Unternehmer aus Ahlen bringt drei VW Caddys nach Wolfsburg
Dieselskandal: „Hier habt ihr eure Autos zurück!“

Bielefeld/Ahlen (WB) -

Seit Dienstag hat der VW-Konzern drei Gebrauchtwagen mehr im Bestand. Es sind schwarze VW Caddys mit Warendorfer Kennzeichen und bis zu 235.000 Kilometern auf dem Tacho. Wahrscheinlich unverkäuflich, denn unter der Haube stecken Motoren vom Typ EA189 – die Auslöser des Dieselskandals

Mittwoch, 09.12.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 07:28 Uhr
Mitarbeiter der Firma Sanitrans hatten die alten VW Caddys der Baujahre 2013 und 2014 nach Wolfsburg gefahren Foto: Tobias Nehls

Es war gegen 11 Uhr, als die kleine Kolonne an der VW-Zentrale in Wolfsburg eintraf. Rechtsanwalt Tolgay Eyrice aus der Bielefelder Kanzlei Gunkel, Kunzenbacher & Partner begleitete den Konvoi. „Im Januar hatte das Landgericht Münster VW verurteilt, diese drei Caddys meines Mandaten zurückzunehmen und ihm 35.000 Euro zu zahlen. Weil das bis heute nicht geschehen ist, hat mein Mandant die Initiative ergriffen.“

Der Mandant – das ist Adrian Blaschke, der in Ahlen (Kreis Warendorf) den Krankenfahrdienst Sanitrans betreibt. „Wir haben unsere Autos immer bei VW gekauft“, sagt er. Und das wäre trotz des Dieselskandals wahrscheinlich auch so geblieben, sagt der 41-Jährige, wenn VW sich anfangs anders verhalten hätte. „Ich habe das Unternehmen vor zwei Jahren angeschrieben und wollte mich einigen. Aber die haben jede Schuld von sich gewiesen.“

Blaschke klagte vor dem Landgericht Münster wegen zahlreicher Fahrzeuge. Im Fall der drei Caddys verurteilte das Gericht VW, die Wagen zurückzunehmen und unter Berücksichtigung der Fahrleistung insgesamt 35.000 Euro zu zahlen. Gegen das Urteil gingen beide Parteien in Berufung – der Ahlener, weil er mehr Geld haben möchte. Denn das Landgericht war von einer Motor-Lebensdauer von 300.000 Kilometern ausgegangen, Blaschke hält aber für seine Firmenfahrzeuge 400.000 Kilometer für realistisch.

Noch hat das Oberlandesgericht den Fall nicht entschieden, doch der Unternehmer wollte die drei Wagen nicht länger auf seinem Hof stehen haben. Es kam zu Vergleichsverhandlungen mit VW, die aber im Sande verliefen. Der Ahlener: „Das letzte Angebot sah so aus, dass ich die Wagen behalten und 15.000 Euro bekommen sollte. Darüber habe ich aber gar nicht erst nachgedacht, denn ich hätte mich zum Schweigen verpflichten müssen. Jedes Mal, wenn ich über den Fall gesprochen hätte, hätte mich das 5000 Euro kosten sollen.“

Ein Verhandlungstermin beim OLG Hamm ist noch immer nicht in Sicht, und die abgemeldeten VWs standen auf dem kleinen Betriebshof in Ahlen im Weg. Was also tun, um die Wagen loszuwerden?

Rechtsanwalt Tolgay Eyrice: „Das Urteil ist gegen die Hinterlegung einer Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar. Deshalb hat mein Mandant beim Amtsgericht Wolfsburg eine Bankbürgschaft hinterlegt, die an VW geht, sollte das Unternehmen in der nächste Instanz gewinnen.“

Adrian Blaschke brachte die abgemeldeten Wagen durch den TÜV und besorgte sich Kurzkennzeichen. Dann machten sich er und drei Mitarbeiter mit den VWs auf nach Wolfsburg. Dort wurden sie vor der Zentrale empfangen und zu einem abgelegenen VW-Servicecenter dirigiert, wo die Caddys blieben. Rechtsanwalt Eyrice: „Wir haben dem Konzern jetzt eine Frist bis zum 14. Januar gesetzt. Wenn er nicht zahlt, pfänden wir die Konten.“

Soweit wird es wohl nicht kommen. VW-Sprecher Christopher Hauss: „Wir haben das Verfahren an keiner Stelle verzögert. Dass jemand ein erstinstanzliches Urteil vorläufig vollstrecken will, ist äußerst selten. Die Bürgschaft wurde ja auch erst am Montag hinterlegt.“

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