IHK, Handel und Gastgewerbe in OWL sind unzufrieden mit Beschlüssen der Politik
Kritik an Öffnungsstrategie

Bielefeld (WB) -

Enttäuschung statt Aufbruchstimmung: Die Wirtschaft in OWL quittiert die Beschlüsse für Lockerungsschritte in der Corona-Krise mit viel Kritik. Während der Handel wenigstens die Aussicht auf Öffnungen hat, vermisst das Gastgewerbe weiterhin eine echte Perspektive.

Freitag, 05.03.2021, 04:14 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 10:58 Uhr
Seit Wochen verkauft Inhaberin Caroline Brockmann (36) ihre Ware an der Eingangstür ihres Geschäfts in Paderborn. Die Kunden bestellen per Mail, am Telefon oder klopfen spontan an die Scheibe. Sie hofft nun darauf, Kunden auch wieder im Laden zu bedienen. Foto: Oliver Schwabe

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen begrüßt zwar die „in Ansätzen beschlossenen“ und geforderten Öffnungsperspektiven – sie griffen aber insgesamt viel zu kurz. „Es ist zum Beispiel unverständlich, warum dem Einzelhandel keine größeren Öffnungsschritte zugestanden werden, obwohl das Robert-Koch-Institut sogar festgestellt hat, dass der Handel kein Pandemie-Treiber ist“, sagt IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven.

Grundsätzlich befürworte die IHK, dass der Lockdown nicht pauschal verlängert und der starre Blick auf den Inzidenzwert von 35 offenbar aufgegeben werde. „Viele Unternehmen zeigen sich dennoch von den beschlossenen Maßnahmen enttäuscht, die Ergebnisse entsprechen nicht den Erwartungen“, erklärt Meier-Scheuven. „Und Branchen wie die Hotellerie und das Reisegewerbe werden überhaupt nicht berücksichtigt und bleiben nach wie vor auf der Strecke.“

Zudem herrsche Unsicherheit, weil das Land in seiner Schutzverordnung erst noch zahlreiche Details regeln und konkretisieren müsse. Davon hänge aber etwa ab, wie von Montag an der Einzelhandel öffnen dürfe.

Die Ergebnisse entsprechen nicht den Erwartungen.

Wolf D. Meier-Scheuven, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen

Dieses Problem spricht auch Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands OWL an. „Ist die Inzidenz des Bundeslandes entscheidend, die der einzelnen Kreise und kreisfreien Städte oder der Wert für OWL? Es gibt mehr Fragezeichen als Lösungen.“ Der Handel sei grundsätzlich „überhaupt nicht zufrieden mit den Beschlüssen“, macht Kunz klar. Viele Läden seien geöffnet, viele Fachhändler noch geschlossen. „Wir bleiben bei unserer Forderung, dass alle Geschäfte ab Montag mit Hygienekonzepten wie vor dem Lockdown öffnen können sollten.“ Das wird nun aber nur für Läden in Regionen mit einer Inzidenz von stabil unter 50 gelten – wenn überhaupt. Das könnte in OWL vor allem auf Bielefeld und den Kreis Paderborn zutreffen. Kunz: „Aber was gilt dann für Kunden aus Nachbarkreisen?“

Überall in der Region möglich sein dürfte derweil das Einkaufen mit Termin. Wie genau das ablaufe, müsse die Praxis zeigen. „Ich vermag nicht zu beurteilen, wie viele Händler sich daran beteiligen. Das kann auch von Branche zu Branche unterschiedlich sein“, sagt Kunz. „Jeder Händler wird sich aber die Frage nach Kosten und Nutzen stellen.“ Auch die Ungewissheit über die künftige Entwicklung der Inzidenzen und damit der Öffnungsschritte mache Warenbeschaffung und Personaleinsatz schwierig. „Fakt ist, dass es längst nicht mehr 5 vor 12 ist. Jeder Händler braucht dringend Einnahmen, sonst wird es richtig dramatisch!“

Es gibt mehr Fragezeichen als Lösungen.

Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands OWL

Viel Frust herrscht im Gastgewerbe. „Von einer Perspektive kann weiterhin keine Rede sein“, sagt OWL-Verbandspräsident Andreas Büscher. Dass im günstigsten Fall ab 22. März Außengastronomie möglich ist, helfe vielen Betrieben nicht. „Das bringt uns bei dieser Witterung fast nur tagsüber etwas in Innenstädten und bei Ausflugszielen“, sagt Büscher. Gerade in der Speisegastronomie sei so Wareneinkauf und Personaleinsatz kaum zu planen. „Und was soll ich Gästen sagen, wenn ihr Essen auf dem Tisch steht und es zu regnen beginnt?“

Büscher sagt: „Das wichtige Ostergeschäft droht für uns wieder weitgehend auszufallen.“ Darüber und über eine Öffnung der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen will die Politik erst am 22. März beraten. „Das ist extrem spät, um den Betrieb dann womöglich kurzfristig hochzufahren.“ Die finanzielle Lage der Betriebe, Inhaber und vieler Mitarbeiter sei äußerst angespannt.

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