Corona-Impfstoff wird unter Polizeischutz ausgeliefert – Impfstart im Klösterchen
Franziskus-Hospital Bielefeld: Spritzen im Fünf-Minuten-Takt

Bielefeld (WB) -

Eskortiert von einem Polizeifahrzeug fährt Ulrich Saloga vor dem Franziskus-Hospital vor: Er liefert im Auftrag der Spedition Kühne & Nagel in einem Spezialbehälter gut gekühlt zehn Durchstechampullen des Corona-Impfstoffs von Biontech an. 60 Impfdosen wird Kristin Kretzer daraus gewinnen. [Mit Video]

Mittwoch, 20.01.2021, 05:00 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 15:28 Uhr
Im Bielefelder Klösterchen sind die ersten Mitarbeiter geimpft worden. Foto: Thomas F. Starke

Am Dienstag ist im „Klösterchen“ die Impfkampagne gegen Covid-19 für die Mitarbeiter gestartet. Vorrang haben diejenigen, die mit den Coronapatienten Kontakt haben: Ärzte und Pflegekräfte der Intensivstation, der Covid-Station und der Notaufnahme, zudem alle, die in der Onkologie arbeiten. „Die Reihenfolge haben wir bereits am 18. Dezember aufgelistet und an das Gesundheitsamt gemeldet“, sagt Klösterchen-Geschäftsführer Dr. Georg Rüter.

Tag für Tag wird der Impfstoff angeliefert und sofort in einem Kühlschrank aufbewahrt. Hygienefachkraft Kristin Kretzer bereitet ihn dann am Impftag nach den exakten Vorgaben von Biontech auf. 0,3 Milliliter des Vakzins werden jeweils verimpft, verdünnt mit einer Natriumchlorid-Lösung und anschließend vorsichtig zehnmal gedreht. „Danach ist der Impfstoff fünf Stunden lang haltbar. Ist er auf die Spritze aufgezogen, muss er sofort verimpft werden“, erklärt sie.

An den ersten drei Impftagen erhalten je 60 Mitarbeiter ihre erste Spritze, am Freitag und Samstag sollen es 120 sein, und in der kommenden Woche soll die Zahl noch einmal gesteigert werden – abhängig von den Lieferungen, erklärt Organisator Markus Adams aus der Pflegedienstleitung. Ende kommender Woche möchte er „durch“ sein, in drei Wochen folgen dann die zweiten Impfungen.

Impfstart im Klösterchen

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An diesem Dienstag ist auch die halbe „Mannschaft“ der Intensivstation an der Reihe. Im Fünf-Minuten-Takt sind die Mitarbeiter vorab eingeladen worden und melden sich bei Nina Schröter an. Weiter geht es zum Informationsgespräch: Dr. Thorsten Franz, Chefarzt der Notaufnahme, und nach ihm Anästhesist Dr. Claudius Kruse klären pflichtgemäß über die Impfung auf.

Eigentlich, sollte man meinen, in einem Krankenhaus überflüssig. Pflegedienstleiter Siegmund Neu erzählt dann allerdings von einer jungen Mitarbeiterin, die von ihrem Hausarzt zutiefst verunsichert worden sei: „Er hat ihr gesagt, dass sie sich nicht impfen lassen sollte, wenn sie noch Kinder haben möchte.“ Solch unbegründeten Aussagen müssen natürlich ausgeräumt werden.

Nach dem Aufklärungsgespräch geht es zur Impfung selbst. An diesem Dienstagmorgen nimmt sie der Pflegedienstleiter der M2, aktuell die Corona-Normalstation, vor. Sein Name wird hier ebenso wenig genannt wie der des Pflegedienstleiters der Intensivstation, den wir begleiten: „Wir hatten schon Fälle, dass Mitarbeiter, die namentlich genannt wurden, anschließend in den sozialen Medien verunglimpft wurden“, erklären Neu und Adams. „Das Niveau nach unten kennt keine Grenzen“, merkt Rüter dazu an.

Nach dem Impfen muss auch der Pflegedienstleiter der Intensivstation eine Weile im Ruheraum warten, bevor er zur Arbeit gehen kann: Es gilt sicher zu gehen, dass keine heftigen Impfreaktionen auftreten. Tatsächlich ist das Risiko sehr gering. Im Herforder Mathilden-Hospital, das wie das Klösterchen zur Katholischen Hospitalvereinigung gehört, ist einen Tag eher mit dem Impfen begonnen worden, „und dort gab es 0,0 Komplikationen“, sagt Neu.

Lediglich von einem leichten Brennen beim Spritzen erzählt der Intensivpfleger. Die Impfbereitschaft bei seinen Kollegen ist groß: „Sie liegt quasi bei 100 Prozent.“ Denn auf der Intensivstation erlebe man täglich, wie schwer manche Coronapatienten liegen. Und: Die Pflegekräfte können keinen Abstand halten, kommen den Erkrankten zwangsläufig nahe, etwa, wenn sie einen Patienten, der beatmet wird, zu dritt auf den Bauch legen müssen. Rüter hofft auf eine Impfquote von 90 Prozent. Noch liegt sie niedriger, er setzt aber auf „Mitnahmeeffekte“.

Lieferproblem

Die Impfung von Mitarbeitern, die in den Bielefelder Krankenhäusern besonders nah an Corona-Patienten arbeiten, sollte Ende dieser Woche eigentlich abgeschlossen sein. Dienstagabend teilte Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger mit, dass die für Mittwoch angekündigte Lieferung weiterer Impfdosen aber storniert worden sei. „Der Hersteller Biontech hat offensichtlich Lieferschwierigkeiten“, sagte Nürnberger.Angekündigt war, dass das Städtische Klinikum in diesen Tagen 700 Impfdosen erhält, das Evangelische Krankenhaus Bethel (EvKB) 770 und das Franziskus-Hospital 180 Impfdosen.Parallel dazu läuft die Impfung in den Seniorenheimen weiter. Laut Krisenstab habe man 57 Prozent der Bewohner und Beschäftigten erreicht. In dieser Woche sollen 600 weitere Impfdosen in den Heimen verabreicht werden, danach sei man auf einem Stand von zwei Drittel der Bewohner und Mitarbeiter. Es scheint allerdings bei den Senioreneinrichtungen ­noch Nachzügler zu geben, die sich für die Corona-Impfungen noch nicht gemeldet haben. Nürnberger: „Wir werden da hinterhergehen, wenn sich Nachzügler nicht bei uns melden.“

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