Bezirksbürgermeister Bernd Henrichsmeier über sich und die Aufgaben im Bielefelder Stadtbezirk Stieghorst
Neu im Amt, im Bezirk verwurzelt

Bielefeld (WB) -

Bei zwei Themen steht der Stadtbezirk Stieghorst besonders im Fokus: Bei der Konversion – der Umwandlung der ehemaligen britischem Kasernen und Wohnsiedlungen – und bei den Auswirkungen von Trockenheit und Borkenkäferplage auf den Wald. Anpacken will diese Themen Stieghorsts neuer Bezirksbürgermeister Bernd Henrichsmeier (CDU), der nach der Kommunalwahl im September Anfang November ins Amt gewählt wurde.

Montag, 11.01.2021, 05:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 08:50 Uhr
Bernd Henrichsmeier (46) bewirtschaftet als Landwirt den Hof der Familie am Siebrassenhof. Foto: Bernhard Pierel

Und das ziemlich überraschend. Denn obwohl die Christdemokraten die stärkste Fraktion stellen, können sie sich nicht auf eine alleinige Mehrheit oder eine Koalition in der Bezirksvertretung stützen – gewählt wurde Henrichsmeier somit auch, weil sich Grüne und Sozialdemokraten nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten, um den vorherigen Bezirksbürgermeister Reinhard Schäffer (SPD) wieder ins Amt zu wählen.

Bernd Henrichsmeier sieht die neue Konstellation in der Stieghorster Bezirksvertretung jedoch auch als Chance. „Da ich keine Koalition hinter mir habe, müssen wir jedes Mal über eine Mehrheit neu verhandeln. Ich wünsche mir dabei einen Wettbewerb der Ideen, bei dem wir gemeinsam nach den besten Lösungen für den Stadtbezirk suchen“, sagt der 46-Jährige. In der ersten Sitzung unter seiner Leitung Anfang Dezember habe er dafür gute Anzeichen gesehen. „Ich hoffe, dass wir es schaffen, dieses Klima auch in Zukunft beizubehalten und ein gutes Miteinander haben.“

Dass die AfD nun auch in der Bezirksvertretung Stieghorst einen Sitz hat, sieht Henrichsmeier gelassen. „Wir sind ein demokratisches Gremium, in dem wir mit Argumenten überzeugen wollen. Dabei sind alle demokratischen Parteien gefordert, in der Diskussion die notwendigen Antworten zu geben.“

Wichtig sei ihm, so Henrichsmeier, offen zu sein für die Anliegen der Bürger im Stadtbezirk. „Immer häufiger wenden sich Menschen an die Fraktionen in der Bezirksvertretung. Wir müssen ihre Anregungen berücksichtigen und die Bürger einbinden in unsere Arbeit.“

Was auf ihn als Bezirksbürgermeister zukommt, hat Bernd Henrichsmeier schon von Kindesbeinen an miterleben können. Sein Vater Gerhard übte dieses Amt ebenfalls viele Jahre lang aus, „da habe ich mitbekommen, wie häufig Besucher bei uns waren, weil sie eine Frage oder Sorgen hatten“, sagt der Vater einer kleinen Tochter (sieben Monate). Und sein Urgroßvater August Henrichsmeier war bis zum Ersten Weltkrieg Vorsteher der Gemeinde Stieghorst, erzählt der 46-Jährige, der als Landwirt den Hof der Familie bewirtschaftet.

Er selbst ist seit mehr als 25 Jahren Mitglied in der CDU, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbands, seit fast 20 Jahren im Vorstand der Stieghorster Christdemokraten und seit 2014 Mitglied in der Bezirksvertretung Stieghorst.

Die großen Themen, die im Stadtbezirk 2021 und wohl auch in den kommenden Jahren anstehen, heißen Wohnen, Verkehr, Schutz und Erhalt des Waldes und natürlich Konversion.

Wie die ehemalige Catterick-Kaserne und die Briten-Häuser künftig genutzt werden sollen, dazu hat Bernd Hendrichsmeier klare Vorstellungen. „Ich stelle mir dort ein ähnliches Konzept vor wie in der Ripon-Kaserne, wo einige der Gebäude von der AWO und der Georg-Müller-Schule genutzt werden und neue Wohnbebauung entstanden ist.“

So sieht der 46-Jährige die Ansiedlung der Bundespolizei in der Catterick-Kaserne nicht kritisch, sondern wünscht sich, dass diese ihr Ausbildungszentrum dort möglichst langfristig betreibt. Viele Gebäude seien erhaltenswert und könnten so weiter genutzt werden, manche Gebäude seien auch für Studenten-Apartments geeignet.

In Richtung Lipper Hellweg könnte auf dem insgesamt 34 Hektar großen Areal dann neue Wohnbebauung entstehen, auch mit Einfamilienhäusern, betont der Bezirksbürgermeister.

Die Wohnhäuser der Briten in der Siedlung oberhalb des Lipper Hellwegs möchte Henrichsmeier erhalten. „Die Menschen, die dort inzwischen eingezogen sind, fühlen sich sehr wohl.“ Die Häuser abzureißen und durch größere Mehrfamilienhäuser zu ersetzen, passt nach seiner Einschätzung nicht zu der Topographie.

Bei der Entwicklung des Verkehrs setze er auf gute Lösungen für alle Bereiche, vom öffentlichen Nahverkehr bis zum Auto. Für die geplante Stadtbahnlinie in Richtung Hillegossen sieht er vor allem zwei mögliche Trassen – eine Verlängerung der Linie 2 über die Detmolder Straße oder eine Weiterführung der Linie 3 über die Stieghorster- und die Detmolder Straße. „Welche die bessere Lösung ist, hängt auch von der gesamten Entwicklung ab, da möchte ich mich jetzt noch nicht festlegen.“

Große Sorgen bereiten Bernd Henrichsmeier die starken Waldschäden entlang des Teuto-Kamms zwischen Eisernem Anton und Lämershagen, von denen auch viele private Waldbesitzer betroffen seien. „Wir müssen für eine möglichst schnelle Wiederaufforstung als Mischwald sorgen.“

Bei der Entwicklung von Gewerbe setzt Bernd Henrichsmeier vor allem darauf, schon genutzte Flächen zu erweitern und Brachen neu zu beleben.

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