Bielefelds südafrikanisches Restaurant Howzit entdeckt während des Lockdowns Schank-Bräuche von früher wieder
Frisch Gezapftes zum Mitnehmen

Bielefeld -

Ein bisschen kniffliger als sonst ist die Arbeit am Zapfhahn schon. Vorsichtig lässt Amir Nemat das Bier in die großen Bügelflaschen laufen. „Besonders, wenn das Bier am Flaschenhals angekommen ist, muss man aufpassen“, erklärt der Thekenchef des Howzit.

Montag, 11.01.2021, 11:00 Uhr
Amir Nemat (von links) und Max Meis versorgen Ina Büttner und Markus Halm mit frisch gezapftem Craftbier. Foto: Thomas F. Starke

Während er ansonsten den Gerstensaft in Gläser füllt, haben er und die anderen Betreiber des südafrikanischen Restaurants an der August-Bebel-Straße sich angesichts des Lockdowns etwas besonderes ausgedacht - und eine alte Tradition wieder aufleben lassen. Weil sie die Tür nur für Abholer öffnen dürfen, bietet sie nun zunächst an jedem Januar-Wochenende „frisch Gezapftes“ zum Mitnehmen an. Für Bier-Liebhaber ein Genuss, und für das Restaurant, das erst im Februar kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie gestartet ist, eine Möglichkeit, sich durch die schwere Zeit zu hangeln.

Auf die Idee gekommen ist das Howzit-Team Ende Dezember. „Wir hatten im Keller noch Fassbier, dessen Haltbarkeitsdatum Ende des Jahres ablief. Also haben wir im Kreis unserer Stammkunden gefragt, wer sich ein gezapftes Bier abholen möchte, bevor wir es wegschütten müssen“, erzählt Max Meis, der das Howzit zusammen mit Amir Nemat, Joey Chantal und Nehla Delfi betreibt.

So gab es am Wochenende nach Weihnachten den ersten Testlauf für diese ungewöhnliche Art des Ausschanks. Und die kam bei den Gästen so gut an, dass Meis daraufhin den Betreiber der Ravensberger Brauerei Mike Cacic ansprach. „Denn die Brauereien stehen alle vor dem Problem, dass sie jede Menge Fassbier auf Lager haben, für das es im Lockdown aber kaum Abnehmer gibt“, so Max Meis.

Daraufhin habe Cacic dem Howzit fünf 50-Liter-Fässer des „Flutlicht“-Craftbiers geschenkt, die bis Ende Februar haltbar sind. So bietet das Howzit den frisch gezapften Gerstensaft für Selbstabholer nun noch bis mindestens Ende Januar immer samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr an. „Bis dahin 250 Liter Bier abzusetzen, das ist schon eine Herausforderung“, vermutetet Max Meis am Samstag. Doch die Nachfrage war schon am ersten Wochenende groß. Mehr als 60 Liter füllten Thekenchef Amir Nemat in die Flaschen ab, die die Abholer mitbrachten.

Schon beinah Profis waren dabei Marielis Büscher (68) und Jens Treu-Büscher (65), die auch mit den Anstoß zu dem Konzept gegeben haben. Denn bis in die 1960er Jahre hinein sei es nicht ungewöhnlich gewesen, dass Opa den Enkel in die Eckkneipe geschickt habe, um ein „kühles Blondes“ direkt vom Fass zu holen, erinnern sie sich.

Damit der Gerstensaft auch sicher und frisch nach Hause kommt, hatten Marielis Büscher und Jens Treu-Büscher gleich fünf Zwei-Liter-Bügelflaschen mitgebracht. „Wir machen mit unserem Freundeskreis häufiger Ausflüge zum Kloster Kreuzberg in der Rhön, wo es auch eine Brauerei gibt. Von dort haben wir die Flaschen“, erzählte Marielis Büscher.

Und da das Bier möglichst rasch getrunken werden sollte, ist der Vorrat, den das Paar am Samstag mitnahm, nicht nur für den eigenen Genuss. „Wie haben den Auftrag bekommen, für unsere Freunde auch etwas mitzubringen.“ Während Amir Nemat die Zwei-Liter-Flaschen auffüllte, warteten am anderen Ende des Tresens auch Ina Büttner und Markus Hahn auf ihr „frisch Gezapftes“. „Wir nehmen allerdings nur vier Liter mit, weil wir nicht so viele Flaschen haben“, sagte Ina Büttner lachend.

Und dass das Bier schal werden könnte, darüber machten sich die Abholer am Samstag keine Sorgen. „Das passt perfekt heute Abend zur Sportschau“, erklärte Jens Treu-Büscher. Und ein Bier vom Fass sei ja ein Genuss, der in den vergangenen Lockdown-Wochen bislang komplett weggefallen sei, findet Markus Halm. „Wir werden uns das Bier bei einem Spieleabend schmecken lassen.“

Läuft die Idee mit dem „Gezapften to go“ gut, könne die Aktion auch verlängert werden, so Max Meis. „Denn niemand weiß, wann wir wieder regulär öffnen dürfen.“

Wer an einem Wochentag Durst auf Bier vom Fass habe, der kann sich auch per Mail an howzitbielefeld@gmail.com melden. „Ab fünf Litern zapfen wir auch auf Bestellung.“

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