Mona Selje baut die Spielfiguren für die Dagmar-Selje-Puppenspiele in Bielefeld
Jede Puppe ist ein Unikat

Bielefeld -

Ein Puppentheater braucht Spielfiguren. Die gibt es nicht von der Stange, sondern sie werden für jede neue Theaterproduktion maßgeschneidert angefertigt. Ob Pippi Langstrumpf, Kaspar, die Olchis, das Traumfresserchen oder der Ritter Rost – welche Figur auch immer in den vergangenen Jahren das Bühnengeschehen der Dagmar-Selje-Puppenspiele bestimmte, stammt aus der Werkstatt von Mona Selje.

Mittwoch, 09.12.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 16:10 Uhr
Puppenbau ist Handarbeit. Hier näht Mona Selje dem Rohling ein Kostüm auf den Leib. Foto: Bernhard Pierel

Die Tochter der Puppenspielerin Dagmar Selje ist von Beruf Bühnenmalerin und Raumausstatterin. Ein zweites Standbein, bei dem sie ihre künstlerische Kreativität und ihr handwerkliches Können zusammenführen kann, hat sie im Puppenbau gefunden. Diese Passion ist ihr gewissermaßen in die Wiege gelegt worden.

„Ich verbrachte als Kind viel Zeit im Puppentheater meiner Mutter und saß bei ihren Vorstellungen hinter den Kulissen. In unserer kleinen Werkstatt hantierte ich mit Schaumstoff, Styropor, Wolle, Stoff, Holz und Farbe und bastelte kleine Puppen und Tiere“, erzählt die 30-Jährige, die mit der Zeit immer besser in diesem Metier wurde und ihr Können durch Fortbildungen bei professionellen Puppenbauern wie Peter Röders und Doris Gschwandtner vervollständigte.

Peter Röders ist der Erbauer des Raben Rudi in der ZDF-Kinderserie „Siebenstein“. Und Doris Gschwandtner baut technisch ausgereifte Puppen für internationale Figurentheater. Eine Weile bezog auch Dagmar Selje ihre Spielpuppen bei der in Berlin lebenden Gschwandtner. „Irgendwann hatte ich keine Zeit und Muße mehr, meine eigenen Puppen zu bauen. So habe ich jahrelang meine Figurensätze von Doris Gschwandtner bezogen. Da sind wahre Werte zusammen gekommen“, berichtet die Puppenspielerin.

Schließlich übernahm Tochter Mona den Job. Für ein bis zwei neue Produktionen pro Jahr entwirft, gestaltet und baut sie die Figurensätze. Von der Ideenfindung bis zur Fertigstellung benötigt sie etwa 40 Stunden pro Puppe.

„Das hängt zum einen davon ab, ob es sich um eine Hand-, Tisch- oder Stabfigur handelt. Zum anderen kommt es darauf an, was die Puppe alles können muss. Soll sie fliegen oder Feuer speien können? Soll sie den Mund, den Kopf und die Hände bewegen können? Es ist viel Experimentierarbeit nötig, bis ich in Absprache mit meiner Mutter einen Rohling gebaut habe“, erzählt Mona Selje.

Erst wenn die Puppenspielerin mit dem Dummy zufrieden ist, erfolgt die Ausgestaltung. Da müssen Köpfe bemalt und Kostüme genäht werden. „Das meiste erfolgt in Handarbeit und ist eine echte Frickelei“, erklärt die Puppenbauerin. Im Anschluss wird das Ergebnis auf seine Fernwirkung hin untersucht. „Eine Puppe muss auch noch in der letzten Reihe ihre Wirkung entfalten“, weiß die Puppenbauerin.

Haltbarkeit ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium, denn die Puppen müssen zahlreiche Vorstellungen überstehen. „Wenn sie die Probenzeit überstanden haben, dann halten sie auch alles andere aus“, weiß Dagmar Selje aus Erfahrung.

Manchmal findet ein Figurensatz nach Jahren wieder den Weg zurück vom Lager auf die Bühne. „Wir hatten zum Beispiel einen Satz mit Tierfiguren, die noch aus der Zeit meines Vaters stammen. Die sind in dem Stück ‘Zoohause ist es am Schönsten‘ wieder zum Einsatz gekommen. Sie waren unglaublich gut erhalten“, erzählt Dagmar Selje.

Die 58-Jährige ist Puppenspielerin in zweiter Generation. Ihr Vater Hellmut Selje, ein ebenfalls gelernter Raumausstatter, gründete seine Puppenbühne in den 1960er Jahren. Die erste feste Spielstätte befand sich im Bunker Ulmerwall. Hellmut Selje war als Puppenspieler eine Institution in Bielefeld, der Generationen von Kindern mit seinem Spiel beglückte.

„Puppen selbst gebaut hat er allerdings nie“, weiß Dagmar Selje. Dennoch sind die alten Figuren des Vaters immer noch im Fundus der Dagmar Selje Puppenspiel vorhanden. So zum Beispiel die Figur des Dr. Faustus, die auch heute noch eine imponierende Ausstrahlung entfaltet – auch wenn man ihr ansieht, dass sie einer älteren Generation von Spielfiguren entstammt.

Im Laufe der Jahrzehnte ist eine neue Bühnenästhetik entstanden. Die Anforderungen an die Puppen haben sich ebenfalls verändert. Für die moderne Generation von Spielfiguren steht Mona Selje. Ihr „Gesellenstück“ – Puppenbauer ist kein Lehrberuf – ist der Puck aus Shakespeares Sommernachtstraum. „Den habe ich nur so für mich gemacht. Um den Kopf in alle Richtungen bewegen zu können, verfügt der Puck über eine ausgeklügelte Technik mit Kugellager und Gummiband“, sagt die 30-Jährige. „Dieses Tüfteln und Neues kreieren gefällt mir am Puppenbau besonders gut“, sagt Mona Selje.

Mutter Dagmar Selje freut‘s. „Wir sind ein gutes Team und ich bin froh, dass Mona neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Raumausstatterin für mich die Puppen baut.“

Hin und wieder kommt ein Fremdauftrag hinzu. So baute Mona Selje zum Beispiel die Gütersloher Kulturmaskottchen Kulturi und Kulturella als Handpuppen nach. Sie werden bei Museumsführungen mit Kindern als Erklärpuppen eingesetzt. Genau wie beim Puppentheater genießen Kulturi und Kulturella sofort die Aufmerksamkeit der kleinen Museumsbesucher.

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