Fortschritte bei der Beseitigung der eingeschleppten Art – Helfer retten größte offene Sandfläche in Bielefeld
Kampf gegen die Traubenkirsche

Bielefeld (WB) -

Einige Experten sagen, man werde sie nie los, doch der Naturwissenschaftliche Verein ist da zuversichtlicher: Nach fast zehn Jahren konnte die Düne am Senner Wahlbrink von der Amerikanischen Traubenkirsche befreit werden. Jetzt haben sich die Ehrenamtlichen um den Vorsitzenden Mathias Wennemann ein anderes Biotop vorgenommen, um die eingeschleppte Art einzudämmen.

Dienstag, 02.03.2021, 05:44 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 05:50 Uhr
Am Südende des Sennefriedhofs befreien Helfer des Naturwissenschaftlichen Vereins Bielefeld eine offene Sandfläche von der Amerikanischen Traubenkirsche, darunter Vorsitzender Mathias Wennemann (rechts) und Werner Schröder, früherer Umweltbeauftragter der Stadt Werther. Foto: Peter Bollig

Weil die Arbeiten aus Rücksicht vor nistenden Vögeln bis zum Herbst pausieren müssen, hat der Naturwissenschaftliche Verein am Wochenende die Saison mit einer letzten Aktion beendet. Das Einsatzgebiet diesmal: Eine Fläche im Süden des Sennefriedhofs. „Hier liegt die größte noch offene Sandfläche Bielefelds“, macht Mathias Wennemann die Bedeutung dieses Areals deutlich. Diese Flächen seien ökologisch wertvoll, weil dort wenig wächst, weil sie mager seien und somit einen Lebensraum bieten unter anderem für bestimmte Pilze, Flechten und Gräser sowie Sandbienen. Doch das Biotop ist bedroht, weil auch hier Vögel die Samen der Amerikanischen Traubenkirsche hineingetragen haben.

Seit Jahren bekämpft der Verein diese aus Amerika stammende Art, weil sie die heimische Vegetation verdrängt und sich schnell ausbreitet. Dabei ist es die natürliche Vegetation, die gerade auch für die heimischen Insekten wichtig ist, deren Nahrungsbedarf von vielen eingeschleppten (invasiven) Arten nicht gedeckt werden kann.

In diesem Fall wuchert die Traubenkirsche außerdem auf einer eigentlich offenen Fläche. Die Amerikanische Traubenkirsche wurde einst gezielt angepflanzt, um den Sandboden zu verbessern. Denn dort fühlt sie sich besonders wohl – eben auch auf den Dünen im Bielefelder Süden, wo man sie aber nicht haben will.

 

Seltene Arten wie diese Flechte brauchen magere Böden wie die Sanddünen im Bielefelder Süden.

Seltene Arten wie diese Flechte brauchen magere Böden wie die Sanddünen im Bielefelder Süden. Foto: Peter Bollig

In der jetzt beendeten Saison haben die rund 25 Helfer etwa jedes zweite Wochenende unter anderem auf Dünen in Sennestadt gearbeitet, ebenso auf dem Freibadgelände des Senner Waldbades und in drei Tagen einen Dreiviertel Hektar geschafft, wie Mathias Wennemann sagt.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben die Arbeit beschleunigt: Nachdem die Pflanzen anfangs abgeschnitten und geringelt, also die Stämme eingeschnitten wurden, die Wurzeln somit im Boden blieben, stellten die Bekämpfer fest, dass die Traubenkirschen aus den Wurzeln umso stärker wieder austrieben. Inzwischen reißen sie auch die Wurzeln heraus, haben dazu mit speziellen Spaten und Winden aufgerüstet.

Für Mathias Wennemann wird das Projekt jetzt zu einer „runden Sache“, denn die Bekämpfung der Amerikanischen Traubenkirsche wird jetzt auch zum Klimaprojekt. Statt Stämme und Zweige beim Senner Osterfeuer und im Holzschnitzelkraftwerk zu verfeuern, sollen sie jetzt bei einem Landwirt auf dem Acker untergepflügt werden. Das, sagt Wennemann, binde Kohlendioxid, weil die großen Holzschnitzel dort nur langsam verrotten. Und ganz nebenbei verbessere das die Bodenqualität des Sandbodens, bringe Dünger ein und erhöhe die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7844333?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Heftiger Schlagabtausch über Corona-Notbremse im Bundestag
Kanzlerin Angela Merkel möchte im Bundestag die Corona-Notbremse beschließen.
Nachrichten-Ticker