36 Social-Media-Fachleute sollen bei heiklen Einsätzen helfen – Start auch in Bielefeld
Polizei heuert Twitter-Experten an

Bielefeld (WB) -

Immer häufiger stellen Zeugen von Straftaten Bilder oder Videos ins Internet. Auch Kriminelle brüsten sich online mit ihren Taten oder kündigen diese dort an. Doch wie gelangt man schnellstmöglich an weitere Infos? Und welche Posts oder Tweets sind ernst zu nehmen?

Mittwoch, 03.02.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 06:23 Uhr
Die Social-Media-Experten der Polizei sollen unter anderem Tweets, Instagram-Fotos und Facebook-Posts sichten und verifizieren. Foto: dpa

36 Social-Media-Experten sollen für die NRW-Polizei das herausfinden und die Beamten mit Infos aus Twitter, Facebook & Co. unterstützen – vor allem bei Großeinsätzen, Amokläufen oder Vermisstenfällen.

Das Projekt beschränkt sich zunächst auf die sechs Kriminalhauptstellen Münster, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen und Köln. Die ersten Social-Media-Experten seien jetzt eingestellt worden, berichtet Leonie Möllmann, Sprecherin des NRW-Innenministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung. „Zunächst ist jedoch eine umfassende Fortbildung erforderlich.“ Voraussichtlich Mitte des Jahres sollen dann in jeder der sechs Behörden jeweils sechs Social-Media-Experten einsatzbereit sein.

 Die Polizei suchte bundesweit nach IT- und Social-Media-Experten. „Schließlich ist der Markt für entsprechend qualifizierte Fachkräfte groß“, sagt Leoni Möllmann. Es gab eine dreistellige Zahl an Bewerbungen. Die zivilen Mitarbeiter, die als Regierungsbeschäftigte agieren, sollen die Beamten entlasten. „Hierdurch können sich die Polizistinnen und Polizisten auf ihre gesetzlichen Aufgaben der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung konzentrieren“, erklärt Leoni Möllmann.

Die Twitter-Rechercheure sind in einem „Monitoring- und Kommunikationscenter" direkt an die Leitstellen der Polizeipräsidien angebunden. Sie arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr und sollen den Beamten bereits während der Anfahrt zum Einsatzort zusätzliche Infos direkt auf das Smartphone schicken.

Denn bei den heiklen Einsätzen gilt: Fast immer muss es besonders schnell gehen. Zum Beispiel auch dann, wenn ein Mensch im Internet seinen Suizid ankündigt. „Bereits jetzt ist die Polizei mit Veröffentlichungen dieser Art konfrontiert“, sagt Leoni Möllmann. Es komme auch vor, dass der Kontakt zu hilflosen Menschen abreißt, die sich zuvor bei der Polizei gemeldet haben. „Eine schnell angelegte Online-Recherche kann dazu führen, dass die Polizei wichtige Informationen über einen möglichen Aufenthaltsort oder weitere Kontakte erhalten kann.“

Das Innenministerium glaubt, dass der Einsatz der Social-Media-Experten zum Erfolg führt. Schließlich gab es bereits das Forschungsprojekt „Sentinel“ der Deutschen Hochschule für Polizei zum Thema – unter Einbeziehung der Dortmunder Polizei. Die Beteiligten sind zu dem Ergebnis gekommen, dass zusätzliche Recherchen in sozialen Medien den Polizisten bei Einsätzen entscheidend weiterhelfen.

Die Social-Media-Experten sollen dauerhaft in den Polizeipräsidien bleiben. In den nächsten Wochen steht erst einmal das Training für die ersten Großeinsätze im Mittelpunkt. Doch schon bald müssen die Twitter-Rechercheure beweisen, dass sie im Ernstfall für die Polizei eine echte Verstärkung sind.

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