37-Jähriger aus Halle soll mit Schreckschusswaffe auch Spielhalle in Bielefeld-Brackwede überfallen haben
Siebeneinhalb Jahre Haft für Tankstellenräuber

Bielefeld -

Auf Bargeld war der Räuber aus, der im Juni 2018 eine Spielhalle in Brackwede überfallen hat. Jetzt musste sich ein 37-Jähriger aus Halle als mutmaßlicher Täter in Bielefeld vor dem Landgericht verantworten, aber die Beweislage war dünn. Dafür aber war der Mann geständig, zwei Tankstellen überfallen zu haben – und geht deswegen siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Montag, 18.01.2021, 15:55 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 15:58 Uhr
Das Landgericht in Bielefeld. Foto: Hans-Heinrich Sellmann

Es ist spät am Abend jenes 22. Juni 2018, als der Täter die Spielhalle an der Straße Vogelruth in Brackwede betritt, das Gesicht mit einer Sturmhaube verhüllt, eine Schusswaffe bei sich. „Überfall“, soll der Mann gerufen und von der Aufsicht verlangt haben, den Tresor zu öffnen – erfolglos. Immerhin 900 Euro in bar aus der Kasse fielen dem Räuber in die Hände. Dass die Spielhallen-Mitarbeiterin nicht auch noch ihr Handy los wurde, verdankt sie einer Notlüge: Sie sei schwanger, soll sie dem Täter gesagt haben, der ihr das Mobiltelefon zwar wegnahm, es aber am Tatort zurückließ.

Für die Tat stand seit vergangener Woche ein 37 Jahre alter Mann aus Halle vor dem Landgericht Bielefeld, aber ob er auch wirklich der Täter von der Spielhalle ist, wird die II. Strafkammer nicht mehr weiter verfolgen. Das Verfahren wurde schon am ersten Tag des Prozesses eingestellt – eine Möglichkeit in der Strafprozessordnung, wenn eine Strafe für die betreffende Tat beim Urteil wegen mehrerer Taten nicht wesentlich ins Gewicht fällt.

Denn der 37-Jährige hatte noch zwei andere, ähnlich gewichtige Anklagevorwürfe „am Hacken“: Er hatte Mitte Mai 2018 Tankstellen in Melle und Gütersloh überfallen, in vergleichbarer Manier, maskiert und mit einer Schreckschusswaffe. Und für diese Vorwürfe gab es Beweise, die so glasklar waren, dass er beide Taten auch gleich zum Prozessauftakt von seiner Verteidigerin Susanne Renner einräumen ließ: Videoaufzeichnungen der Verkaufsräume, DNA-Spuren, auffällige Handschuhe und eine leicht wiedererkennbare Sporttasche. Letztere fanden sich später bei einer Festnahme in seinem Besitz.

Zum Überfall auf die Brackweder Spielhalle hingegen schwieg der Angeklagte. Zwar gab es auffällige Parallelen wie etwa die Aufforderung an das Opfer, sich in der Toilette einzuschließen, bis der Täter weg war. Auch eine frühere Tatserie von 2008, für die der 37-Jährige acht Jahre Haft bekam, verlief nach diesem Muster: Überfälle auf Spielhallen, Tankstellen und Geschäfte im Raum Bielefeld, bei denen der Täter eine Softairpistole dabei hatte. Letztlich fand die Kammer die Beweislage doch zu dünn, um viel Zeit und Mühe zu investieren, dem Angeklagten den Raub in Brackwede nachzuweisen.

Am Montag fällte die Strafkammer ihr Urteil: Siebeneinhalb Jahre Haft für schweren Raub in zwei Fällen. Nach einem Jahr und drei Monaten so genannten Vorwegvollzug muss der 37-Jährige eine Drogentherapie im Maßregelvollzug antreten.

Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen: Der Mann muss noch bis März 2023 wegen widerrufener Bewährungen Reste von alten Haftstrafen absitzen – erst dann läuft die neue Strafe.

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