Der Unternehmer Richard Oetker wird diesen Montag 70 Jahre alt
„Ich war immer Optimist“

Bielefeld (WB) -

Die schlimmste Zeit seines Lebens liegt nun schon 44 Jahre zurück. Es war, als der 1,94 Meter große Mann zwei Tage in einer nur 1,44 Meter langen Holzkiste eingepfercht war, mit Stromschlägen malträtiert wurde, wobei seine Knochen brachen. Noch heute leidet der Unternehmer Richard Oetker unter Folgen der Misshandlung seines Entführers im Dezember 1976.

Montag, 04.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 06:51 Uhr
Richard Oetker wird am Montag 70 Jahre alt. Er war von 2010 bis 2017 Konzernchef. Foto: dapd

Und doch sagte er erst kürzlich in einem Interview: „Ich empfinde keinen Hass.“ An diesem Montag wird Richard Oetker 70 Jahre alt. 21 Millionen Mark hatte der Täter Dieter Zlof damals erpressen wollen. Er bekam das Geld, wurde zwei Jahre später aber gefasst und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Als Zlof nach seiner Freilassung das verbuddelte Geld verwenden wollte, wurde er abermals geschnappt. Fast die Hälfte der Geldscheine war allerdings verrottet.

Richard Oetker bleibt von den körperlichen Folgen der Entführung gekennzeichnet. Über seine Entführung hat Richard Oetker, der Urenkel des Unternehmensgründers Dr. Oetker, in den vergangenen Jahren immer wieder berichtet. „Ich habe nie resigniert“, sagte er etwa vor gut einem Jahr bei einem Vortrag in Bielefeld.

Seine 100 Zuhörer waren tief beeindruckt – auch von dem Engagement Richard Oetkers in der Opferschutzorganisation Weißer Ring, wo er seit 18 Jahren Mitglied des Bundesvorstandes ist und Vorstandsvorsitzender der Weißen-Ring-Stiftung. Für seinen Einsatz für Opfer von Verbrechen verlieh ihm das Komitee Courage Bad Iburg 2008 den Courage-Preis. 2011 zeichnete ihn die damalige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) für sein Engagement im Weißen Ring mit dem Verdienstorden des Landes NRW aus.

Erst kürzlich betonte Richard Oetker in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“, wie wichtig es sei, dass Menschen, die Opfer eines Gewaltverbrechens sind, Hilfe erfahren. Nicht alle Menschen hätten schließlich diese Unterstützung, die ihm seinerzeit zuteil wurde. Daher engagiere er sich im Weißen Ring – finanziell und in Form von Vorträgen – stets mit dem Ziel, den Bekanntheitsgrad der Institution weiter zu steigern.

Zudem hat Richard Oetker im Rahmen des ARD-TV-Events von Ferdinand von Schirach in der Dokumentation „Feinde – Recht oder Gerechtigkeit?“ als Interviewpartner mitgewirkt. Die Dokumentation wurde am Sonntagabend gesendet.

Richard Oetker wurde am 4. Januar 1951 in Bielefeld geboren – als eines von insgesamt acht Kindern aus drei Ehen des langjährigen Firmenpatriarchen Rudolf-August Oetker (1916-2007).

Richard Oetker studierte Brau- und Agrarwissenschaften an der Technischen Universität München und begann seine berufliche Laufbahn 1980 als Trainee bei der zur Oetker-Gruppe gehörenden Dibona Markenvertrieb KG in Ettlingen. Nach mehreren Stationen innerhalb der Gruppe wurde Richard Oetker 1993 Vorsitzender der Geschäftsführung der Oetker International Ost GmbH. Dort war er für den erfolgreichen Ausbau der osteuropäischen Märkte verantwortlich. Von 1996 bis 2009 hatte Richard Oetker in der Geschäftsführung der Dr. Oetker GmbH das Personalressort inne und verantwortete die Entwicklung weiterer Landesgesellschaften im Ausland.

2010 folge der Sprung ins große Rampenlicht als neuer Konzernchef und Nachfolger seines fast sieben Jahre älteren Bruders August Oetker. Doch um diese Nachfolge hatte es familienintern heftigen Streit gegeben. Die Oetker-Welt war keinesfalls so heile, wie sie nach außen scheinen sollte. So standen die fünf älteren Kinder aus den beiden ersten Ehen des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker (dazu gehört auch Richard Oetker) den drei jüngeren Kindern aus dessen dritter Ehe unversöhnlich gegenüber.

Dr. Albert Christmann (links) ist der Nachfolger Richard Oetkers

Dr. Albert Christmann (links) ist der Nachfolger Richard Oetkers Foto: Bernhard Pierel

Richard Oetker, dessen Fraktion sich durchsetzte, stand schließlich bis 2017 als persönlich haftender Gesellschafter an der Spitze des Familienunternehmens, zu dem damals nicht nur Backpulver, Pudding und Pizza gehörten, sondern auch Hotels, die Lampe-Bank und die Reederei Hamburg Süd. Die Reederei galt als Verlustbringer und wurde 2017 an den dänischen Marktführer Maersk verkauft.

Zu Richard Oetkers unternehmerischen Meilensteinen zählen insbesondere die wachsende Internationalisierung des Nahrungsmittelunternehmens. So wurde etwa 2014 in Toronto in Kanada ein neues Pizza-Werk eröffnet. 2015 folgte der Kauf der Conditorei Coppenrath & Wiese.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt“ – diesem Credo ist Richard Oetker immer treu geblieben. So hat er nie lange gezögert und half dort, wo Menschen in Not sind. So veranlasste er weltweit finanzielle Soforthilfe für die SOS-Kinderdörfer, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Werte wie Kontinuität, Qualität, Sicherheit und das menschliche Miteinander seien ihm schon immer wichtig gewesen und charakterisieren sein Handeln. Richard Oetker betont: „Ich bin immer Optimist gewesen.“ Daran hätten auch die prägenden Erlebnisse nichts verändert.

Richard Oetker ist heute Vorsitzender des Beirats der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG, der Conditorei Coppenrath & Wiese, der Radeberger Gruppe, der Martin-Braun-Gruppe sowie von Henkell Freixenet. Von 2010 bis 2017 stand er als persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG und als Vorsitzender der Geschäftsführung der Dr. Oetker GmbH an der Firmenspitze des Bielefelder Familienunternehmens. Der Konzern zählt 13.300 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Umsatz von 2,95 Milliarden Euro.

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