Tourismusbranche und Gastronomie in Ostwestfalen dramatisch eingebrochen
Tagtäglicher Überlebenskampf

Bielefeld (WB) -

Pessimistisch schauen die ostwestfälischen Unternehmen der Tourismusbranche in die nähere Zukunft. Frühestens im zweiten Halbjahr rechnen sie mit einer Erholung der wirtschaftlichen Lage.

Donnerstag, 10.12.2020, 02:52 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 03:01 Uhr
Geschlossene Hotels, Reisebüros ohne Aufträge – das Corona-Jahr 2020 hat auch den Tourismus in der Region stark getroffen. Viele Arbeitsplätze stehen nun auf dem Spiel. Die Branche hofft auf ein besseres 2021.

Wie sehr Gastronomie, Beherbergungsbetriebe, Reisebüros und Reiseveranstalter unter der Corona-Pandemie leiden, zeigt die von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) vorgestellte Konjunkturumfrage, an der sich 126 Unternehmen der Branche beteiligten. Zwei Drittel der Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe bewerten ihre jetzigen Situation im Vergleich zum Vorjahr als „schlecht“, bei den Reisebüros und -veranstaltern sind es sogar 92 Prozent.

Nur 9,4 Prozent der Beherbergungsbetriebe nennen ihre Lage „gut“ – das sind laut IHK vor allem Campingplätze, die von den Reiseeinschränkungen profitierten.

„Die wirtschaftliche Lage im Gastgewerbe hat sich deutlich verschlechtert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Vor einem Jahr gaben noch sämtliche Unternehmen an, dass ihre Situation mindestens befriedigend, wenn nicht sogar gut sei. Auch im Reisegewerbe war die Stimmung damals besser, nur 13,4 Prozent wertete sie als schlecht – damals unter anderem aufgrund der Krise beim Reisekonzern Thomas Cook, so die stellvertretende IHK-Geschäftsführerin Claudia Auinger.

Rund die Hälfte der Hoteliers und Gastronomen rechnet für 2020 mit einem Umsatzrückgang von mindestens 50 Prozent, im Reisegewerbe sind es fast 84 Prozent, die einen solchen Rückgang erwarten.

Der coronabedingte Einbruch drückt denn auch auf die Stimmung der Unternehmen, was die IHK im Konjunkturklimaindex ausdrückt, der die momentane wirtschaftliche Lage mit den Erwartungen in Relation setzt. Beim Gastgewerbe lag der Index vor einem Jahr bei 121,8, sank im Frühjahr zum Beginn der Krise auf 14,4 und lag jetzt bei 44,5 – zum Zeitpunkt der Umfrage im Oktober und November und damit vor Bekanntwerden schärferer Corona-Maßnahmen. „Ich mag nicht darüber spekulieren, wie das Ergebnis jetzt wäre“, sagt Pigerl-Radtke.

Beim Reisegewerbe war der Index von 104 vor einem Jahr auf 0 im Frühjahr abgestürzt, lag jetzt wieder bei 23,1. „Diese Zahlen machen keinen Spaß“, meint Burkhard Schmidt-Schönefeldt, Geschäftsführer von RUF-Jugendreisen und stellvertretender Vorsitzender des IHK-Tourismusauschusses.

Die Umfrage machte auch klar: Viele Unternehmen verzeichnen Liquiditätsengpässe, müssen auf Rücklagen zurückgreifen und Kredite aufnehmen, um zu überleben. „Die Branche kämpft tagtäglich ums Überleben“, stellt die IHK in einem Fazit fest.

Viele Firmen bauen Jobs ab

Die trüben Aussichten für die Tourismus-Branche dürften sich auch auf die Beschäftigtenzahlen auswirken. Im Bereich Gastronomie und Beherbergung gehen rund 41 Prozent der Betriebe davon aus, dass sie Stellen abbauen werden, gleichzeitig wollen aber rund 57 Prozent auf diese Maßnahme verzichten – zumindest das sei „eine gute Botschaft“, sagt IHK-Chefin Petra Pigerl-Radtke. Bei den Reisebüros und -veranstaltern gehen sogar 61,2 Prozent der Befragten von einem Stellenabbau aus. Burkhard Schmidt-Schönefeldt vom IHK-Tourismusausschuss hofft, dass das Kurzarbeitergeld diesen Umfang doch noch verringert.

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