Versorgung rund um die Uhr: vom Kaugummi über den Fahrradschlauch bis zum Grillfleisch
Was Automaten so alles ausspucken

Bielefeld (WB) -

Für sie gelten weder Lockdown noch Öffnungszeiten, weder Ladenschluss noch Mittagspausen: Automaten im öffentlichen Raum. Mitten in der Nacht oder morgens in der Frühe, im Hochsommer oder im tiefsten Winter – stets spucken sie aus, womit sie befüllt wurden.

Mittwoch, 13.01.2021, 14:41 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 15:26 Uhr
Nadine benötigt schnell noch einen Mund-Nase-Schutz und wird am Automaten an der Eckendorfer Straße fündig. Foto: Bernhard Pierel

Nach Münzeinwurf natürlich, aber inzwischen auch bargeldlos. Wenn nicht gerade ein technischer Defekt die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigt. Die Palette der angebotenen Automatenware hat sich dabei im Laufe der Jahre erheblich verändert: von Pfeifentabak und Zigaretten über Schokolade und Kaugummi bis hin zu Fahrradschläuchen, Grillfleisch oder Milch reicht das Angebot.

Die Automaten der Stadt - Ein Rundgang

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  • Fleischer Daniel Beier bestückt seinen Grillautomaten in Vilsendorf.

    Fleischer Daniel Beier bestückt seinen Grillautomaten in Vilsendorf.

    Foto: Bernhard Pierel
  • Frische Milch nach Münzeinwurf gibt es an der „Milchtankstelle“ am Hof Strothlüke in Ummeln.

    Foto: Bernhard Pierel
  • Insgesamt 97 Fahrscheinautomaten von Mobiel gibt es in der Stadt (hier an der Haltestelle August-Bebel-Straße).

    Foto: Heinz Stelte
  • Beim Anblick eines Kondomautomaten (hier an der Detmolder Straße) kommen Eltern bisweilen in Erklärungsnot.

    Foto: Heinz Stelte
  • Für Zigarettenautomaten wird seit Januar 2007 ein Ausweis benötigt.

    Foto: Heinz Stelte
  • Glück hat, wen eine Fahrradpanne gerade vor diesem Automaten im Ehlentruper Weg ereilt.

    Foto: Heinz Stelte
  • Weit verbreitet: 149 Parkscheinautomaten stehen in Bielefeld.

    Foto: Heinz Stelte
  • Kaugummi, Taschentücher und Kondome bietet dieser Automat in der August-Bebel-Straße an.

    Foto: Heinz Stelte
  • Nadine benötigt schnell noch einen Mund-Nase-Schutz und wird am Automaten an der Eckendorfer Straße fündig.

    Foto: Bernhard Pierel

Auch in Bielefeld gehören die Automaten zum Stadtbild, wenngleich sie meist gar nicht wahrgenommen werden. Es sei denn, man ist gerade auf der Suche nach einen besonderen Exemplar, um vielleicht ein Parkticket zu ziehen oder schnell noch eine Schachtel Zigaretten zu besorgen.

Wie viele öffentlich zugängliche Automaten in Bielefeld stehen oder hängen, ist unbekannt. Von städtischen Ämtern erfasst ist lediglich die Zahl der von der Stadt selbst betriebenen Parkautomaten (derzeit 129). 97 Fahrkartenautomaten (88 neue und 9 alte) haben die Verkehrsbetriebe Mobiel im Einsatz. Der Rest – Fragezeichen. Denn: Für die Aufstellung von Automaten muss man zwar ein Gewerbe anmelden, die genaue Anzahl der Geräte aber nicht angeben, solange sie nicht mehr als 30 Zentimeter in den Straßenraum hineinragen. Angebracht sind sie ohnehin meist an Privathäusern, mit deren Eigentümer der Automatenaufsteller einen Vertrag abschließt, oder sie stehen auf privatem Grund und Boden.

Das Angebot in den heimischen Automaten, es geht mit der Zeit. So bietet einer an der Eckendorfer Straße Coronamasken an, und wessen Fahrrad einen „Plattfuß“ hat, der kann sich am Fahrradschlauchautomaten im Ehlentruper Weg Ersatz besorgen. Und längst haben auch in der Leinenstadt die Parkautomaten die alte Parkuhr abgelöst.

Auch Landwirte haben den Automaten als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt. So betreibt beispielsweise Dennis Strothlüke in Ummeln seit 2016 eine „Milchtankstelle“, seit 2018 gleich nebenan einen Verkaufsautomaten mit Eiern oder Milchprodukten. „Das läuft dank Corona ganz gut,“ erklärt Strothlüke.

Etwas aus der Zeit gefallen wirken hingegen die Kaugummiautomaten, die noch hier und da halb versteckt und vergessen an Häuserwänden ihr Dasein fristen. In der Nachkriegszeit kamen sie nach Deutschland, später wurden neben den Kaugummis auch Plastikohrringe, Schlüsselanhänger oder winzige Taschenmesser als zusätzliche Kaufanreize in die Automaten gefüllt. Oft hingen sie – kaum verwunderlich – an Häusern auf Schulwegen. In ihrer Blütezeit fand man sie fast an jeder Straßenecke, heute muss man auch in Bielefeld schon auf die Suche gehen, um noch ein Exemplar zu finden. Etwa 500.000 Stück, schätzt der Verband Automaten-Fachaufsteller (VAFA), sollen in Deutschland noch hängen. Nicht wenige davon rotten vor sich hin. Denn reich werden kann man mit diesen Automaten nicht. Zehn bis 100 Euro, so rechnet der VAFA, bringt ein Kaugummiautomat im Jahr noch ein. Da lohnen sich für den Aufsteller die Wartung und Befüllung kaum noch.

Ein Grund dafür sind immer wiederkehrende Beschädigungen. Davon kann auch Kai Uffenkamp ein Lied singen. Gut 40 Automaten hat der Engeraner in Bielefeld hängen, viele davon in den Stadtteilen. Bis zu 24 Artikel bietet Uffenkamp in seinen Automaten an, vom Kaugummi über Kondome bis zum Tempotaschentuch. „Es kommt immer wieder zu Beschädigungen und Vandalismus,“ weiß er. Zwei seiner Automaten wurden gar komplett gesprengt, einer davon hing in Bielefeld in der Carl-Severing-Straße.

Hinzu kommen Aufbrüche, „etwa ein bis zwei im Jahr.“ Dabei gebe es meist kaum etwas zu erbeuten. „Der angerichtete Schaden an den Geräten ist bis zu zehn Mal höher, als die Beute,“ erzählt Uffenkamp, der seit 40 Jahren im Automatengeschäft tätig ist.

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