Das Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld präsentiert ab Mitte Februar die Werke des Malers Hans Purrmann
Ein Leben in Farbe – Kolorist der Moderne

Bielefeld -

Der Maler Hans Purrmann (1880–1966) zählt mit seinen farbkräftigen Werken zu den bedeutenden Koloristen in der europäischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Im Laufe eines etappenreichen Lebens zwischen seiner pfälzischen Heimat, München, Berlin, Paris, Rom und der Schweiz entwickelte er sich zu einem Maler von herausragendem Format mit weitreichenden Verbindungen. Seine Teilnahme an der legendären Sonderbund-Ausstellung 1912 in Köln bis hin zur »documenta I« 1955 in Kassel markiert den weitgespannten Bogen der Wirkung Purrmanns, der ein umfangreiches Lebenswerk von rund 3.000 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und zahlreichen Grafiken hinterlassen hat.

Montag, 04.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 06:03 Uhr
Barockbrunnen und Parkbank im Hof der Villa Le Lagore, 1965. Öl auf Leinwand Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Mit 112 Gemälden dokumentiert das Kunstforum Hermann Stenner vom 14. Februar an das lange Schaffen des Künstlers, der trotz des großen Einflusses seines Lehrers und langjährigen Freundes Henri Matisse einen unverkennbar eigenen künstlerischen Ausdruck gefunden hat.

Dass der Pfälzer Purrmann, 1880 in Speyer geboren und hochbetagt 1966 in Basel verstorben, zu einem weltläufigen Europäer werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt worden.

Ebenso wenig war vorauszusehen, dass der zeit seines Lebens gegenständlich arbeitende, den klassischen Bildgattungen Akt, Landschaft, Porträt, Stillleben mit geradezu serieller Beharrlichkeit verpflichtete Künstler eine Wiederentdeckung als »Kolorist der Moderne« erleben würde, die durch seine langjährige Rezeption als Matisse-Schüler befeuert wird.

Purrmann begann sein Studium an der Münchner Akademie bei Franz von Stuck. Nach einem Wechsel nach Berlin, wo er den Impressionismus Liebermannscher Prägung studierte, ging er 1905 nach Paris. Es war genau die Zeit, in der sich in Dresden die Künstlergruppe »Die Brücke« gründete und mit ihrem Expressionismus die deutsche Kunst in die Moderne führte.

Der Fauvismus Frankreichs, vor allem das Werk von Henri Matisse, begleitet den Maler sein Leben lang und wird in architektonisch strukturierten Bildaufbauten, der Verwendung ornamental-abstrakter Flächen sowie auch im Umgang mit leuchtenden, häufig ungemischten Farbensichtbar.

Nach neun Jahren in Paris muss der in Deutschland als »Französling« geschmähte Künstler zu Beginn des Ersten Weltkriegs seine dortige Wohnung aufgeben. Mit seiner Frau, der Malerin Mathilde Vollmoeller, geht er nach Berlin, wo er einen neuen Lebensmittelpunkt findet und sich bald zu einer wichtigen Stimme im Zentrum der Kunstszene entwickelt: 1919 wird Purrmann auf Vorschlag der Malerkollegen Max Liebermann und Max Slevogt in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen, zahlreiche seiner Werke gelangen in Museen und Privatsammlungen.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten macht jedoch Purrmanns gesellschaftliche, politische und auch finanzielle Situation prekär: Zum Refugium wird dem als »entartet« geschmähten Maler die dem deutschen Künstlerbund gehörende Villa Romana in Florenz, die er acht Jahre lang ehrenamtlich leitet.

Zurückgezogen lebt er dort mit seiner Familie und kann einigen von den Nationalsozialisten verfolgten Künstlerfreunden einen sicheren Zufluchtsort bieten. Seine latente Bedrohung kulminiert in der Verhaftung des politisch als suspekt eingeschätzten Malers durch die italienische Polizei am Vorabend des Hitler-Besuchs im faschistischen Bruderstaat.

Der Tod seiner Frau sowie der bedrohlicher werdende Kriegsschauplatz Italien veranlassen Purrmann zur Flucht in die Schweiz, wo er in den ihm noch verbleibenden zwei Jahrzehnten ein veritables Alterswerk schafft.

Ausstellung Hans Purrmann: Ein Leben in Farbe

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  • Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Barockbrunnen und Parkbank im Hof der Villa Le Lagore, 1965

    Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Barockbrunnen und Parkbank im Hof der Villa Le Lagore, 1965

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Ausstellung Stenner Museum Anemonen und Farn in Barockvase, 1954

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Ausstellung Stenner Museum Bielefeld Atlerierecke mit offenem Fenster, 1924

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Pinien auf Ischia, 1957

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Selbstbildnis, 1961

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Stehender Atelierakt, 1907

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Ausstellung Stenner Museum Korb mit Zitronen, Weinblättern und Erdbeeren, 1936

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Stenner Museum Ausstellung Das Hessezimmer in der Casa Camuzzi, 1950

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Hans Purrmann Ausstellung Stenner Museum Liegender Akt, 1940

    Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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