Ein Rundgang über Borgholzhausens Friedhof mit Carl-Heinz Beune Geschichte(n) der Grabsteine

Borgholzhausen (WB/jog). »Jubilate« steht auf dem Kreuz, das an den 1953 verstorbenen Pfarrer und Superintendenten August Wöhrmann erinnert. Die etwas befremdliche Aufforderung zum Jubilieren angesichts des Todes zeugt laut Carl-Heinz Beune von echtem Glauben an die Botschaft des Christentums.

Carl-Heinz Beune (Bildmitte) führt eine Besuchergruppe über den Borgholzhausener Friedhof. Der Heimatkenner geht den Hinweisen auf den Gräbern und Grabsteinen nach und erklärt historische Zusammenhänge.
Carl-Heinz Beune (Bildmitte) führt eine Besuchergruppe über den Borgholzhausener Friedhof. Der Heimatkenner geht den Hinweisen auf den Gräbern und Grabsteinen nach und erklärt historische Zusammenhänge. Foto: Johannes Gerhards

Etwa 40 Besucher haben sich vor der Friedhofskapelle versammelt, um beim Friedhofsrundgang anhand der zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Gedenksteine auf die jüngere Geschichte von Borgholzhausen zurück zu blicken. »Die Kapelle ist unser schönster Bau aus dem Betonzeitalter«, sagt Carl-Heinz Beune, ehe er fünf nennenswerte Stationen auf dem im Jahre 1841 angelegten Friedhof ansteuert.

Das auffällige Gebäude von 1961/62 orientiert sich optisch an einem westfälischen Bauernhaus. Es weist zugleich zeltähnliche Strukturen auf. Beune sieht hier einen theologischen Bezug an das vorübergehende und vergängliche Erdenleben im Gegensatz zur immer währenden Ewigkeit. Die ursprünglich an Fachwerk erinnernde Rahmenstruktur auf der Eingangsseite ist seit der behutsamen Renovierung verschwunden. Seither hat die Kapelle aus praktischen Erwägungen ein Vordach.

»Museumsdreieck« aus mehreren Epochen

Nächste Station ist das »Museumsdreieck« mit Grabmalen aus unterschiedlichen Stilepochen. Hier findet sich das erwähnte Kreuz neben dem überladen verschnörkelten Grabmal der Eheleute Carl Wilhelm und Johanna Wilhelmine Louise Horst von 1894. »Mich hat der Herr zu sich gezogen, der mich vielmehr als Ihr geliebt« lautet die Inschrift für die 1867 mit sieben Jahren gestorbene Johanne auf dem deutlich schlichter gestalteten Gedenkstein.

Als Gegenpol findet sich ein von der Postmoderne beeinflusstes Grab von 2016. »Es gibt keine eingrenzenden Vorschriften, alle Stile sind erlaubt«, erklärt Beune. Auf dem evangelischen Friedhof werden auch Katholiken beerdigt. Sogar das Grab eines jüdischen Verstorbenen finde sich hier. Demnächst werde es womöglich moslemische Bestattungen geben, vermutet Beune. Die Symbole haben nicht nur christliche Ursprünge. So ziert eine Funkantenne den Grabstein eines Fernsehtechnikers. Die Familien Müller, Nagelsmöller und Franz fühlten sich der Freimaurerloge verbunden, wie ein entsprechendes Symbol zeigt.

Nur Soldaten haben ewiges Ruherecht

Familiengräber werden nach 30 Jahren aufgelöst. Gefallene auf Soldatenfriedhöfen genießen ein ewiges Ruherecht. Im Bereich des Ehrenfriedhofes liegen die Gräber von 24 am 2. April 1945 gestorbener junger Männer. Auf Betreiben von Pastor Wilhelm Dietrich Müller wurde auch eine junge Zwangsarbeiterin, die nach einer Selbsttötung zunächst in der »Schmuddelecke« am Rand des Friedhofs beerdigt wurde, als Kriegsopfer hierhin umgebettet.

Im Zentrum mit direktem Blick auf die Kaiserstraße erhebt sich als ältestes Monument ein großes Kreuz. »Der Friedhof ist lockerer und freier angelegt als anderswo«, erläutert Carl-Heinz Beune.

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