PAB-Gesamtschulleitung und Polizei ziehen erstes Fazit aus Einsatz an der PAB-Schule Technischer Defekt löst Fehlalarm aus

Borgholzhausen (WB). Einen Tag nach dem Fehlalarm an der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule hat die Polizei bestätigt, dass dieser durch einen technischen Defekt entstanden ist. »Zu keiner Zeit bestand Gefahr für die Personen in der Schule«, erklärte die Behörde am Dienstag.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Sind alle draußen? Nach dem Evakuieren des Schulgebäudes überprüfen Polizeibeamte, ob wirklich alle Schüler versammelt sind. Dazu nutzen sie die Busse, um sich vor dem Regen und der Kälte zu schützen.
Sind alle draußen? Nach dem Evakuieren des Schulgebäudes überprüfen Polizeibeamte, ob wirklich alle Schüler versammelt sind. Dazu nutzen sie die Busse, um sich vor dem Regen und der Kälte zu schützen. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Am Tag nach der Bedrohungslage mit dem großen Polizeieinsatz und Evakuierung von Schülern und Lehrern herrscht an der Peter-August-Böckstiegel-Schule in Borgholzhausen fast schon wieder Alltag. Unterricht, Konferenzen, Klassenarbeiten. Und doch wirkt der vermutlich durch einen technischen Defekt ausgelöste Fehlalarm nach.

250 Schüler und Lehrkräfte wurden vom Alarmruf überrascht

»Wir werden nach einer angemessenen Zeit mit allen Beteiligten den Fall reflektieren und über Schwachstellen sprechen«, kündigte Ulla Husemann gestern an. Die Schulleiterin betonte, dass alle Beteiligten bei dem Einsatz sehr gut reagiert hätten. Etwa 250 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und AG-Betreuer wurden um 14.50 Uhr von dem Alarmruf überrascht.

»Wir haben aus dem Vorfall im Jahr 2013 gelernt«, sagte Husemann. Damals hatte es an der Piumer Gesamtschule einen ähnlichen Fall gegeben, als 700 Menschen eine halbe Stunde mit der Angst leben mussten, dass möglicherweise ein Amokläufer im Gebäude sei. Seinerzeit hatte ein Elektriker beim Bohren ausgerechnet die Leitung erwischt, über die der Alarm mit der Lautsprecheransage ausgelöst wird. Anders als am Montag hatte die Polizei damals mit einem kleinen Aufgebot reagiert, zumal die harmlose Ursache schnell geklärt war. Allerdings hatten im November 2013 nicht alle Lehrkräfte angemessen auf die Situation reagiert und ihre Klassen verlassen.

Exakt nach Plan vorgegangen

Das hat sich verbessert. »Auch aufgrund des besonnenen Verhaltens der Lehrer und der Schüler war der Polizei ein professionelles und schnelles Handeln möglich«, lobte Polizei-Pressesprecherin Katharina Felsch in der Pressemitteilung das Verhalten aller Beteiligten. »Wir haben aus den Erfahrungen gelernt«, sagte Ulla Husemann. Die Notfallpläne seien aktualisiert worden. Entscheidende Stellen wie das Sekretariat, wo im Bedrohungsfall alle Fäden zusammen laufen, würden exakt nach Plan vorgehen, was eine wertvolle Unterstützung für die Einsatzkräfte sei. Hier waren am Montag auch die Listen mit Klassenraumbelegungen, Stundenplänen und Schülernamen abrufbar, anhand derer die Polizeibeamten nach der Evakuierung den Überblick über die Vollzähligkeit behielten.

Hinweisschilder erleichtern Polizisten und SEK-Beamten die Orientierung

Auch die Hinweisschilder an den Gebäuden und an den Schuleingängen erleichterten den Polizisten und SEK-Beamten die Orientierung in dem unübersichtlichen Schulkomplex. Diese Tafeln wurden vor einigen Jahren installiert. »Mittlerweile sind fast alle Schulen im Kreis Gütersloh mit diesen Markierungen ausgestattet«, bestätigte Katharina Felsch.

Warum es zu dem Fehlalarm kam, blieb gestern rätselhaft. »Wir vermuten weiterhin einen technischen Defekt«, erklärte die Polizeisprecherin. Sowohl die Schule als auch die Polizei bestätigten, dass der eigentlich für solche Bedrohungssituationen vorgesehene Notfallknopf nicht gedrückt worden sei. An diesen könne ohnehin nur das Lehrpersonal gelangen. Für Schülerinnen und Schüler ist dieser nicht zugänglich.

»Polizeibeamte sind für solche Lagen geschult und gehen sofort rein«

Bei aller Aufregung und dem Aufwand hinter dem unfreiwilligen Einsatz war Schulleiterin Ulla Husemann in der Nachbetrachtung froh, dass sich das in Gang gesetzte große Räderwerk bewährte. »Bei allem Bedauern, dass so etwas überhaupt passiert, hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Schule und Behörden funktionierte«, sagte sie. So waren Beamte der Kreispolizeibehörde schnell vor Ort. »Unsere Kolleginnen und Kollegen sind für solche Gefahrenlagen geschult und gehen sofort rein«, bestätigte Katharina Felsch. Diese unmittelbare Gefahrenabwehr sei trainiert. »Denn die Jungs vom SEK sind zwar schnell, können aber nicht immer sofort da sein.«

Aus Sicherheitsgründen blieben Schüler zunächst in den Klassen

Die als erste eintreffenden Polizisten hätten zunächst alle Räume abgesucht, um einen möglichen Täter aufzuspüren. Aus Sicherheitsgründen blieben die Schülerinnen und Schüler zunächst in den Klassen. Erst mit Eintreffen der Beamten des Spezialeinsatzkommandos folgte die Evakuierung. Am längsten dauerte diese für die 22 Kinder der Rollhockey-AG in der großen Sporthalle. Sie kamen gegen 16.30 Uhr ins Freie.

Nach Abhaken auf der Liste durften die Jugendlichen zu ihren Eltern

Dort warteten Schulbusse, in denen die Schüler, die zum Großteil Taschen und Jacken zurückgelassen hatten, einen trockenen Aufenthalt fanden. Polizisten überprüften hier zunächst, ob alle Klassen vollzählig waren. Erst nach dem Abhaken auf der Liste durften die Kinder und Jugendlichen zu ihren Eltern, von denen viele hinter der Absperrung warteten. »Die Mehrzahl der Eltern hat sehr besonnen reagiert. Die Polizei hat aber auch großes Verständnis für jene gehabt, die in der Sorge um ihr Kind emotional reagiert haben«, erklärte Felsch.

SEK sucht noch einmal jeden Winkel des Gebäudekomplexes ab

Danach suchte das SEK noch einmal jeden Winkel des unübersichtlichen Gebäudekomplexes ab. »Die öffnen buchstäblich jede Schublade, falls sich jemand versteckt hat. Wir können es uns nicht erlauben, jemanden zu vergessen«, machte Felsch deutlich, warum das Gebäude an sich erst um 17.30 Uhr wieder freigegeben war. Wie weit die Polizei die Kreise zog, zeigte sich an den in Werther am dortigen Gesamtschulstandort und in Halle auf dem Storck-Parkplatz zusammengezogenen Reservekräften.

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