Bielefelder Bestattungsunternehmer behandeln Corona-Tote nur unter Vollschutz – Infektionsrisiko ist nicht wirklich geklärt
Die schwere Arbeit mit dem Tod

Bielefeld -

Als Bestatter hat man täglich mit dem Tod zu tun. Zu den Hauptaufgaben gehört es, den Angehörigen eines Verstorbenen den Abschied so trostreich wie möglich zu gestalten. Doch vor allem aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen gestaltet sich das als schwierig. Nur die engsten Angehörigen dürfen den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten – unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen.

Montag, 04.01.2021, 06:30 Uhr
Desinfektionsmittel und Schutzkleidung gehören in Pandemie-Zeiten für Bestatter Sascha Quisbrock zur Standardausstattung. Foto: Thomas F. Starke

„Wir betreuen die Angehörigen so gut es geht im persönlichen Gespräch. Achten dabei natürlich auf die Standards wie den Mundschutz und die Abstandsregelungen. Außerdem veranstalten wir Trauerfeiern im Live-Stream. Trotzdem fehlt die Nähe zum Verstorbenen“, erklärt Andreas Niehaus, Inhaber der Bestattungshäuser „Niehaus“, „Deppe“ und „Im Stift“.

Dennoch sind Bestatter froh darüber, dass Beerdigungen unter bestimmten Bedingungen normal stattfinden können, auch wenn der Beruf des Bestatters nicht als systemrelevant angesehen wird. „Das ärgert einen, weil man nicht wahrgenommen wird“, sagt Sascha Quisbrock, Betreiber des Überführungsunternehmens Quisbrock.

Auch für Niehaus ist diese Tatsache nicht nachvollziehbar: „Ich kann mir nicht erklären, warum das Bundesministerium den Beruf nicht als systemrelevant anerkennt. Auch für die frühzeitigen Impfungen werden wir nicht berücksichtigt.“ Zudem bekämen sie keine Bevorzugungen bei der Beschaffung von Hygienemitteln. War es zu Beginn der Pandemie noch das Desinfektionsmittel, das knapp wurde, seien es nun die Einmalhandschuhe, die aufgrund der Knappheit im Preis steigen würden.

„Wir holen die Verstorbenen nur unter Vollschutz ab und haben vorsorglich die Schutzausrüstung immer dabei, falls uns erst spontan von der Erkrankung des Toten berichtet wird“, erzählt Quisbrock. Diese Schutzmaßnahme werde jedoch nur bei den tatsächlich positiv auf das Coronavirus getesteten Verstorbenen angewendet: „Ansonsten wären wir den ganzen Tag weiß gekleidet.“

Das ständige Wechseln der Schutzkleidung, das Fieber messen und das Eintragen in Listen nehme im Schnitt zehn bis 15 Minuten in Anspruch, weshalb sich die Abholungen verzögerten: „Damit wir nicht länger als nötig der Gefahr ausgesetzt sind, bereiten viele Krankenhäuser und Seniorenheime die Verstorbenen bereits für uns vor, sodass sie bereits im Body-Bag liegen und wir sie nur noch abholen müssen. Trotzdem müssen wir auch da die komplette Schutzausrüstung anziehen“, so der Geschäftsführer.

Darüber, ob nach dem Tod noch ein Infektionsrisiko von dem Verstorbenen ausgeht, ist man sich unter den Experten noch nicht einig: „Da streiten sich die Geister. Wir behandeln den Verstorbenen, als wäre er hochinfektiös. Vorsicht ist besser als Nachsicht“, versichert Quisbrock, der überwiegend für Überführungen im Auftrag der Kriminalpolizei verantwortlich ist.

Andreas Niehaus, 2. Vorsitzender im Bestatterverband, ist sich sicher, dass alle froh sind, wenn die Pandemie endlich vorbei ist, denn: „Beerdigungen kann man nicht verschieben oder wiederholen.“

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