Bethel-Chef Ulrich Pohl lehnt assistierten Suizid in der Diakonie ab
„Es ist nicht unsere Aufgabe, den Tod herbeizuführen“

Bielefeld (epd). -

Die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel lehnen Angebote von assistiertem Suizid in diakonischen Einrichtungen ab. Aufgabe der Diakonie in der Begleitung Sterbender sei es, Leiden zu lindern und die Menschen seelsorgerlich und geistlich zu begleiten, nicht aber systematisch den Tod von Sterbewilligen herbeizuführen, sagte der Bethel-Vorstandsvorsitzende Ulrich Pohl am Montag in Bielefeld.

Montag, 11.01.2021, 16:17 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 16:22 Uhr
„Aufgabe der Diakonie in der Begleitung Sterbender ist es, Leiden zu lindern und die Menschen seelsorgerlich und geistlich zu begleiten“, sagt Pastor Ulrich Pohl. Foto: Bernhard Pierel

Namhafte evangelische Theologen, darunter der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, hatten in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für die Möglichkeit einer professionell begleiteten Selbsttötung in diakonischen Einrichtungen plädiert.

Pohl bekundete in der aktuellen Debatte seine Unterstützung für die Haltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wonach jede organisierte Hilfe zum Suizid abzulehnen sei, die dazu beitrage, dass die Selbsttötung zur Option neben anderen werde. Der Bethel-Chef bekräftigte die Grundsatzposition der von Bodelschwinghschen Stiftungen: Ein aktives Herbeiführen des Todes durch Mitarbeitende Bethels komme nicht infrage, auch wenn ein Betroffener dies wünsche.

Der Entschluss schwer kranker Menschen, ihrem Leben aktiv ein Ende setzen zu wollen, sei oft nicht allein ein Ergebnis freier Selbstbestimmung, erklärte Pohl. Solche Auffassungen würden nicht selten auch von Angehörigen mitgeprägt. Wenn Menschen aber in ihrem letzten Lebensabschnitt in einem Hospiz gut begleitet würden, lebten sie nicht selten noch einmal auf und könnten dann wirklich abschließen. „Bei einem Suizid dagegen wird das Leben nicht abgeschlossen, sondern abgebrochen, vieles bleibt ungesagt“, sagte der Theologe.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 das Verbot organisierter - sogenannter geschäftsmäßiger - Hilfe bei der Selbsttötung gekippt. Die Karlsruher Richter erklärten das entsprechende Gesetz für nichtig und begründeten dies mit dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben, das auch Dritten die Assistenz beim Suizid erlaube. In dem am Montag erschienenen Zeitungsartikel hatten neben Diakonie-Präsident Lilie auch die Theologen Rainer Anselm und Isolde Karle gefordert, interdisziplinäre Teams sollten in den kirchlich-diakonischen Einrichtungen dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben Geltung verschaffen.

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