Bielefelder Fahrschulen stehen beim zweiten Corona-Shutdown erneut vor großen Problemen
„Strapaziös und schwierig“

Bielefeld -

Resul Karasu (53), Chef des 106 Mitglieder starken Bielefelder Fahrlehrerverbandes, weiß derzeit nicht, wie es in seiner Branche weiter geht. Der zweite Corona-Shutdown in diesem Jahr mit unbekanntem Ende legt den Fahrschulbetrieb wieder einmal fast komplett lahm und stellt Fahrlehrer wie Fahrschüler erneut vor große Probleme. Erlaubt ist der Fahrschulbetrieb laut Coronaschutzverordnung des Landes NRW nur noch für berufsbezogene Ausbildungen wie beispielsweise den Lkw-Führerschein.

Dienstag, 05.01.2021, 05:45 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 05:50 Uhr
Resul Karasu (53) ist der Chef des 106 Mitglieder starken Bielefelder Fahrlehrerverbandes Foto: Bernhard Pierel

„Strapaziös und schwierig“ sei die Lage, sagt Karasu, der selbst in Bielefeld eine Fahrschule leitet. In Theorie und Praxis gebe es wegen des voraussichtlich bis Ende Januar andauernden Shutdowns „keine normale Ausbildung“, dafür einen „Stau ohne Ende“.

Junge Menschen, die im Internet nach einer Fahrschule suchen, lesen beispielsweise auf der Homepage der Fahrschule Karasu derzeit folgendes: „Aufgrund der momentanen Corona-Verfügung bleiben unsere Fahrschulen geschlossen. Theoretischer und praktischer Unterricht sowie Fahrstunden und Prüfungen sind untersagt.“ Für diejenigen, die derzeit auf eine Fahrerlaubnis hinarbeiten, heißt das: „Die Ausbildung dauert ein bis zwei Monate länger“, sagt Karasu. Dann heißt es, auf einen Prüfungstermin zu warten.

Karasu sagt das, was in anderen Branchen auch verbreitet wird: „Fahrschulen sind keine Hotspots zur Übertragung des Coronavirus.“ Beim theoretischen Unterricht in der Fahrschule gilt der Mindestabstand von 1,50 Metern mit Eintrag in eine Anwesenheitsliste und Sitznummer für jeden Teilnehmer. Bei der Fahrpraxis im Auto gelten strenge Hygieneregeln. So haben unter anderem alle im Fahrzeug eine Maske zu tragen. Die Zahl der Insassen ist bei der Übungsfahrstunde auf zwei (Schüler und Lehrer), bei der praktischen Prüfung auf drei (Schüler, Lehrer und Prüfer) beschränkt.

Wenn dann irgendwann die Fahrschulen wieder öffnen dürfen, müssen sich Fahrlehrer und Fahrschüler auf entscheidende Änderungen einrichten, sagt Karasu. Bei der praktischen Fahrprüfung werde für alle Fahrerlaubnisklassen nicht nur der Aufgabenkatalog erweitert, sondern am Ende auch ein digitales Prüfprotokoll am Tablet ausgestellt. Zudem gebe es ein Abschlussgespräch zwischen Prüfer und Fahrschüler. Damit dauert die Prüfung nicht mehr 45, sondern künftig 55 Minuten.

Das neue Verfahren soll für mehr Objektivität in der Bewertung, eine bessere Rückmeldung an die Prüflinge und die jeweilige Fahrschule sowie für größere Verkehrssicherheit sorgen, zitiert eine große deutsche Autozeitschrift Prüforganisationen wie den TÜV oder die Dekra. „Wir sehen das ganz gelassen. Wir können das Autofahren nicht neu erfinden“, sagt dazu Karasu im Namen der Fahrlehrer.

Die zweite wichtige Neuerung ist die sogenannte Automatikregelung. Vom 1. April an können Fahrschüler die Ausbildung für die Klasse B (Autoführerschein) per Automatik-Fahrzeug absolvieren und trotzdem anschließend einen Schalter fahren. Dazu sind zehn Übungseinheiten über je 45 Minuten plus 15 Minuten Testfahrt in einem Fahrschulwagen mit Schaltgetriebe notwendig.

„Zu 90 Prozent steigen die Fahrschulen auf Automatik um“, glaubt Fahrlehrerverbands-Vorsitzender Karasu. Er hat wie viele seiner Berufskollegen auch schon die dafür notwendigen Autos mit E-Antrieb auf dem Hof stehen. Eigentlich viel zu früh, wie der 53-Jährige sagt. Denn ursprünglich sollte die Automatikregelung bereits 2020 eingeführt werden.

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