Insgesamt 1420 Kinder nutzen das Angebot der Notbetreuung – Realschule Brackwede ist gerüstet für die Verlängerung
Sena hat die Schule ganz für sich allein

Bielefeld (WB) -

Die elfjährige Sena hat die ganze Schule für sich allein. Wo sonst 700 Mädchen und Jungen in den Pausen auf den Fluren lachen und lärmen, herrscht Stille. Corona und der damit verbundene Digitalunterricht hat die Brackweder Realschule wie auch alle anderen Bielefelder Schulen leer gefegt.

Montag, 01.02.2021, 06:09 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 19:34 Uhr
Die Fünftklässlerin Sena nutzt in der Realschule Brackwede als einzige Schülerin das Angebot der Notbetreuung. Ihre Integrationshelferin Anja Isermann begleitet die Elfjährige im Schulalltag. Foto: Bernhard Pierel

Sena nutzt als einzige die Notbetreuung an ihrer Schule und findet das gar nicht schlimm. „Ich sehe ja meine Mitschüler auf dem Tablet“, erzählt sie. Sena Simsek ist eine von knapp 1500 jungen Bielefeldern, die nicht von Zuhause aus am Digitalunterricht teilnehmen, sondern dafür in die Schule fahren.

Die Nachfrage nach der Notbetreuung sei relativ gering, erklärt Georgia Schönemann, Leiterin des Amtes für Schule. In den Grund- und Förderschulen nutzten mit 1300 Mädchen und Jungen zehn Prozent das Angebot. In den fünften und sechsten Klassen seien es nur 120, was einem Prozent entspreche. Ab der siebten Klasse gibt es die Notbetreuung nicht mehr, dann ist Homeschooling Pflicht.

Ihre Lehrer sieht Sena meistens auf dem Bildschirm

Senas Eltern haben nicht die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. „Ich bin sehr froh, dass Sena so gut in der Realschule betreut wird, sagt Mutter Sakine Simsek, die in einer Hausarztpraxis beschäftigt ist. Weil Sena gesundheitliche Probleme hat, darf sie nicht alleine sein. An ihrer Seite ist deshalb stets Anja Isermann, ihre Integrationshelferin von der GfS (Gesellschaft für Sozialarbeit). Die beiden kennen sich schon seit der Grundschule und sind ein eingespieltes Team. Weil der leere Klassenraum gar zu kahl wirkt, sind sie in die Caféteria der Falken-Nachmittagsbetreuung umgezogen. Alles andere läuft wie an einem ganz normalen Schultag. Unterrichtsbeginn ist um 7.50 Uhr, gelernt wird nach Stundenplan mit Hilfe des Onlineportals Teams.

Ihre Lehrer sieht Sena meistens auf dem Bildschirm, auch viele ihrer Schulfreunde, wie sie sagt. „Quatsch wird auch mal gemacht, vor allem von den Jungs“, erzählt Sena. „Manchmal zeigt auch einer seinen kleinen Bruder oder seinen Hund“, lacht sie.

Dass Sena zur Zeit die einzige Schülerin in der Notbetreuung ist, ist laut Konrektor Armin Trojahn kein Problem. Kinder ohne Integrationshelfer stehen in der Notbetreuung Schulsozialarbeiter zur Seite. Die sind laut Trojahn eine wichtige Stütze auch für den digitalen Unterricht.

Von den fünf Sozialarbeitern der Realschule Brackwede ist immer einer in der Schule, während die anderen vom Homeoffice aus Kontakt zu den Schülern aufnehmen, wenn es mit der Technik nicht klappt oder es andere Probleme gibt. „Wenn ein Schüler ohne Krankmeldung dem Unterricht fernbleibt, fragen wir schon nach“, sagt Schulsozialarbeiterin Linda Sikma. Sie und ihre Kollegen machen auch Hausbesuche.

Stundenplan wird eingehalten

Armin Trojahn betont, dass der Stundenplan auch in Zeiten digitalen Unterrichts eins zu eins eingehalten wird. Das ist nicht selbstverständlich. Sogar die Arbeitsgemeinschaften Sport, Naturwissenschaften und Kunst finden an der Brackweder Realschule statt.

Lange vor dem zweiten Lockdown habe man mit den Vorbereitungen darauf begonnen und sich um die Geräte bemüht, betont Konrektor Trojahn. Alle 70 Kollegen wurden dazu noch vor Weihnachten und zum Teil auch in den vorgezogenen Weihnachtsferien geschult. Die Umstellung auf digitalen Unterricht sei ja quasi eine Weltneuheit in Deutschland gewesen, meint Trojahn, der sehr zufrieden ist mit der Umsetzung an seiner Schule. Und so schreckt ihn auch die von Landesschulministerin Yvonne Gebauer just verkündete Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar nicht.

Auch Sena findet die Verlängerung nicht so schlimm. „Das muss ja sein“, sagt sie ergänzt dann aber, dass sie gerne mal wieder mit ihren Schulfreundinnen auf dem Schulhof spielen würde.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7793110?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Studie: Veganismus könnte Knochengesundheit beeinflussen
Vegane Ernährung - also der komplette Verzicht auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs - könnte einer kleinen Studie zufolge negative Folgen für die Knochengesundheit haben.
Nachrichten-Ticker