das Los bestimmte aus 32 Bewerbern Arne Knaust, Wolfgang Stöhner, Uta Halden, Pia Tammen, Ines von Kerssenbrock und Angelika Loth als Mitglieder der Arbeitsgruppe. Vorbestimmte Teilnehmer sind neben Moderator Dr. Maik Bohne Matthias Wennemann (Umwelt- und Naturschutz), Jan Brüggeshemke vom Heimatverein (Bereich Tourismus), Axel Bartling (Unternehmen vor Ort), Gabriele Lindemann (Forstbetriebsbezirk), Uwe Nagelsmöller und Henning Görlich (Landwirtschaft), Thorsten Junker (Untere Wasserbehörde), Dierk Bollin, Heinz Schlüter und Hartmut Halden (Bürgerinitiative), Kerstin Otte und Dirk Speckmann (Stadt Borgholzhausen), Katrin Schirrmacher und Jörg Finke-Staubach (Amprion).

Ein aus 20 Personen bestehendes Gremium wird sich in mindestens fünf Arbeitssitzungen, die bereits am 26. Januar beginnen, mit der Thematik beschäftigen, und am 6. Juli einen Bericht vorlegen. Zunächst erläutert Amprion den Stand der Planung aus seiner Sicht, danach werden Hinweise aus dem Dialog gleichberechtigt aufgenommen.

Alla Varianten kommen auf den Prüfstand

Jörg Finke-Staubach von Amprion benennt als Eckpunkte des mittelfristigen Zeitplans für 2020 das Genehmigungsverfahren und ein Jahr später den möglichen Baubeginn. Welche Teile der Leitung dann tatsächlich unterirdisch verlaufen, sei Bestandteil der Beratungen. Aus seiner Sicht ist das bis zu einer Länge von mindestens drei Kilometern wirtschaftlich und effizient. Dierk Bollin von der Bürgerinitiative hält dagegen auch 30 Kilometer für technisch machbar. Womöglich könnte das Ergebnis also irgendwo dazwischen liegen, wenn alle technologischen Innovationen berücksichtigt werden.

Auch Varianten außerhalb der bisherigen Bestandstrasse kommen auf den Prüfstand. Dann werde man die Grundstückseigner kontaktieren, kündigt Katrin Schirrmacher an. Für die Freileitungsgegner zählen nach wie vor Gesundheitsaspekte, Werterhalt von Gebäuden und Grundstücken und das Landschaftsbild zu den wichtigsten Aspekten.

Ehrlichkeit, Offenheit und Transparenz

Ehrlichkeit, Transparenz und Offenheit soll mit wissenschaftlicher Begleitung des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU) sicher gestellt werden. Stadtplaner Jan Abt, Soziologin Bettina Reimann und Projektleiterin Dr. Stephanie Bock werden den Dialog beobachten und ausführlich dokumentieren. »Wir beteiligen uns nicht direkt an den Diskussionen, machen aber Vorschläge für Nach- und Umsteuerungen und ziehen entsprechende Schlussfolgerungen«, sagt Stephanie Bock. Auch wenn mit Amprion erstmals ein Wirtschaftsunternehmen eine Studie der gemeinnützigen GmbH DIFU finanziere, sieht sie deren Neutralität nicht in Frage gestellt. »Beteiligung ist keine Spielwiese.«

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