Namu nutzt Lockdown für die Neuausrichtung der Dauerausstellung
Wolf, Weizen und die Weltmeere

­Bielefeld (WB). -

Wie alle Museen ist auch das Namu (Natur – Mensch – Umwelt) in Spiegels Hof an der Kreuzstraße erneut seit Anfang November für Besucher geschlossen. Diese Zeit hätte man, so Namu-Leiterin Dr. Isolde Wrazidlo, nicht nur dazu genutzt, gründlich auszumisten und Liegengebliebenes abzuarbeiten, sondern auch dazu, die Dauerausstellung nach rund 15 Jahren mit veränderten Schwerpunkten neu zu gestalten. Sie soll mit der Wiedereröffnung des Museums nach dem Lockdown erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Samstag, 09.01.2021, 03:28 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 03:30 Uhr
Dr. Ingo Höpfner, neuer wissenschaftlicher Mitarbeiter des Namu, wertet eine Weichtiere-Sammlung aus – hier mitder Schale einer riesigen Meeresschnecke. Foto: Bernhard Pierel

Unterstützung in einer Gesamthöhe von 90.000 Euro für das Projekt gab es von der Stiftung „Umwelt und Entwicklung NRW“ und vom Namu-Förderverein. Und: Seit Sommer hat Biowissenschaftler Dr. Ingo Höpfner eine feste Stelle im Museum. Sein Schwerpunkt ist die Sammlungsarbeit. Allein die biologische Sammlung verfüge über 410.000 Objekte. Höpfner: „Insekten, Käfer, Schmetterlinge – und nur etwa 100 Säugetiere.“ Die Objekte müssten gepflegt, vor Schädlingsbefall geschützt werden, lagern bei Raumtemperatur im Dunkeln. Und ja, es gebe immer wieder auch Entdeckungen im Museums-Magazin – Schubfächer, die lange nicht mehr aufgezogen, Kisten, die „ewig“ nicht geöffnet worden seien.

Weil auch nicht allein das Museum aufgeräumt hat – vier Container seien vor allem mit nicht mehr benötigtem Material, mit dem zurückliegende Ausstellungen gestaltet worden seien, gefüllt worden – sondern auch private Sammler, sind auch Zugänge zu sichten. Beispiel: eine Sammlung von Weichtieren wie Schnecken und Muscheln (Mollusken) aus Privatbesitz. Höpfner lobt: „Sie ist gut dokumentiert, trotzdem muss sie inventarisiert und müssen Arten bestimmt werden.“

Thomas Pupkulies, zuständig für Bildung und Vermittlung, freut sich über die Neuausrichtung der Dauerausstellung (unverändert: der Geo-Stollen). So sei der „Frozen Zoo“ mit einigen neuen Tieren bestückt worden, darunter ein seltener Steppenvogel, die Großtrappe. Außerdem sei ein Saatgut-Archiv hinzu gekommen.

Wrazidlo verweist auf den Themenraum, der sich am Beispiel von Wolf und Hund der Beziehung des Menschen zu Wild- und Haustieren widmet. Die Museums-Chefin: „Hunde werden dem Bedarf entsprechend gezüchtet und verzärtelt, in Handtaschen herum getragen oder bekommen sogar Kleidung, während der Wolf vehement abgelehnt wird.“ Klima und Konsum sind ein weiteres Thema. So mache die Dauerausstellung bewusst, dass in Deutschland Weizen angebaut wird, um daraus Klebstoff für (Versand-)Pakete zu machen, Weizen fürs tägliche Brot aber, so Isolde Wrazidlo, „eingeführt werden muss“.

Geplant sei noch eine Installation, um die Vermüllung der Ozeane zu zeigen. Sichtbar gemacht werden sollen Bestäubungsleistungen von Insekten, aber auch etwa der Einsatz von Drohnen für die Erforschung der Wanderrouten verschiedener Tierarten. Ingo Höpfner: „Sammlung bedeutet eben nicht Aufbewahren allein: Sie dient auch dazu, aktuelle Fragestellungen zu beantworten.“

Alle Namu-Mitarbeiter, so Isolde Wrazidlo, sehnten natürlich den Tag der Wiedereröffnung herbei. 2020 habe das Museum mit rund 10.000 Besuchern nur ein Drittel dessen gehabt, was in „normalen“ Jahren üblich sei. Es gab keine Veranstaltungen – abgesehen von Exkursionen in der Natur –, keine Besuche von Schulklassen oder Kitas.

Die Eröffnung der ersten Sonderausstellung des neuen Jahres ist jedenfalls für den 21. März geplant. Dann wolle das Namu „Die Wüste soll leben“ zeigen – eine Übernahme des Städtischen Naturhistorischen Museums Braunschweig. Isolde Wrazidlo: „Wir zeigen die Exponate auf nur 150 Quadratmetern – weniger als ein Drittel der eigentlichen Ausstellungsfläche. Eine Herausforderung.“

Namu Bielefeld im Lockdown

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