Corona-Meldechaos: JU und MIT fordern personelle Konsequenzen – mit Kommentar
Shitstorm gegen Nürnberger

Bielefeld (WB) -

„Hier sterben Menschen, und Ingo Nürnberger macht Urlaub.“ Das ist nur eine der Aussagen in den so genannten sozialen Netzwerken. Noch immer tobt die Diskussion um das Corona-Meldechaos.

Donnerstag, 21.01.2021, 18:57 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 19:14 Uhr
In der Kritik: der Bielefelder Corona-Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger.

Nachdem der Krisenstabsleiter den Fehler längst eingeräumt und sich auch öffentlich entschuldigt hat, fordern einige personelle Konsequenzen. Der Shitstorm ist in vollem Gang. Aber viele stärken Nürnberger auch den Rücken.

Die Junge Union fordert personelle Konsequenzen. Wörtlich heißt es in einer Mitteilung: „Fehlplanung bei der personellen Ausstattung, kein Homeoffice-Konzept und der Krisenstabsleiter 14 Tage im Urlaub – die Liste der Verfehlungen rund um das Chaos im Gesundheitsamt ist lang.“

Die JU weiter: „Aufgrund des Meldestaus wissen wir nicht, ob Bielefeld Corona-Hotspot ist. Klar ist aber, dass die Verwaltung ein Chaos-Hotspot ist. Herr Nürnberger trägt dafür die Verantwortung. Er muss aus der Verwaltungsspitze zurücktreten, damit die Menschen wieder Vertrauen in das Krisenmanagement der Stadt gewinnen können“, so JU-Kreisvorsitzender Florian Grün.

Johanna Weber, Leiterin des Arbeitskreises Soziales-und Gesundheit der JU, unterstützt die Kritik: „Ein Krisenstabsleiter, der über die Feiertage zehn Tage nicht erreichbar ist, ist nicht länger tragbar.“

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Bielefeld fordert, dass Pit Clausen Nürnberger die Krisenstabsleitung entzieht. „Wer den ganzen Sommer Zeit hatte, das Gesundheitsamt neu aufzustellen, hat das Vertrauen der Unternehmen verspielt“, so Alexander Rüsing von der MIT Bielefeld. „Die Tatsache, dass Ingo Nürnberger zehn Tage nicht in seine E-Mails schaut, macht wirklich fassungslos“, so Stojan Kamburow, Vorsitzender der MIT Bielefeld.

Nürnberger selbst teilte mit, dass einiges nicht gut gelungen sei. Das hätte er bereits eingeräumt und sich dafür öffentlich entschuldigt. Er habe Urlaub gemacht, da er vor Weihnachten massive gesundheitliche Schwierigkeiten gehabt habe und ihm Ärzte geraten hätten, eine Auszeit zu nehmen. „Es gab aber die Verabredung, dass ich bei echten Problemen kontaktiert werden kann, was aber nicht erfolgte. Das haben wir intern besprochen.“

Nürnberger: „Natürlich war an jedem Tag eine Vertretung aus dem Verwaltungsvorstand organisiert und allen Beteiligten bekannt. Diese waren auch umfassend über den aktuellen Stand informiert.“

„Da für mich – auf dem Informationsstand, den ich vor Weihnachten hatte – kein Problem bei den Coronameldungen drohte, habe ich das Thema in dem Übergabegespräch nicht angesprochen. Als dann um den Jahreswechsel herum das Problem schrittweise bekannt wurde, hat man tatsächlich nicht reagiert. Es gibt nur wenige Leute, die diese Eingaben vornehmen können. Das wird geändert.“

Nürnberger weiter: „Als ich dann wieder da war, wurde das Problem besprochen. Aber auch da kam es zu den Problemen wie Krankheit, Quarantäne. Es war keine schnelle Organisation von Homeoffice möglich, weil auch die IT-Experten in Quarantäne mussten. Es mussten erst weitere Kollegen eingearbeitet werden. Auch diese Dinge sind wir jetzt angegangen.“

Kommentar von André Best

Das Meldechaos ist durch Fehler im Gesundheitsamt entstanden. Ja, es stimmt, das hätte besser laufen müssen. Die Verwaltung um Pit Clausen und auch Ingo Nürnberger hat hier kein gutes Bild abgegeben. Aber sind wir so weit, dass sofort Köpfe rollen müssen und im Internet nichts anderes als Rücktritt, Rausschmiss oder Rasur gefordert werden? Nein! Nur zur Erinnerung: Nürnberger genießt trotz allem großes Vertrauen, er wurde das ganze Jahr über für seinen hervorragenden, knüppelharten Job gelobt – zurecht. Schnell weg mit ihm – und dann wird alles besser? Das ist wirklich zu kurz gedacht.

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