Ein Teil des Bielefelder Wohnzimmers wird extra umgebaut für das Kunstwerk
Die Riesenkrippe der Familie Schlifter

Bielefeld -

Was ist wichtiger – der Weihnachtsbaum oder die Krippe? „Krippe“ antwortet Helene ohne zu zögern. Für die Zehnjährige ist das keine Frage, denn ihre ganze Familie ist ein wenig „Krippen-verrückt“.

Montag, 04.01.2021, 05:18 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 10:06 Uhr
Jan Maik Schlifter und seine Mutter Maria Dolores Lopez positionieren die letzten Figuren in der christlichen Szenerie. Foto: Kerstin Panhorst

Ihr Vater Jan Maik Schlifter hat sogar das halbe Wohnzimmer umgeräumt, um genügend Platz für alle im Laufe der Jahre gesammelten Figuren zu schaffen. Denn die von Kunsthandwerkern aus Murcia stammenden Figuren schenkt ihm regelmäßig seine Mutter Maria Dolores Lopez.

Die gebürtige Spanierin hat aus ihrer Heimat die Tradition des Krippenaufbaus mitgebracht und war dort sogar in einem Krippenbauverein Mitglied. „In Spanien hat jeder eine Krippe, je nach Größe seines Hauses. Manche haben nur die heilige Familie im Stall, andere bauen riesige Figuren auf“, berichtet die 69-Jährige. Die Tradition hat sie bereits von ihrer Mutter übernommen und auch an ihren Sohn Jan Maik Schlifter weiter gegeben.

Der Bielefelder Unternehmer und FDP-Politiker wird jedes Jahr zum Landschaftsarchitekten einer Miniaturszenerie. „Meist fangen wir im November an und sammeln Moos, Steine und Holzstücke. Mit einer speziellen Unterlage aus Spanien kann man die Landschaft modellieren“, erzählt der 45-Jährige.

Mit Hilfe von Kaminholz, aus Styropor gefertigten Mauern oder Kork-Bergen lässt er nicht nur Bethlehem, sondern auch weitere Dörfer in der Umgebung entstehen. In die werden dann Häuser und inzwischen 41 Figuren eingesetzt.

Viele Details haben seine Kinder selbst gemeinsam mit ihrer Großmutter angefertigt, darunter Körbe aus alten Kaffeekapseln, Äpfel und Brote für den Markt aus Knetmasse. Mehr als 50 Stunden Arbeit steckt die Familie in den Aufbau. „Das ist schwer, denn wenn man die Landschaft aufbaut, muss man schon einen Plan haben, wo was hin kommt“, erzählt Tochter Lola.

Sie, ihre Schwester Helene und Bruder Jan sind auch selbst in der Krippe vertreten: in Form von drei Kindern mit ihren Kaninchen. „Aber meine Lieblingsfigur ist die Maria, weil ich selbst mal Maria gespielt habe bei uns in der Gemeinde in einem Krippenspiel“, verrät Lola. Auf die heilige Familie muss sie allerdings lange warten.

Während die anderen Figuren mit einer ganz besonderen Ausnahme schon zu Beginn der Adventszeit in die Modelllandschaft einziehen, kommt die heilige Familie erst Heiligabend in den Stall. Dann platziert Jan Maik Schlifter auch die zwar biblisch nicht überlieferte, dafür bei den Kindern aber sehr beliebte Figur des „Kaka“.

Das „Kaka“, von einigen auch „Scheißerchen“ genannte Männchen, ist der so genannte Caganer. Die eigenwillige Krippenfigur aus dem katalanischen Kulturkreis stellt eine Person mit heruntergelassenen Hosen dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert.

Der Ursprung dieser Tradition wird im 17. Jahrhundert vermutet, woher sie kommt, ist allerdings unbekannt. Doch selbst die spanische Katholische Kirche akzeptiert die Anwesenheit des Caganer bei der Geburt Jesu als Glücksbringer.

„Der Kaka ist ein Gag. In Spanien ist es Heiligabend sehr lustig, wir singen fröhliche Weihnachtslieder, es ist alles nicht so besinnlich wie in Deutschland“, sagt Maria Dolores Lopez. Und im Hause Schlifter ist die Suche nach dem Caganer von großer Bedeutung. Jan Maik Schlifter: „Ich versteckte ihn Heiligabend in der Landschaft, dann müssen die Kinder ihn suchen. Erst, wenn er gefunden wurde, dürfen die Geschenke ausgepackt werden.“

Die Riesenkrippe der Familie Schlifter

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  • Jan Maik Schlifter vor der besonderen Krippe. Mit viel Liebe zum Detail wird sie jedes Jahr wieder in einer neuen Variante aufgestellt.

    Jan Maik Schlifter vor der besonderen Krippe. Mit viel Liebe zum Detail wird sie jedes Jahr wieder in einer neuen Variante aufgestellt.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Die Riesenkrippe Familie Schlifter.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Jan Maik Schlifter und seine Mutter Maria Dolores Lopez vor der imposanten Krippe.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Die heilige Familie im Stall wird erst am Heiligen Abend in die Landschaft eingefügt.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Eine ganze Ecke des Wohnzimmers ist bei Familie Schlifter für die zwei große Tische umfassende Krippe reserviert.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Erst wenn die „Kaka“ genannte Figur gefunden wurde, dürfen die Geschenke an Weihnachten ausgepackt werden.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Viele Figuren der Krippe stammen aus Spanien.

    Foto: Kerstin Panhorst
  • Jan Maik Schlifter und seine Mutter Maria Dolores Lopez positionieren die letzten Figuren in der christlichen Szenerie.

    Foto: Kerstin Panhorst
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