Ein Jahr Coronavirus in Deutschland
Von Wuhan in die weite Welt

Bielefeld (WB) -

Vor einem Jahr kam die „rätselhafte Lungenkrankheit aus China“ auch in Deutschland an. Ischgl, Heinsberg, Tönnies, Maskenpflicht, Hygieneregeln, Warn-App, Impfstoff, -start und -pannen sind seitdem Begriffe, die unseren Alltag mit der Pandemie bestimmen.

Mittwoch, 27.01.2021, 22:42 Uhr aktualisiert: 28.01.2021, 09:24 Uhr
Seit einem Jahr begleitet das Coronavirus die Menschen in Deutschland. Foto: Dunja Delker

Im Herbst 2019 taucht das Virus zum ersten Mal in China auf. „Weit weg“ ist es für die Menschen in Europa damals noch. Deutschland erreicht es erst Anfang 2020. Der Versuch einer Corona-Chronologie:

Januar 2020

Nach immer mehr Fällen der Lungenkrankheit in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan schaltet sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. Wie gefährlich Corona ist, ist zunächst noch unklar. Die Gesundheitskommission von Wuhan berichtet, nach bisherigen Analysen gebe es «keine klaren Beweise» für eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Bei der Virus-Erkrankung handele es sich nicht um Grippe, Mers, Vogelgrippe oder Sars.

Wuhan ist wenig später die erste chinesische Stadt, die wegen des Virus über Wochen komplett abgeschottet ist. Von den mehr als 86.000 offiziell gemeldeten Infektionen in China gibt es mehr als 50.000 allein in der Metropole. Von den landesweit mehr als 4600 aufgeführten Toten sind mehr als 3800 in Wuhan zu beklagen.

Zu dieser Zeit wird das Virus erstmals auch in Deutschland nachgewiesen, und zwar bei Mitarbeitern des Münchener Autozulieferers Webasto: Quelle des Erregers ist eine Frau aus Schanghai, die das Unternehmen in Bayern vom 19. bis 22. Januar besuchte und an Firmentreffen teilnahm.

Februar 2020

Wenige Wochen später erlangt der Kreis Heinsberg bei Köln schlagartig Berühmtheit. In Nordrhein-Westfalen wird der erste bestätigte Fall bekannt. Nachgewiesen wird Covid-19 zuerst bei einem 47-Jährigen Mann aus Gangelt im Kreis Heinsberg und seiner 46-jährigen Frau. Beide hatten zuvor eine Karnevalssitzung in ihrem Heimatort besucht. Die Ehefrau ist Erzieherin in einem örtlichen Kindergarten. Um das Virus einzudämmen, stehen Hunderte Karnevalisten und ihre Familien vorübergehend und vorsorglich unter häuslicher Quarantäne, außerdem Kinder und Personal des betroffenen Kindergartens - insgesamt sind es rund 1000 Menschen.

Auch in Ostwestfalen-Lippe rüsten sich die ersten Kliniken für das Coronavirus. Auf Teneriffa hängen mehrere Touristen aus OWL in einem Hotel fest . Es wird unter Quarantäne gestellt, weil ein italienischer Arzt infiziert ist.

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März 2020

Ein weiterer „Hotspot“ ist das österreichische Ischgl. Dort wird Anfang März ein Barkeeper einer beliebten Après-Ski-Bar positiv auf das Coronavirus gestestet. Auch Menschen aus Ostwestfalen-Lippe infizieren sich in Ischgl. So wie Urlauber aus Schloß Holte-Stukenbrock oder Steinhagen .

Erstmals sterben in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus . Das erste Todesopfer ist eine 89-jährige Frau aus Essen, die seit Anfang März in der Universitätsklinik wegen einer Lungenentzündung in Folge der Coronavirus-Infektion behandelt wird. Nur gut eine Stunde nach ihr stirbt ein 78-jähriger Mann aus Gangelt. Er hat auch die Karnevalssitzung besucht.

Der erste positiv gestetete Bundesligaspieler kommt aus OWL: Paderborns Verteidiger Luca Kilian ist infiziert. Das wird am Freitag, 13. März, bekannt. Wenige Tage später wird der Spielbetrieb in der Bundesliga eingestellt. Gesundheitsminister Jens Spahn rät dazu, Großveranstaltungen generell abzusagen . Die Fußball-Europameisterschaft wird um ein Jahr verschoben.

Ebenfalls am Freitag, 13. März, gibt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bekannt, dass ab Montag alle Schulen und Kitas geschlossen werden. Ab 16. März bleiben bis auf Supermärkte in Deutschland fast alle Geschäfte zu. Der Osterurlaub fällt flach , der Tourismus wird auf Null runtergefahren. Experten befürchten eine deutlichen Konjunktureinbruch.

April 2020

Anfang April lockern Österreich und Dänemark behutsam die strengen Corona-Maßnahmen. In Deutschland sieht die Bundesregierung dazu noch keinen Anlass . Stattdessen legen Experten den Menschen nahe, Mundschutz zu tragen. Der Begriff der „Alltagsmaske“ wird geboren. Immer mehr Menschen nähen den Mund-Nasen-Schutz, tauschen Anleitungen zum Selbernähen aus. Ende April wird der Mund-Nasen-Schutz in Geschäften in NRW angesichts erster Lockerungen zur Pflicht .

Mai 2020

Nach vielen Wochen der Einschränkungen kommt Anfang Mai das Leben wieder in Fahrt . Schulen, Friseure und Museen dürfen wieder öffnen. Am 15. Mai geht auch die Fußball-Bundesliga wieder los - allerdings ohne Zuschauer.

Dennoch demonstrieren immer mehr Menschen gegen die Beschränkungen. Die Corona-Demos verbreiten sich - Rechtsextremisten nutzen diese Veranstaltungen aus, protestieren gemeinsam mit Corona-Leugnern.

Juni 2020

Im Juni steht das Leben wieder still - zumindest in den Kreisen Gütersloh und Warendorf. Beim Fleischkonzern Tönnies werden mehr als 2000 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. Der Massenausbruch hat nicht nur die sofortige Schließung des Unternehmens zur Folge: Auch Kindertagesstätten und Schulen müssen schließen. Die Eltern sind sauer und demonstrieren vor dem Privatanwesen von Firmenchef Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Sogar Morddrohungen muss er über sich ergehen lassen. Die Menschen im Kreis Gütersloh sehen sich in „Sippenhaft“, fühlen sich stigmatisiert, wenn sie in anderen Kreisen auf ihr GT-Kennzeichen angesprochen werden. In einigen Bundesländern gilt ein „Einreiseverbot“ für Menschen aus dem Kreis Gütersloh.

Juli 2020

Im Juli gehen die Infektionszahlen konsequent zurück. Deutschland hat Corona im Griff. Angesichts der Pandemie sind deutsche Urlaubsziele besonders beliebt.

August 2020

Nach und nach enden die Sommerferien. Doch Heimkehrer aus vielen Staaten müssen nicht nur ihre Koffer auspacken, sondern auch einen Coronatest machen. Im Kampf gegen das Virus gilt ab 8. August für Reise-Rückkehrer aus Risikogebieten eine Testpflicht. Die Ferien haben Folgen: Die Zahlen steigen wieder, die Bundesländer verschärfen aus Sorge vor einer zweiten Welle die Corona-Regeln: So erhöhen Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen die Bußgelder für Verstöße. Die Schulen starten auch in NRW wieder durch - allerdings mit Maskenpflicht.

September 2020

Angesichts steigender Infektionszahlen zieht Deutschland die Zügel wieder an: So droht Restaurant-Besuchern ein Bußgeld, wenn sie falsche Angaben auf Gästelisten machen. Je nach Infektionszahlen soll es lokale oder regionale Beschränkungen für die Anzahl der Gäste auf privaten Feiern geben.

Oktober 2020

Im Oktober erfasst die befürchtete zweite Welle Deutschland mit voller Wucht. Die Infektionszahlen steigen sprunghaft an. 4000 Neuinfektionen binnen eines Tages sind besorgniserregend. Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen zweiten bundesweiten Lockdown aber vermeiden. Die ersten Städte überschreiten eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 - jedem Wert, ab dem die Gesundheitsämter zunehmend Schwierigkeiten haben, Infektionsketten zu verfolgen. Doch es klappt nicht: Ende Oktober beschließen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten einen Teil-Lockdown.

November 2020

Am 2. November tritt der Teil-Lockdown mit Schließungen etlicher Einrichtungen in Kraft. Im November 2020 überschreitet die Anzahl der Corona-Infizierten in Deutschland außerdem die Eine-Million-Grenze: „Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland“ vermelden wir am 27. November 2020. Die Gesundheitsämter melden dem Robert-Koch-Institut an diesem Tag 22.806 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Damit steigt die Gesamtzahl der bekanntgewordenen Fälle auf 1.006.394.

Gute Nachrichten gibt es aus der Impfstoff-Forschung: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer geben vielversprechende Ergebnisse bekannt . Ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Hoffnung machen auch Nachrichten aus den USA: Der Konzern Moderna will die Zulassung seines Impfstoffs in der EU beantragen .

Dezember 2020

Ab 16. Dezember steht das Leben in Deutschland erneut still. Wieder sind bis auf Lebensmittelläden alle Geschäfte, Schulen und Kitas geschlossen. Der vorweihnachtliche Friseurbesuch fällt flach. Weihnachten gelten leichte Lockerungen, dennoch fallen Gottesdienste vielerorts aus. Zum Jahreswechsel werden die Lockerungen wieder aufgehoben, es gilt ein Verkaufsverbot für Feuerwerk, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Kurz vorm Fest gibt die EU-Kommission grünes Licht für den ersten Corona-Impfstoff: Das Biontech-/Pfizer-Präparat bekommt die Zulassung. Die ersten Dosen sollen in Deutschland am 27. Dezember gespritzt werden.

Januar 2021

Deutschland startet ruhig ins Jahr 2021 - so ruhig wie noch nie. Polizei und Rettungskräfte haben recht wenig zu tun, wundern sich aber, wie viele Restbestände von Feuerwerkskörpern offensichtlich noch in den Häusern schlummerten.

Die Impfungen sind angelaufen, doch es kommt zu Verzögerungen. Wegen Umbauarbeiten in einem Abfüllwerk von Biontech/Pfizer muss NRW den Impfstart in seinen 53 Impfzentren vom 1. auf den 8. Februar verschieben . Auch die Anmeldungen und die Vergabe der Impftermine verläuft holperig.

Unterdessen wird der zweite bundesweite Lockdown bis Ende Januar verlängert. Die Schließung des Handels und der Gastronomie waren zunächst bis 10. Januar befristet . Auch die Schulen und Kitas bleiben zu. Die 15-Kilometer-Leine in besonders stark betroffenen Gebieten wird eingeführt. Sie ist sehr umstritten.

Mittlerweile steht fest, dass der Lockdown bis 14. Februar verlängert wird. Dennoch: Die Rufe nach Lockerungen werden angesichts der fallenden Inzidenzwerte lauter.

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