Bielefelds Schulen starten heute mit dem Distanzunterricht – Was Schülerinnen und Schüler davon halten
Jetzt wieder Tablet statt Tafel

Bielefeld (WB) -

Eigentlich müsste an diesem Montag um 7.50 Uhr am Ceciliengymnasium der Gong zum Unterrichtsstart nach den verlängerten Weihnachtsferien läuten. Wird er aber nicht. Stattdessen werden die rund 950 Schülerinnen und Schüler daheim ihre Tablet-Rechner auspacken. Der digitale Schultag kann beginnen.

Montag, 11.01.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 08:58 Uhr
Symbolbild Foto: dpa

Einer von ihnen ist David Nalimov (16). Bekannt ist der junge Mann als „Fridays for Future“-Aktivist, aber aktiv ist er auch in der Bezirksschülervertretung. „Ich finde es richtig, dass es jetzt weiter Distanzunterricht gibt“, sagt David. Die Infektionszahlen seien viel zu hoch, regulärer Schulbetrieb nicht verantwortbar.

Die Bezirksschülervertretung spricht für die mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler an den 102 Schulen in der Stadt. Schon vor den Weihnachtsferien, als das Schulministerium bereits den Distanzunterricht bis zum Ferienstart angekündigt hatte, hatte die Vertretung erklärt, dass die Entscheidung dazu viel zu spät gekommen sei. Jetzt geht sie sogar bis Ende Januar in die Verlängerung. Mindestens.

Erst keine Maskenpflicht im Unterricht, dann Maskenpflicht. Alle 20 Minuten für fünf Minuten Stoßlüften „Dies sind keine Bedingungen für ein gutes Lernumfeld und vor allem sind es keine langfristigen Lösungswege“, hieß es in einer Erklärung der Schülervertreter.

David besucht die Q1, die Jahrgangsstufe 11, des Gymnasiums. Da werden bereits Punkte fürs Abitur gesammelt. Der Stoff, der durchgenommen wird, kann nächstes Jahr auch Prüfungsstoff im Abitur sein. „Bei den Prüfungen muss die schwierige Corona-Situation berücksichtigt werden“, findet der angehende Abiturient. Die Bezirksschülervertretung hat konkrete Forderungen formuliert: „Der Distanzunterricht darf nicht so bewertet werden wie Präsenzunterricht. Es dürfen keine Schülerinnen und Schüler dieses Jahr sitzen bleiben.“ Und: „Die Prüfungsanforderungen müssen reduziert werden.“ Ob das Schulministerium auf solche Forderungen eingehen wird, ist noch ungewiss. Bisher gibt es lediglich etwas mehr Vorbereitungszeit für den Abiturjahrgang, der im Frühjahr an der Reihe ist.

Am Ceci gibt es einen Leitfaden Distanzlernen. Der Fernunterricht läuft im Wesentlichen nach dem regulären Stundenplan. Die Fachlehrer setzen sich mit ihren Schülerinnen und Schülern über die Chat- und Besprechungsplattform Teams in Verbindung.

„Das klapp ganz gut“, sagt David. Aber er weiß auch, dass manche seiner Mitschülerinnen und -schüler eher die direkte Ansprache benötigen. Distanzlernen sei vor allem etwa für Leute, die gut organisiert sind, selbstständiges Arbeiten gewohnt sind.

Immerhin stimmt bei den Schülerinnen und Schülern am Ceci die technische Ausstattung. Wer kein eigenes Tablet besitzt, kann sich eines an der Schule leihen. Gerade hat die Stadt die Auslieferung von 10.000 solcher Geräte an alle Schulen abgeschlossen. Ein organisatorischer Kraftakt, mehrere Millionen Euro teuer, finanziert von Bund und Land.

David hofft, dass sich der Schulbetrieb bald wieder normalisiert. Trotz verlängerter Weihnachtsferien musste er am 8. Januar bereits eine Klausur in seinem Deutsch-Grundkurs schreiben. „Richtig konzentrieren kann man sich nicht, wenn alle 20 Minuten die Fenster aufgerissen werden und von draußen eiskalte Luft in den Raum dringt.“

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