Zusteller kämpfen sich in Bielefeld mit Handkarren und Fahrrädern durch die Schneemassen
Kraftakt für die Postboten

Bielefeld -

Ein Spaziergang in traumhafter Winterlandschaft? Angesprochen auf das, was für viele Bielefelder an diesem Wochenende das Freizeitvergnügen Nummer eins sein dürfte, winkt Reimar Blase nur lächelnd ab.

„Das ist nicht unbedingt mein Ziel“, sagt der 53-Jährige.

Samstag, 13.02.2021, 10:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2021, 10:50 Uhr
60 bis 70 Kilogramm wiegt der Handkarren, den Reimar Blase über ungeräumte Wege in Bielefeld wuchten muss. Foto: Bernhard Pierel

Denn als Briefzusteller ist er ohnehin jeden Tag fünf bis sechs Stunden in der Stadt unterwegs, um den Menschen ihre Post zu bringen – seit dem heftigen Schneefall eben so gut es derzeit geht.

Und ein „Spaziergang“ ist seine Runde in diesen Tagen ganz bestimmt nicht. „Die Bürgersteige sind an vielen Stellen noch nicht geräumt, und wo der Schnee von der Straße geschoben wurde, gibt es keine Übergänge“, erzählt Blase. Dabei hat er seinen Handkarren, der mit fünf großen Postkisten und durchschnittlich 1500 Briefen beladen ist – zusammen wiegt das Gefährt somit gut und gerne 60 bis 70 Kilo. Und die muss der Postbote über Schneewehen, Eisklumpen und ungeräumte Zufahrten wuchten. „Das merkt man schon im Nacken und in den Armen.“ Ohne die Spikes, die er unter die Schuhe schnallt, ginge ohnehin nichts.

In manchen Straßen ist noch nichts geräumt, es ist kaum ein Durchkommen.

Eine Zustellerin

Insgesamt gibt es für die Stadt Bielefeld etwa 160 Zustellerinnen und Zusteller, für die 150 Bezirke, erklärt Kai Kersten, Betriebsleiter der Deutschen Post für die Zusteller im Raum Bielefeld. Vom Verteilzentrum an der Nahariyastraße aus sind es 84 Postboten, die 80 Bezirke versorgen. In 14 Bezirken sind sie mit der Handkarre unterwegs wie Reimar Blase, in gut 30 mit dem Fahrrad. Und auch das ist momentan ein echter Kraftakt, ist den Männern und Frauen anzumerken, wenn sie gegen 15 Uhr zurückkommen von ihren Touren. „In manchen Straßen ist noch nichts geräumt, es ist kaum ein Durchkommen“, sagt eine Zustellerin. Deshalb nimmt sie eine eigene Tasche mit, in der sie die Post dorthin trägt, wo sie mit dem Rad angesichts der Schneemassen nicht hinkommt. Und auch, wenn sie über die ungeräumten Wege schimpft: Bis auf ein Haus hat sie alle erreicht.

Betriebsleiter Kai Kersten und Rainer Ernzer von der Pressestelle der Post bitten deshalb auch die Bielefelder, möglichst Gehwege und Zugänge zu Häusern zu räumen. „Denn die Gesundheit unserer Mitarbeiter geht vor. Wenn es zu gefährlich ist, können sie die Post nicht bringen“, erklärt Kersten.

Sie können fast nirgendwo parken und müssen die Pakete weit durch den Schnee schleppen.

Kai Kersten

Und auch die Paketzusteller arbeiten derzeit unter erschwerten Bedingungen. Kersten: „Sie können fast nirgendwo parken und müssen die Pakete weit durch den Schnee schleppen.“

Zum Glück sei der Montag ohnehin ein sehr schwacher Tag für die Post, so dass die Probleme zum Wochenstart nicht ganz so groß gewesen seien, so Ernzer. Und Kai Kersten versichert, dass die Zusteller alles daran setzen, den Rückstau an Post, der sich gebildet habe, möglichst rasch abzubauen.

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