Gesundheitsamt legt Statistiken zur Pandemie vor – Ende März könnten gut 40.000 Bielefelder geimpft sein
Corona-Risiko ist ungleich verteilt

Bielefeld (WB) -

Seit einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Stadt Bielefeld und ihre Bürger in Atem. Seit einigen Wochen wird aber auch geimpft, und auch wenn die Ungeduld wächst: Die Impfkampagne macht Fortschritte.

Donnerstag, 04.03.2021, 06:44 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 06:50 Uhr
Die Karte zeigt, dass sich die Zahl der Corona-Infektionen in Bielefeld sehr unterschiedlich verteilt. Die Zahlen bezeichnen die statistischen Bezirke (siehe Extra-Kasten). Foto: Stadt Bielefeld

In welchem Maße, darüber hat die Verwaltung jetzt den Sozialausschuss informiert. Außerdem liegen Erkenntnisse über die sozialen Komponenten der Pandemie vor, wo sich Infektionen mehren und wen es besonders trifft.

Die Geimpften

Wie viele Menschen tatsächlich schon geimpft wurden, ist nicht ganz klar, weil der Stadt konkrete Zahlen etwa aus Heimen und Krankenhäusern fehlen. Fürs Impfzentrum aber liegen sie vor: 6900 über 80-Jährige sowie berechtigte Berufsgruppen wie Rettungssanitäter und Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste wurden zwischen dem 8. Februar und 1. März bereits geimpft. Die Stadt geht von rund 5700 Geimpften in Alten- und Pflegeeinrichtungen aus (Bewohner und Mitarbeiter), zudem etwa 5000 geimpften Beschäftigten in Krankenhäusern und einigen hundert in der Tagespflege. Unterm Strich sind rund 18.000 Bielefelder damit bereits geimpft, etliche schon zum zweiten Mal.

Impfstoff-Menge

Nach Engpässen bei den Impfstofflieferungen nimmt inzwischen auch die Menge der nach Bielefeld geschickten Dosen von Biontech (für die über 80-Jährigen) sowie Astrazeneca und Moderna zu. Für den Monat März stehen nach jetzigem Stand insgesamt knapp 25.000 Impfdosen allein für die Erstimpfung zur Verfügung. Sie gehen ans Impfzentrum für die über 80-Jährigen und die berechtigten Berufsgruppen, ab Ende März auch für Menschen mit schweren Erkrankungen. Sie werden aber auch an Krankenhäuser zur weiteren Impfung des Personals und an Pflegeeinrichtungen gegeben. Nicht eingerechnet sind weitere Lieferungen für die anstehenden Zweitimpfungen.

Statistische Bezirke aus dem Infektions-Stadtplan

01 Alt- und Neustadt, 02 Kesselbrink, 03 Pauluskirche, 04 Dürkopp, 05 Landgericht, 06 Siegfriedplatz, 07 Nordpark, 08 Stadtwerke, 09 Güterbahnhof-Ost, 10 Hammer-Mühle, 11 Königsbrügge, 12 Brands Busch, 13 Stauteiche, 14 Heeper Fichten, 15 Fuhrpark/Kammerratsheide, 16 Bauerschaft Schildesche, 17 Vorwerk Schildesche, 18 Schildesche, 19 Johannesstift, 20 Sudbrack, 21 Untertheesen, 22 Bültmannskrug, 23 Gellershagen, 24 Bültmannshof, 25 Universität, 26 Johannistal, 27 Bethel, 28 Eggeweg, 29 Rosenhöhe, 30 Kammerich, 31 Frerks Hof, 32 Brackwede-Mitte, 33 Bahnhof-Brackwede, 34 Kupferhammer, 35 Brock/Südwestfeld, 36 Ummeln/Holtkamp, 37 Kupferheide, 38 Quelle, 39 Hoberge-Uerentrup, 40 Pappelkrug/Wellensiek, 41 Großdornberg, 42 Babenhausen-Ost, 43 Babenhausen, 44 Niederdornberg-Schröttinghausen, 45 Jöllenbeck-West, 46 Jöllenbeck-Ost, 47 Theesen, 48 Vilsendorf, 49 Grafenheide, 50 Lämmkenstatt, 51 Welscher/Jerrendorf, 52 Baumheide/Halhof, 53 Milse, 54 Altenhagen, 55 Windwehe/Brönninghausen, 56 Tieplatz, 57 Heeper Holz, 58 Oldentrup, 59 Dingerdissen, 60 Ubbedissen/Lämershagen, 61 Hillegossen, 62 Stieghorst, 63 Sieker, 64 Rütli/Lonnerbach, 65 Dalbke, 66 Eckardtsheim, 67 Südstadt, 68 Sennestadt, 69 Schillingshof, 70 Buschkamp, 71 Windelsbleiche, 72 Windflöte.

...

Sollte alles, was geliefert wird, auch verimpft werden, könnten Ende März rund 42.600 Bielefelder mindestens einmal geimpft sein. Das wären etwa 15 Prozent der gut 281.000 Bielefelder über 18 Jahre und rund 12,5 Prozent der Gesamtbevölkerung von knapp 339.000 Einwohnern.

Infektionen

Bei gut 10.000 Bielefeldern ist seit Ausbruch der Pandemie eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden, mit einem sprunghaften Anstieg im Oktober und hohen Werten bis Mitte Januar. Nach der Jahresstatistik, die das Gesundheitsamt jetzt vorgelegt hat, betrifft dieses Geschehen die Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich.

Erkenntnisse

Covid-19 betrifft mehr Frauen (53 Prozent) als Männer. Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen, allerdings ist die Zahl der registrierten Infektionen in der Altersklasse der 15- bis 19- Jährigen etwa dreimal so hoch wie bei den 0- bis 14-Jährigen. Der Höhepunkt lag Anfang Dezember, als auf 100.000 Einwohner rund 320 infizierte 15- bis 19-Jährige kamen, dazu etwa 105 o- bis 14-Jährige. Mit der Schließung von Kitas und Schulen gingen die Infektionszahlen Mitte Dezember drastisch zurück.

Bei den Senioren sind es vor allem die über 80-Jährigen, die seit dem Anstieg der Fälle im Herbst vom Infektionsgeschehen betroffen sind. In der Höchstphase kamen auf 100.000 Einwohner gut 700 infizierte Menschen ab 80 – fünf Mal so viele wie bei den 70- bis 79-Jährigen und etwa drei Mal so viel wie bei den 60- bis 69-Jährigen. Das liegt vor allem an den starken Ausbrüchen in Seniorenheimen.

Räumliche Unterschiede

Die Statistik zeigt auch eine unterschiedliche räumliche Verteilung der Fälle in den Stadtbezirken. „Typische Viertel mit hohen sozialen Belastungen, insbesondere auch engen Wohnverhältnissen, haben zum Teil sehr hohe Infektionsraten, während hingegen in anderen Bezirken eine bisher sehr niedrige Infektionsrate existiert“, heißt es im Bericht.

Das bedeutet, dass es beispielsweise in Windflöte, im zentralen Bereich von Brackwede, in Sieker, Oldentrup, Baumheide, Milse und Tieplatz prozentual zu besonders vielen Infektionsfällen kommt. In Großdornberg und Babenhausen, aber auch in Dingerdissen, Buschkamp, Alt- und Neustadt dagegen zu sehr wenigen. Sozialdezernent Ingo Nürnberger: „Die gesundheitlichen Chancen sind gesellschaftlich unterschiedlich verteilt“, so die Erkenntnis. Wo in kleinen Wohnungen gewohnt wird, große Familien leben, ein geringeres Einkommen, ein niedrigerer Bildungsstand und Sprachdefizite vorlägen, sei das Corona-Risiko höher.

Dass in der Statistik auch Bethel und Johannesstift mit hohen Werten auffallen, liegt indes an der hohen Dichte an Pflegeeinrichtungen.

Verstorbene

Zu den bislang 281 Todesfällen zeigt die Auswertung: 2,04 Prozent der Infizierten sterben an Covid-19, weitere 0,53 Prozent „mit“ Covid-19, sind also auch anderweitig erkrankt. Die Altersspanne der Verstorbenen liegt zwischen 50 und 100 Jahre. Die verstorbenen Männer waren im Durchschnitt 80, die Frauen 86 Jahre alt.

Behandlungen

Das Alter der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten liegt bei den Männern durchschnittlich bei 65, bei den Frauen bei 66 Jahren. Aber auch schon 11-Jährige kamen mit Covid-19 ins Krankenhaus. Das Durchschnittsalter auf der Intensivstation liegt bei den Männern bei 66, bei den Frauen bei 71 Jahren. Dort wurden aber auch schon 21-Jährige behandelt.

Bei den Menschen, die sich zu Hause von Covid-19 erholen, liegt das Durchschnittsalter der Männer bei 41, das der Frauen bei 44 Jahren.

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