Den Textilreinigern brechen im Lockdown die Umsätze weg – bis zu 70 Prozent Verlust
Saubere Sache – derzeit nicht nachgefragt

Bielefeld -

Es gibt wohl kaum eine Branche, die nicht unter der Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Lockdown leidet. Doch während etwa die Misere der Gastronomie sowie des Einzelhandels von großem öffentlichen Interesse begleitet wird, darbt die Branche der Textilreiniger still vor sich hin. Die Crux: Zwar dürfen Wäscher und Reiniger ihre Betriebe weiterhin öffnen, doch das Gros ihrer Kunden ist ihnen weggebrochen.

Donnerstag, 04.02.2021, 07:00 Uhr
Der Maschinenpark in der Zentrale der Textilreinigung „Die Reinigung“ steht tageweise still, weil es Foto: Bernhard Pierel

„Viele unserer Kunden sind familiengeführte Hotels und Pensionen. Da sie derzeit keine Schmutzwäsche produzieren, haben auch wir auf diesem Sektor keine Arbeit“, verdeutlicht Textilreiniger Marius Grolewski. Der Bereich Wäscherei macht in dem von seiner Frau Eleonora Grolewski geleiteten Betrieb „Die Reinigung“ etwa 30 Prozent des Umsatzes aus.

Blieben noch 70 Prozent für die klassische Textilreinigung, die von Privatkunden in Anspruch genommen wird. Doch auch hier sind die Umsätze seit des neuerlichen Lockdowns im November rapide eingebrochen.

„Es gibt keine Restaurantbesuche und private Feiern mehr, für die man sich chic anziehen würde und dabei hochwertige und empfindliche Garderobe bekleckern könnte, die man anschließend zu uns zum Reinigen bringen würde“, verdeutlicht Marius Grolewski. Auch der Wegfall des Weihnachtsmarktes mache sich in der Textilreinigungsbranche bemerkbar. „Manch einer bekleckert sich dort mit Glühwein und klebrigen Speisen und bringt anschließend den Wintermantel zu uns. Deshalb war der Dezember sonst immer ein besonders umsatzstarker Monat“, berichtet der Unternehmer.

Business-Bereich ist weggebrochen

Ferner sei durchs Homeoffice fast der gesamte Business-Bereich weggebrochen. „Wer im Homeoffice arbeit, braucht nicht jeden Tag ein frisches Hemd. Es reicht, wenn man sich zu einem Video-Meeting ein frisches Hemd anzieht und es direkt danach wieder auszieht. Auf diese Weise kommt man sehr lange mit einem Hemd aus“, sagt Grolewski. Insgesamt spricht er von Umsatzeinbußen zwischen 65 und 70 Prozent seit November 2020.

Und so steht im Zentralbetrieb an der Herforder Straße eine ganze Batterie von automatischen Dampfbügel-Hemdenpuppen, Kragen- und Manschettenpressen sowie Saugblas-Bügeltischen tageweise still. Ebenso wie die neun nagelneuen Profiwaschmaschinen, die Chemischreinigungsmaschine sowie die Heißmangel – Equipment für rund 500.000 Euro.

„Zu normalen Zeiten arbeiten wir an fünf Tagen pro Woche jeweils acht Stunden. Jetzt sind es 15 bis 20 Stunden pro Woche“, erklärt der Chef. Man sammele über mehrere Tage Wäsche, die im Zentralbetrieb sowie in den sechs Filialen in Bielefeld abgegeben werde. Erst wenn genug zusammen gekommen sei, werde der Maschinenpark angeworfen.

Eingeschränkte Öffnungszeiten

Die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Eleonora Grolewski weitgehend in Kurzarbeit geschickt. Schließlich, so Marius Grolewski, würden die Personalkosten 96 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Er wirbt auch im Namen seiner Mitbewerber und Kollegen bei den Kunden um Verständnis, dass auch die Öffnungszeiten drastisch eingeschränkt wurden. „Bei einem Tagesumsatz von 50 Euro kann ich eine Filiale nicht den ganzen Tag offen halten“, verdeutlicht der Textilreiniger, ein klassischer Selfmademan, der zusammen mit seiner Ehefrau 1993 eine kleine Filiale an der Beckhausstraße übernahm und sich peu à peu hocharbeitete und fortbildete. Erst 2018 hatten die Grolewskis den Zentralbetrieb an der Herforder Straße für etwa 750.000 Euro vergrößert und mit einer Wärmerückgewinnungsanlage modernisiert.

Über Wasser gehalten hat sich der Betrieb bislang mit der im April ausgezahlten Corona-Schnellhilfe sowie einem KfW-Kredit. „Jetzt beantragen wir gerade den zweiten KfW-Kredit. Ich hoffe, er wird bewilligt. So versuchen wir wenigstens bis zum Frühjahr die Krise zu überstehen. Wenn es dann nicht wieder bergauf geht, droht uns die Insolvenz“, konstatiert Marius Grolewski.

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