Weil sie ihn nicht heiraten wollte: Bielefelder soll Ex-Freundin vergewaltigt und gestalkt haben
Frau mit Benzin und Feuerzeug angegriffen

Bielefeld -

Verschmähte Liebe, gekränktes Ehrgefühl, vielleicht auch Rachsucht – nicht das Ende einer Beziehung bringt einen Bielefelder (44) vor Gericht, sondern die Art, wie er damit umgegangen ist. Nachstellung, Beleidigung, Bedrohung gegenüber seiner früheren Freundin (47) gibt der Mann zu, aber nicht die ebenfalls angeklagte Vergewaltigung der Frau.

Samstag, 06.03.2021, 06:05 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 09:02 Uhr
Das Bielefelder Landgericht Foto: Thomas F. Starke

Insgesamt 16 Fälle mit Tatort Bielefeld sind vor der 1. Großen Strafkammer des hiesigen Landgerichts angeklagt, in denen der Bauarbeiter Nötigung, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und sogar eine Vergewaltigung begangen haben soll – und das liegt bereits fast sechs Jahre zurück. Damals sollen der mutmaßliche Täter und das Opfer in Bielefeld ein Paar gewesen sein, aber nur für kurze Zeit.

Der Angeklagte habe nach der Trennung „aufgedreht“, seiner Ex-Freundin am Arbeitsplatz und auf dem Heimweg aufgelauert, sie beleidigt, gedroht, Nacktfotos und -Videos von ihr im Internet zu veröffentlichen und sie mit Säure zu übergießen. Den Vater der Frau und die übrige Familie soll er ebenfalls bedroht haben, mit sexuellen Übergriffen und dem Tode. Bei verbalen Attacken sei es nicht geblieben, heißt es in der Anklageschrift: In dem Zeitraum von mehr als einem halben Jahr zwischen April und Dezember 2015 soll der 44-Jährige auch handgreiflich geworden sein und das seinerzeit in der Nachbarschaft wohnende Opfer an einer Stadtbahn-Haltestelle ins Gesicht geschlagen haben.

Als Reaktion auf die Ablehnung seines Heiratsantrages soll der Arbeiter außerdem seine Angebetete abgepasst, mit Benzin begossen und die Flamme eines Feuerzeugs vor die Frau gehalten haben. Am schwersten wiegt ein Anklagepunkt, der sich geradezu bizarr anhört: Der Mann soll sein Opfer im Juni 2015 im Hinterhof seiner damaligen Wohnung im Osten der Bielefelder Innenstadt gepackt, mit einem Besenstiel geschlagen und mit Klebeband umwickelt haben – um sie abschließend zu vergewaltigen. Danach, in seinem Badezimmer, habe er ihr seine Liebe gestanden und die Füße geküsst.

Angeklagter hat Erinnerungslücken

Der Angeklagte erzählt viel zu den Vorwürfen, aber dem Gericht nicht immer zutreffend genug. „So ganz genau kann ich mich nicht erinnern“, sagt der 44-Jährige etwa zum Vorfall, als er dem Vater der Frau mit einem Baseballschläger aufgelauert haben soll – und erntet von Vorsitzendem Richter Dr. Georg Zimmermann die Erwiderung: „Ich kann das nicht als Geständnis werten, wenn Sie sich nicht erinnern. Sie hatten sechs Jahre Zeit, sich vorzubereiten.“ Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

...

Starker Tobak, mit dem sich das Gericht befassen muss, angesichts eines Angeklagten, der die Vorgänge aus seiner Sicht weitschweifig, wort- und gestenreich schildert – und glaubt, ein Geständnis abzulegen. Über seinen Verteidiger Sascha Haring lässt der 44-Jährige zunächst erklären, dass ein Teil der Vorwürfe zutreffe: Er habe tatsächlich Drohungen ausgesprochen, seine Ex-Freundin und ihre Familie verbal angegangen und beleidigt – aber die Frau niemals vergewaltigt oder mit Benzin übergossen und gedroht, sie anzuzünden.

Sie hätten eine echte Beziehung geführt, aber die Streitereien hätten angefangen, als die Mutter verlangt habe, „ich soll die Finger von ihrer Tochter lassen. Seit dem Tag war sie wie ausgewechselt.“

 

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