Weiterer Abschnitt des Oldentruper Bachs in Bielefeld wird umgestaltet und kann bald frei fließen
Naturoase mit Platz für Eisvögel

Bielefeld (WB) -

An vielen Stellen in Bielefeld werden Bachläufe renaturiert. In Oldentrup ist nun jedoch ein ganz besonderes Projekt gestartet. Denn dort haben die Planer reichlich Platz, um eine echte Naturoase zu schaffen. Auf einem fast 5000 Quadratmeter großen Gelände östlich der Hillegosser Straße wird der Oldentruper Bach neu gestaltet und erhält die Freiheit, sich seinen eigenen Weg durch die Wiesenlandschaft zu bahnen.

Dienstag, 02.02.2021, 05:49 Uhr
Ingenieur Norbert Hermes (von links) begutachtet zusammen mit Heike Menke und Ulrike Giese-Grohmann vom Umweltamt den bisherigen Bachlauf. Foto: Bernhard Pierel

Damit soll dort wertvoller Lebensraum nicht nur für Fische, sondern auch für Pflanzen und andere Tierarten von Amphibien bis zu Insekten entstehen – und vielleicht sogar, hoffen die Planer, für den seltenen Eisvogel.

Der Oldentruper Bach entspringt im Teutoburger Wald in der Nähe des Gasthauses „Stiller Frieden“ an der Selhausenstraße. Von dort fließt er in Richtung Norden, bis er nach etwa neun Kilometern in Heepen in den Bach Windwehe mündet.

Umgestaltet und renaturiert wurde der Bach bislang an vier Stellen: Am Sägewerk Bansmann, beim Hof Obermeyer und im Bereich Teich Steffen an der Dingerdisser Straße.

Die jetzigen Arbeiten östlich der Hillegosser Straße schräg gegenüber der Einmündung an der Lüneburger Straße bilden somit einen Lückenschluss mit dem Ziel, den Oldentruper Bach als Lebensraum für Pflanzen und Tiere aufzuwerten, erklärt Ulrike Giese-Grohmann vom städtischen Umweltamt, das die Arbeiten in Auftrag gegeben hat.

An vielen Stellen sind die Möglichkeiten zur Renaturierung begrenzt, weil es neben den Bächen Straßen und Häuser gibt. Hier aber haben wir viel Platz.

Projektleiterin Heike Menke

Der Abschnitt, der jetzt neu gestaltet wird, ist zwar nur etwa 160 Meter lang, doch gibt es hier viel Fläche für die Neugestaltung, erklärt Heike Menke, im Umweltamt Projektleiterin für die Arbeiten. „An vielen Stellen sind die Möglichkeiten zur Renaturierung begrenzt, weil es neben den Bächen Straßen und Häuser gibt. Hier aber haben wir viel Platz.“

Denn die Stadt hat schon 2013 das etwa 4800 Quadratmeter große Grundstück an der Hillegosser Straße gekauft, auf dem ein Wochenendhaus mit Schuppen und Garagen stand und auf dem zwei künstlich angelegte Fischteiche existierten. „Das Grundstück war sehr gepflegt, aber es war mehr ein Park als Natur“, so Heike Menke.

Denn der Oldentruper Bach war mit Sohlschwellen und Ufermauern befestigt und für Fische nicht durchgängig. Schon 2016 waren für das jetzige Projekt alle Gebäude auf dem Gelände abgerissen worden, das Genehmigungsverfahren und die Anträge für die Fördermittel des Landes hätten dann noch einmal bis zum vergangenen Jahr gebraucht, erklärt Ulrike Giese-Grohmann.

In der vorletzten Woche haben die Arbeiten nun aber begonnen. Zunächst wurden die beiden künstlichen Fischteiche ausgebaggert und wieder mit Erde verfüllt, erklärt Norbert Hermes vom Ingenieurbüro Herrendörfer und Partner, das die Arbeiten geplant hat. Nun werden alle Befestigungen des Bachs und Überwege abgerissen.

Anschließend werden dann zwei neue, zwei bis drei Meter tiefe Schleifen für den Oldentruper Bach ausgehoben. Sind diese fertig, wird das Wasser aus seinem jetzigen Bett in diese hinein geleitet.

Pumpen saugen die bisherigen Fischteiche leer, damit diese mit Erde verfüllt werden können.

Pumpen saugen die bisherigen Fischteiche leer, damit diese mit Erde verfüllt werden können. Foto: Bernhard Pierel

In dem neuen Bachlauf gibt es dann sehr unterschiedliche Uferneigungen und Wassertiefen und damit verschiedene Strömungsgeschwindigkeiten, um vielen Tierarten Lebensraum zu bieten. Verstärkt wird dieser Effekt durch Totholz, das an mehreren Stellen eingebracht wird. Vorgesehen sind auch kleine Steilufer, in denen Eisvögel ihre Nisthöhlen bauen könnten.

Auf der Ostseite des Baches wird ein 1,50 Meter tiefer Tümpel ausgehoben als Laichgewässer für Amphibien, auf der Westseite werden flache Blänken angelegt, so dass dort eine Aue entsteht. „Darin kann der Oldentruper Bach sein Gewässerbett dann selbst formen“, erklärt Heike Menke. Da das Grundstück groß ist und auch deutlich tiefer als die Hillegosser Straße liegt, bestehe keinerlei Hochwassergefahr.

Je nach Witterung sollen die Arbeiten in etwa zwei Monaten beendet sein. Die Gesamtkosten einschließlich des Grundstückskaufs betragen laut Heike Menke etwa 260.000 Euro, 80 Prozent davon übernimmt das Land NRW. Relativ schnell, ist Ulrike Giese-Grohmann überzeugt, wird sich der Abschnitt des Oldentruper Bachs in ein kleines Naturparadies verwandeln. „Das wird richtig gut.“

Geplant ist im Anschluss, auch weitere Abschnitte des Oldentruper Bachs in Richtung Heepen naturnah zu gestalten: am Ölteich sowie im Bereich Kipps Teiche.

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