Bielefelder Tanzschule Kalkbrenner hat sich neu aufgestellt und kommt deshalb mit blauem Auge durch die Krise
„Lockdown wäre unser Aus gewesen“

Brackwede -

Flexibel zu sein und vorausschauend zu planen, ist immer gut. Das bekamen die Kalkbrenners im Corona-Jahr 2020 deutlich zu spüren: Wegen der allgemein sinkenden Nachfrage nach Tanzkursen hatte Tanzlehrerin Gabriele Kalkbrenner (62) schon länger beschlossen, ihre Immobilie am Stadtring 99 zu verkaufen. Die verkleinerte Tanzschule sollte dort künftig nur noch Mieter sein, ihr Sohn und Mitarbeiter Christopher die Leitung übernehmen. So geschah es – noch vor der Corona-Krise.

Sonntag, 03.01.2021, 08:00 Uhr
Eine sportliche Familie: Christopher Kalkbrenner (36) mit Mutter Gabriele (62), Ehefrau Larissa (32) und Tochter Luciana (10). Foto: Markus Poch

„Hätten wir das Haus nicht so rechtzeitig verkauft, wäre schon der erste Lockdown unser Aus gewesen“, sagt Christopher Kalkbrenner heute. Seit April 2019 ist der 36-Jährige der Geschäftsführer des Unternehmens, das seine Eltern Gabriele und Norbert (†) 1978 als „Tanzschule Am Stadtring“ gegründet und über Jahrzehnte erfolgreich betrieben haben.

Mit dem Ausbleiben des Tanznachwuchses gab es jedoch Handlungsbedarf: Die Tanzschule beziehungsweise die Familie musste sich inhaltlich neu aufstellen, um ihre Marktposition behaupten zu können. Deshalb war eine Umfirmierung unumgänglich: Aus der „Tanzschule Am Stadtring“ wurde die Firma TSF Kalkbrenner. Die drei Großbuchstaben stehen für die drei Sparten Tanzen, Selbstverteidigung und Fitness.

Chefin der Tanzabteilung ist und bleibt Gabriele Kalkbrenner. Seit 42 Jahren unterrichtet sie fortgeschrittene Tänzer in allen Tänzen zwischen Standard und Latein. Sie sieht das Tanzen vor allem als Sport und „eine ganz neue Ebene für Paare, sich körperlich kennen zu lernen“.

Die beiden zusätzlichen Schulungsinhalte sind die Steckenpferde der nächsten Generation: So ist Christopher Kalkbrenner nicht nur Tanz- und Gymnastiklehrer, sondern auch bundespolizeilich ausgebildeter Trainer in Selbstverteidigung. Kindern schon ab vier Jahren und Erwachsenen bietet er Kurse in so genannter „Defense Art“ an.

„Es geht bei uns nicht darum, Kinder zu Schlägern auszubilden, sondern ihre Schutzreflexe zu fördern“, betont er. „Sie sollen lernen, Gefahrensituationen wahrzunehmen, richtig zu reagieren und zu wissen, welche Schutzpositionen einzunehmen sind.“ Auf spielerische und zugleich sportlich faire Weise würden dabei Koordination, Balance, Konzentration, Erinnerungsvermögen, Teamgeist und Körperbeherrschung geschult.

„Ans tatsächliche Hauen geht es erst bei den Älteren“, erklärt Kalkbrenner. „Kopfnüsse, Beißen, Reißen, an den Haaren ziehen – in der Not und zur Selbstverteidigung, vor allem bei mehreren Gegnern, ist alles erlaubt.“ Die meisten Leute meldeten sich erst dann bei ihm, wenn sie in einer bedrohlichen Situation schon einmal Pech gehabt hätten. Dieses Phänomen kommentiert er lapidar: “Die Glocke muss erst einmal läuten, damit man wach wird.“

Seine Frau Larissa ist die dritte und letzte Festangestellte aus dem Familienkreise. Die 32-Jährige Gymnastiklehrerin hat sich auf den Bereich Fitness spezialisiert und leitet die Kurse „Fit dank Baby“: „Junge Mütter und ihr Kind machen bei mir gemeinsam ein Mama-Training“, verspricht sie. Als Mutter der zehnjährigen Luciana und des dreijährigen Lijan kennt sie den Bedarf ihrer Zielgruppe genau.

Weitere acht Tanzlehrer und Ausbilder unterstützen die drei Kalkbrenners je nach Bedarf im Tagesgeschäft. Wegen Corona liegt allerdings derzeit das gesamte Kursprogramm auf Eis. Die staatlichen Hilfe haben sie fast zu 100 Prozent an ihre Kunden weitergereicht. „Denn wenn ich keine Leistung bringe, dann kann ich auch kein Geld nehmen“, sagte Gabriele Kalkbrenner besorgt. Ein respektabler Teil ihrer Sparrücklagen sei bereits aufgebraucht worden.

Um in schwierigen Zeiten noch breiter aufgestellt zu sein, haben Christopher Kalkbrenner und seine Frau Larissa sich parallel zu Edelmetallhändlern weiterbilden lassen. Seit Juli 2019 bieten sie anonyme Tafelgeschäfte mit Gold, Silber und Platin an sowie Echtheitsprüfungen. Ihr Motto lautet: „Jede Krise ist auch eine Chance, und wir kriegen gerade Routine darin, Probleme zu lösen.“

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