IHK bereitet der verlängerte Lockdown Sorgen – mehr Geld für Soloselbstständige
„Viele haben Existenzängste“

Bielefeld (WB/ef) -

Durch die Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des ifo-Instituts im ersten Vierteljahr stagnieren. „Jede Woche, um die der Lockdown verlängert wird, führt unmittelbar zu Einbußen bei Umsatz, Produktion und Wertschöpfung“, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Mittwoch. Wenn die „Maßnahmen bis spätestens März wieder rückgängig gemacht werden, nimmt der Zuwachs der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um etwa diesen Betrag wieder zu“.

Mittwoch, 20.01.2021, 20:40 Uhr
Petra Pigerl-Radtke ist Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwestfalen.

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen ist die Lockdown-Verlängerung nicht überraschend gekommen, wie die Kammer am Mittwoch mitteilte. Trotzdem sei das für die betroffenen Unternehmen hart. „Jeder weitere Tag des staatlich verordneten Stillstands belastet die Firmen massiv und lässt das Insolvenzrisiko steigen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Die finanziellen Reserven in vielen Betrieben seien aufgezehrt, Gastronomie und Hotellerie gingen damit schon in den vierten Monat des Lockdowns. Ohne massive staatliche Stützung könne das kaum ein Unternehmen überstehen.

Insofern begrüßt die IHK die aktuellen Ankündigungen der Politik, dass die Bundeshilfen für Unternehmen deutlich verbessert werden sollen. Bisher habe die Auszahlung der Gelder „nicht funktioniert, wie uns viele Betriebe berichtet haben“, kritisiert Pigerl-Radtke. „Viele Unternehmen haben Existenzängste, denn ihnen fehlt die notwendige Liquidität auf dem Konto.“ Je länger die wirtschaftlichen Einschränkungen dauerten und je mehr Förderprogramme beantragt würden, desto größer sei zudem die Gefahr, dass die Firmen an die Höchstgrenzen staatlicher Beihilfen von derzeit maximal vier Millionen Euro gerieten und damit weitere Gelder verwehrt blieben.

Insbesondere größere Unternehmen würden hiervon zunehmend betroffen sein. Ferner beklagt die IHK die fehlenden Perspektiven insbesondere für Einzelhandel und Gastronomie. Bund und Länder sollten schon jetzt in die konkrete Planung einer differenzierten und verantwortbaren moderaten Öffnung dieser Branchen einsteigen, denn sie hätten im ersten Lockdown funktionierende Hygienekonzepte angewandt. „Wenn wir nach der Pandemie wieder lebenswerte Innenstädte haben möchten, braucht der Einzelhandel so schnell wie möglich und vertretbar wieder Umsatz“, betont die IHK-Hauptgeschäftsführerin.

Derweil erhöht die Bundesregierung die Corona-Hilfen für Soloselbstständige wie etwa Künstler. Laut Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) werde die Neustarthilfe von 25 Prozent auf nun 50 Prozent des Vergleichsumsatzes erhöht, zugleich werde die maximale Förderhöhe deutlich angehoben. Die maximale Höhe der Betriebskostenpauschale beträgt künftig 7500 Euro, bisher waren 5000 Euro vorgesehen. Der Referenzumsatz beträgt im Regelfall 50 Prozent des Gesamtumsatzes 2019, wie aus einem Papier des Finanzministeriums hervorgeht.

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