Virusnachweis in 16 Minuten – Forscher spricht von Durchbruch
Uni Bielefeld entwickelt Corona-Schnelltest

Bielefeld (WB). Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist es einem Forscherteam der Universität Bielefeld gelungen, einen Schnelltest zu entwickeln. „Die neue Methode führt zehnmal schneller zum Corona-Testergebnis“, teilte die Uni am Dienstag mit. Dies könne zum Beispiel für Tests am Flughafen oder an einem Kreuzfahrtterminal von Vorteil sein.

Dienstag, 07.07.2020, 18:56 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 19:28 Uhr
Professor Dr. Christian Kaltschmidt vom Lehrstuhl für Zellbiologie der Universität Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel

„Der Test dauert nur rund 16 Minuten“, sagt Professor Dr. Christian Kaltschmidt vom Lehrstuhl für Zellbiologie der Universität Bielefeld. Zudem sei die Methode preislich günstiger. Er rechnet damit, dass die Kosten nur etwa ein Viertel der bisherigen Kosten ausmachten. Krankenkassen berechneten für Corona-Tests bisher etwa 130 Euro. Kaltschmidt: „Ich halte das für einen Durchbruch.“

Weltweit sind inzwischen mehr als zehn Millionen Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. Einen wirksamen Impfstoff oder eine Therapie gegen SARS-CoV-2 gibt es bislang nicht. Die wirksamste Methode, um die Verbreitung einzudämmen, seien daher aktuell Tests: Wer sich infiziert hat, wird isoliert und verbreitet das Virus nicht weiter.

Einen Test auf SARS-CoV-2 durchzuführen und auszuwerten, dauert aktuell mehr als zwei Stunden. Daher könne ein Labor pro Tag nur eine sehr begrenzte Zahl von Menschen testen. Zellbiologen der Uni Bielefeld haben nun mit mehreren Kooperationspartnern ein Verfahren entwickelt, das rund zehnmal schneller ein Ergebnis liefert. Dabei nutzen sie einen speziellen Thermocycler – ein Gerät des niederländischen Unternehmens Molecular Biology Systems, in dem die biochemischen Reaktionen beschleunigt ablaufen. Kaltschmidt betont, dass die Publikation „eine solide wissenschaftliche Arbeit ohne kommerzielle Vorteile für die Universität“ sei. „Die Methode ist für alle frei zugänglich.“ Das Spezialgerät könne stündlich 570 Tests analysieren. Kaltschmidt hält es für möglich, dass die Tests technisch sogar in drei Minuten fertig sein könnten.

Und was sagen dazu die Mitarbeiter in den medizinischen Laboren? Der Microbiologe Michael Probst-Kepper vom Labor Diamedis in Bielefeld sieht im Endeffekt keinen zeitlichen Vorteil. „Alle Proben müssen händisch erfasst werden. Auch, wenn das Gerät schnell ist, der Stau ist davor bereits vorhanden.“ Dieses Nadelöhr bleibe.

Beteiligt an der Studie waren das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, die Arbeitsgruppe molekulare Neurobiologie der Uni Bielefeld, das Evangelische Klinikum Bethel sowie der Forschungsverbund Biomedizin OWL.

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