Warum es so viele Todesfälle gibt – Wie die Situation in den Heimen ist – Was in Schulen und Kitas passiert
Bielefeld im XXL-Lockdown

Bielefeld (WB) -

106 Neuinfektionen mit Corona hat die Stadt Bielefeld am Mittwoch gemeldet. Der Inzidenzwert liegt aktuell bei 99,6 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Von einer Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist Bielefeld also noch weit entfernt. Aktuell sind 1174 Bielefelderinnen und Bielefelder infektiös. Die von Bund und Ländern beschlossenen neuen Corona-Regeln für einen verlängerten Lockdown bis 31. Januar haben direkte Auswirkungen auf alle Bürger.

Donnerstag, 07.01.2021, 05:59 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 18:06 Uhr
Das Coronavirus hat Bielefeld weiterhin fest im Griff. Der Lockdown wird bis zum 31. Januar verlängert. Foto: Bernhard Pierel

Auf den ersten Blick schockierend hoch ist die Zahl von 16 neu gemeldeten Todesfällen. Diese Zahl bezieht sich aber auf Fälle, die zwischen dem 27. Dezember und dem 5. Januar liegen. Es handelt sich um elf Frauen im Alter von 64, 76, 77, 79, 85, 90 (je zwei), 92 (zwei) und 99 (zwei) Jahren sowie fünf Männer im Alter von 84, 85, 86, 89 (zwei) Jahren. Die Zahl der Todesfälle steigt damit auf 120. „Nachdem wir im NRW-Vergleich monatelang eine relativ geringe Zahl an Verstorbenen hatten, gleichen wir uns immer mehr dem NRW-Durchschnitt an“, sagt der städtische Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger dazu.

31 werden beatmet

144 Personen werden aktuell wegen Covid-19 in den Bielefelder Krankenhäusern behandelt, 40 davon werden intensivmedizinisch betreut und 31 auch beatmet. Gestern Nachmittag waren laut dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) nur 28,3 der Bielefelder Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Dennoch: Insgesamt sei die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken inzwischen „relativ hoch“, so Nürnberger.

Lage in Altenheimen

In den 33 Bielefelder Senioren- und Pflegeeinrichtungen mit 2800 Bewohnern sind 188 Bewohner und 80 Pflegekräfte in 17 Einrichtungen aktuell mit dem Coronavirus infiziert. Damit ist die Lage etwas angespannter als kurz nach Weihnachten, als in zwölf Pflegeheimen insgesamt 143 Bewohner und 50 Mitarbeiter betroffen waren.

30 Fälle im Sölle-Haus

Im Dorothee-Sölle-Haus etwa, einer Senioreneinrichtung des Evangelischen Johanneswerks, sind jetzt 30 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Informationen von Sprecherin Claudia Schröder habe keiner der betroffenen Bewohner Symptome. „Das Gesundheitsamt hat eine Quarantäne für die vier betroffenen Wohnbereiche angeordnet“, die Bewohner könnten somit derzeit nicht besucht werden. Die anderen vier Wohnbereiche blieben aber für Besucher offen.

Das Johanneswerk betreibt sechs Alten- und Pflegeeinrichtungen in Bielefeld mit insgesamt 530 Bewohnern. Davon sind Claudia Schröder zufolge aktuell 39 infiziert, ebenso sieben Mitarbeiter.

Hohe Impfbereitschaft

Das Impfgeschehen konzentriert sich derzeit auf die Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Weil es unter den 16 jüngst Verstorbenen erneut eine größere Anzahl von Menschen aus Pflegeeinrichtungen gebe, sei es „wichtig, mit den Impfungen dort gut voranzukommen“, sagt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger.

Ende dieser Woche werden wohl 80 Prozent der 700 Bewohner in den acht Bielefelder Senioreneinrichtungen der von Bodelschwinghschen Stiftungen zum ersten Mal geimpft worden sein, berichtet Wilfried Wesemann, Leiter des Stiftungsbereichs Altenhilfe von Bethel. Die Impfbereitschaft unter den rund 800 Mitarbeitern sei „erfreulich hoch“. Bislang seien 60 bis 65 Prozent von ihnen bereit gewesen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Weit mehr als die andernorts gemessene Impfbereitschaft von unter 50 Prozent. Dass von den Bewohnern oder deren Angehörigen eine Impfung abgelehnt werde, belaufe sich indes auf „wenige Einzelfälle“.

Aktuell seien bei Bethel 24 Bewohner und acht Mitarbeiter im Pflegezentrum am Lohmannshof von Corona betroffen. Die Situation entspanne sich, sagt Wesemann. Einige Wohnbereiche seien noch unter Quarantäne, die aber wohl in der kommenden Woche aufgehoben werden könne.

Schnelltests

Mindestens bis dahin sind in den Altenheimen für Besucher Schnelltests obligatorisch. Von 20 bis 40 Tests pro Tag und Einrichtung spricht Wilfried Wesemann. Zudem würden Bewohner einmal pro Woche, Mitarbeiter alle drei Tage getestet. Auch in fünf der sechs Einrichtungen des Johanneswerks haben erste Impftermine stattgefunden. „In der noch fehlenden Einrichtung wird die Impfung in den nächsten Tagen stattfinden“, sagt Claudia Schröder. Nach aktuellem Stand liege die Impfquote bei den Mitarbeitern der Johanneswerk-Einrichtungen zwischen 50 und 60 Prozent. Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern sei auch hier groß.

15-Kilometer-Regel

Bei einem Inzidenzwert ab 200 soll die Bewegungsfreiheit auf 15 Kilometer im Umkreis des Wohnortes beschränkt werden, lautete der Beschluss von Bund und Ländern. Wie diese Regel exakt ausgestaltet werden soll, ist noch nicht klar. Offen ist, ob die 15-Kilometer-Regel ab der Stadtgrenze gilt oder von der jeweiligen Wohnadresse. „Wir warten auf die Vorgaben des Landes“, sagt Stadt-Sprecherin Gisela Bockermann. Gegebenenfalls müsse die städtische Allgemeinverfügung daraufhin angepasst werden. Die Kontakt-Beschränkung auf einen Gast pro Hausstand ist dagegen eindeutig und soll ab kommendem Montag gelten.

Feste Kita-Gruppen

In den Kindertageseinrichtungen gibt es ab 11. Januar einen Notbetrieb. Es gibt nur noch feste Gruppen, und die Betreuungszeit wird um jeweils zehn Stunden gekürzt. Wer zum Beispiel 35 Stunden für sein Kind „gebucht“ hat, kann nur noch 25 Stunden in Anspruch nehmen. Es besteht aber der dringende Appell, sein Kind wenn möglich nicht in die Kita zu schicken. Alternativ stehen den Eltern jeweils zusätzlich zehn Kinderkrankentage zur Verfügung, die für die Betreuung genutzt werden können.

Distanz-Unterricht

Der Präsenz-Unterricht an Bielefelds Schulen bleibt jetzt bis zum 31. Januar ausgesetzt. Am Montag startet in allen Schulformen der Distanz-Unterricht. Praktisch heißt das: Der Unterricht läuft digital oder über Arbeitsblätter für zuhause. Die Schulen erhalten die Möglichkeit, sich innerhalb von zwei „Orga-Tagen“ auf die neue Situation vorzubereiten. Bis Ende Januar gibt es keine Klassenarbeiten, nur in der Oberstufe der Gymnasien und Gesamtschulen sowie an den Berufskollegs sind Klausuren möglich. Für Kinder in den Klassen 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung.

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