Auch OWL-Unternehmen fordern in Appellen an die Politik eine Perspektive
Hilferufe aus der Modebranche

Bielefeld/Halle/Herford (WB) -

Umsatzrückgänge von 30 Prozent im wichtigen Wintergeschäft und die Aussicht auf eine Fortsetzung der Ladenschließungen in der Corona-Krise verschärfen die Not der Modebranche. Hilferufe kommen nun von mehreren Dutzend Branchengrößen – darunter auch von OWL-Unternehmen –, die an die Politik appellieren und mehr Unterstützung sowie eine Perspektive fordern.

Dienstag, 19.01.2021, 04:02 Uhr aktualisiert: 19.01.2021, 04:10 Uhr
Schotten dicht: Der Modehandel leidet, wie andere Branchen, in der Corona-Krise unter den anhaltenden Ladenschließungen. Foto: dpa

Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge sind die Erlöse mit Bekleidung und Schuhen im Jahr 2020 bundesweit um rund 14 Prozent gesunken. Mit jedem weiteren Tag des Lockdowns wächst die Existenzgefahr und damit das Risiko, dass Geschäfte in den Innenstädten nie mehr öffnen, heißt es aus der Branche.

Stella Ahlers, Vorstandsvorsitzende der Ahlers AG in Herford mit Marken wie Pierre Cardin, Baldessarini, Otto Kern und Pioneer, warnt vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und Tradition: „In unserem Fall geht es um 100 Jahre Männermode und fast 2000 Mitarbeiter, davon 480 in Deutschland.“ Sie erwarte von den politischen Entscheidungsträgern „Verantwortlichkeit, um die richtigen Maßnahmen zu treffen, die weder den einzelnen Bürger noch der Wirtschaft schaden oder schwächen“. Bei Ahlers gilt Kurzarbeit mit Ausnahme des Online-Geschäfts.

Angelika Schindler-Obenhaus, Vorständin der Gerry Weber AG in Halle, fordert „Ausgleichszahlungen ähnlich denen für die Gastronomie auch für Industrie und Handel“. Zudem wären nach dem Lockdown mehr Sonntagsöffnungen hilfreich. „Insgesamt fordern wir ein klares Konzept, wann und wie der Handel wieder öffnen kann, denn wir brauchen dringend Planungssicherheit!“ Bei Gerry Weber sind die rund 1200 Filial-Beschäftigten seit Mitte Dezember in Kurzarbeit. Der Konzern zahlt, wie viele andere, aktuell nur 50 Prozent der Kaltmieten. Auch hierfür brauche es Rechtssicherheit.

Silvia Bentzinger, Geschäftsführerin des Bielefelder Hemden- und Blusenherstellers Seidensticker, stellt klar: „Der Großteil der Einzelhändler und Unternehmen wird einen verlängerten Lockdown nur überleben können, wenn Finanzhilfen kurzfristig und unbürokratisch geleistet werden. Seidensticker habe seine Finanzierung durch eine Landesbürgschaft abgesichert. Es gehe aber auch um das Überleben insbesondere der stationären Händler. „Anderenfalls wird es nach diesem Lockdown weniger Händler und Marken geben. Kleinere Einkaufstädte werden um ihr Überleben kämpfen müssen. Vermieter von Immobilien in Einkaufslagen werden sich an deutlich niedrigere Mieteinnahmen gewöhnen müssen.“ Auch bei Seidensticker greift seit Montag wieder verstärkt Kurzarbeit.

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