Versperrter Zugang zur Voltmannstraße: 95-jährige Rentnerin aus Bielefeld soll Wegerecht bekommen
Stadt will Zaun-Streit beilegen

Bielefeld (WB) -

Die Geschichte um einen Zaun, der Johanna Pohlmann (95) plötzlich ihren seit 1979 gewohnten Zugang zur Voltmannstraße versperrt, hatte im Dezember weit über OWL hinaus Schlagzeilen gemacht. Die Stadt Bielefeld musste für ihre umstrittene Vorgehensweise in diesem Fall quer durch die Medien Spott und Prügel einstecken. Nun lenkt sie ein, schickte der alten Dame und ihrer Tochter nach dem „Missverständnis“ ein Friedensangebot mit zwei Lösungsvorschlägen.

Mittwoch, 03.02.2021, 05:08 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 08:00 Uhr
Dieser Zaun versperrt Johanna Pohlmann aktuell den Weg zur Voltmannstraße. Die Stadt will ihn nun wieder entfernen oder ein Tor einbauen, damit die 95-Jährige zufrieden ist. Foto: Markus Poch

Das Schreiben, das dem WESTFALEN-BLATT vorliegt, enthält im Wesentlichen eine Botschaft: Die Pohlmanns sollen auf dem städtischen Grundstück vor ihrem Haus, Voltmannstraße 179, wieder Wegerecht bekommen. Dieses hatten sie zwar seit 1979, als sie das Haus kauften und den Vorgarten unentgeltlich zur Pflege überlassen bekamen. Es war ihnen aber im Dezember 2020 aberkannt worden, als die Stadt den Vorgarten in „Straßenbegleitgrün“ verwandelte und ihn mit besagtem Zaun auf der Grundstücksgrenze abtrennte.

Dabei wurde den Pohlmanns die direkte, ungefähr acht Meter lange Zuwegung von der Haustür bis zur Voltmannstraße gekappt und entfernt. Fortan mussten sie über den Hof, durch den Garten, an der Garage entlang und über eine Seitenstraße laufen. Für eine geistig jung gebliebene, aber gesundheitlich angeschlagene Frau von 95 Jahren, die oft einen Rollator braucht, ist das jedes Mal ein unnötiger Kraftakt. Doch damit soll bald Schluss sein.

Denn der Immobilienservicebetrieb (ISB) der Stadt Bielefeld schlägt vor, „die direkte Zugangsmöglichkeit zur Voltmannstraße wieder herzustellen, indem in die Zaunanlage ein Tor. . . eingebaut wird“. Details wie Breite und Ausführung des Weges seien im einzelnen abzusprechen. Alternativ könne der neu errichtete Zaun komplett entfernt werden.

Die Rentnerin und ihre Tochter sind nun angehalten, sich mit ihrer Meinung und Detailwünschen kurzfristig beim ISB zurückzumelden. Was den zeitlichen Ablauf für einen möglichen Rückbau angeht, „wollen wir versuchen, diesem Vorgang Priorität zu geben“, verspricht ISB-Manager Frank Spengemann. „Aber das hängt natürlich auch von den Plänen der beiden Damen ab.“

Johanna Pohlmann freut sich über das versöhnliche Schreiben der Stadt, mag dem Braten aber nicht so recht trauen. „Die kriegen das fertig und legen uns da nur ein paar Trittsteine hin“, befürchtet die Seniorin. „Dabei muss der Weg mindestens einen Meter breit sein, damit ich da mit dem Rollator Platz habe.“

Irritiert ist sie darüber, dass der ISB die Kostenfrage nicht anschneidet. Auf Anfrage dieser Zeitung versicherte Spengemann, der ISB sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Er unterbreite ein solches Angebot so nicht, um den Leuten anschließend auch noch Geld abzuknüpfen.

Den beiden Frauen bliebe ein einziger Wermutstropfen: Sobald der Zugang zur Voltmannstraße wieder hergestellt ist, fallen Straßenreinigungsgebühren an. Johanna Pohlmann winkt lässig ab: „Die zahlen wir natürlich“, sagt sie. „Aber Schnee schippen machen wir nicht!“

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