Raphaela Kula erinnert mit einer Installation in Bielefeld an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte
Künstlerische Erinnerungskultur

Bielefeld -

Blauer Himmel, duftende Birken und Kiefern: „Wer im Sommer ins polnische Sobibor reist, erlebt eine idyllische, friedliche Landschaft“, sagt Raphaela Kula. Doch die Bielefelder Künstlerin weiß, dass es nicht immer so war.

Dienstag, 06.04.2021, 15:57 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 16:00 Uhr
Raphaela Kula präsentiert in den Schauräumen eine Installation zum Vernichtungslager Sobibor. Foto: Thomas F. Starke

Blauer Himmel, duftende Birken und Kiefern: „Wer im Sommer ins polnische Sobibor reist, erlebt eine idyllische, friedliche Landschaft“, sagt Raphaela Kula. Doch die Bielefelder Künstlerin weiß, dass es nicht immer so war.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Sobibor ein deutsches Vernichtungslager. Es wurde Anfang 1942 errichtet und diente neben den Lagern Belzec und Treblinka als Vernichtungslager im Rahmen der „Aktion Reinhardt“, der planmäßigen Ermordung der Juden. Im Vernichtungslager Sobibor wurden nach Schätzungen bis zu 250.000 Juden in Gaskammern ermordet, darunter auch Menschen aus Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe.

Gedenkallee von der Rampe bis zum Krematorium

Raphaela Kula hat das ehemalige Vernichtungslager in Sobibor mehrfach besucht und sich intensiv damit auseinander gesetzt. Sie lernte dort Menschen kennen, die das Lager überlebt hatten, schloss Freundschaften und engagierte sich fortan im Gedenken an die vielen Ermordeten. So initiierte sie unter anderem eine Gedenkallee mit, die aus mit Namensschildern versehenen Steinen besteht und die sich von der Rampe des Lagers bis zu den Krematorien zieht.

Ihre Erfahrungen und Gefühle visualisiert sie aktuell in einer künstlerischen In­stallation, die anlässlich des Bielefelder Tags der Erinnerung entstand. Zu sehen ist die Installation noch bis zum 25. April in den Schauräumen am Kesselbrink.

Mit spielerischer Leichtigkeit verknüpft Raphaela Kula das Grauen des Ortes mit idyllischen Eindrücken aus gegenwärtiger Zeit. Stacheldraht und ein zerbrochener Spiegel werden von Birkenästen und Kiefernäpfeln umrankt. „Ich wollte etwas Leichtes zeigen, damit wir es schaffen, uns mit dem Thema überhaupt zu beschäftigen“, sagt die Künstlerin, die in ihrer Installation den Blick auf zwei Menschen lenkt, die beide im Vernichtungslager Sobibor waren.

Es fuhr ein Zug nach Sobibor

Die eine ist Inge Dreyer aus Bielefeld, die 1943 im Alter von 16 Jahren in Sobibor ermordet wurde. Der andere ist der Niederländer Jules Schelvis, der das Lager überlebte und hochbetagt im Jahr 2016 verstarb. Schelvis, mit dem Raphaela Kula bis zu seinem Tod eine Freundschaft verband, machte es sich zur Lebensaufgabe, an die Opfer des Mordlagers zu erinnern.

In seinem persönlichen Zeugnis „Es fuhr ein Zug nach Sobibor“ schildert Schelvis die 72 Stunden dauernde Zugfahrt im Viehwaggon von Westerbork ins polnische Sobibor. Vom 2. März bis 20. Juli 1943 wurden 34.313 Juden aus den Niederlanden nach Sobibor deportiert. Von ihnen überlebten nur 18 Personen.

Inge Dreyer gehörte nicht dazu. Sie hatte indes eine ähnliche Zugfahrt wie Jules Schelvis zu überstehen, da ihre Familie vor dem Nazi-Terror in die Niederlande emigriert war, wo sie nach dem Einmarsch der Deutschen inhaftiert wurde.

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