Polizei Bielefeld meldet 39 Festnahmen und Beschlagnahme von dreistelligem Millionenvermögen in der Türkei
Schlag gegen Telefonbetrüger-Mafia

Bielefeld -

39 Verdächtige festgenommen, Sicherstellungen von mutmaßlich kriminell erworbenen Vermögen von 105 Millionen Euro: Der Polizei Bielefeld ist in Zusammenarbeit mit Ermittlern anderer Behörden ein Schlag gegen die Telefonbetrüger-Mafia gelungen. Die Zugriffe gegen die Hintermänner der falschen Polizisten erfolgten in der Türkei, dem Operationsgebiet der Kriminellen.

Dienstag, 08.12.2020, 13:17 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 13:34 Uhr
Symbolbild Foto: dpa

“Die Polizeipräsidien München, Heilbronn und Bielefeld haben in den vergangenen Monaten ihre Ermittlungen zu Betrugsdelikten gegen ältere Menschen gebündelt. Dabei erhielten die genannten Präsidien tatkräftige Unterstützung von einigen anderen Polizeidienststellen aus dem gesamten Bundesgebiet. Unter Einbindung der zuständigen Staatsanwaltschaften in Bielefeld, Heilbronn und München, der Generalstaatsanwaltschaft München und des Bundeskriminalamts sind zahlreiche Festnahmen in der Türkei erfolgt“, berichtete der Bielefelder Polizeisprecher Michael Kötter.

Insgesamt seien den Ermittlern 39 Tatverdächtige – darunter auch führende Köpfe – ins Netz gegangen. Neben Schmuck, Edelmetallen, Euronoten und ausländischen Devisen, seien auch Immobilien sichergestellt worden. Polizeisprecher Kötter: „Nach den bisherigen Erkenntnissen beziffern türkische Behörden den Gesamtwert der Sicherstellungen auf einen Wert von über 105 Millionen Euro.“

Seit Jahren wirken kriminelle Organisationen – häufig aus dem Ausland – mit Telefonbetrügereien in oft perfider Art und Weise auf Senioren in Deutschland ein, heißt es in einer Erklärung der Polizei. Besonder verbreitet sind zwei Vorgehensweisen: Von der Türkei aus agierende Betrüger am Telefon geben sich gegenüber deutschen Rentnern als Polizisten aus. Die Kriminellen versetzen ihre Opfer mit erfundenen Horrorgeschichten in Angst und Schrecken und überreden die älteren Menschen dazu, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen und an die „Polizei“ zu übergeben.

Eine andere Variante sind die sogenannten Schockanrufe: Dabei lügen falsche Polizisten am Telefon oft hoch betagten Senioren vor, engste Verwandte würden sich in einer dramatischen Notlage befinden und bräuchten dringend viel Geld. Fallen die Opfer auf die Betrüger herein, tauchen Kuriere der falschen Polizisten an der Haustür auf, geben sich als zivile Kripobeamte aus und sacken fremdes Vermögen ein.

Polizeisprecher Kötter: „Die AG Phänomene des Kriminalfachdezernats 3 des Polizeipräsidiums München ermittelt seit 2017 gegen Führungsköpfe eines Callcenters in Izmir, welche in mehreren Fällen für große Vermögensschäden in ganz Deutschland verantwortlich sein sollen. Auch in Bielefeld kam es in den Jahren 2018 bis 2020 zu einer Vielzahl solcher Betrugsdelikte gegen ältere Menschen. Hier ist insbesondere eine Tat im Mai 2019 zu erwähnen, bei der es zu einer Übergabe von Gold und Schmuck im Wert von über einer Million Euro kam.“

Nach Ermittlungen des Betrugskommissariats des Polizeipräsidiums Bielefeld konnten in diesen Fällen bereits sogenannte „Abholer“ verhaftet werden, die zu teilweise mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden.

Im Rahmen dieser Nachforschungen erlangten die Kripo-Beamten auch Erkenntnisse zu den in der Türkei sitzenden Hintermännern und Drahtziehern. Die vom Polizeipräsidium Bielefeld gewonnenen Erkenntnisse wurden über Rechtshilfeersuchen den türkischen Behörden übermittelt, sagt der Polizeisprecher..

Durch diese Ermittlungen konnten insbesondere Erkenntnisse zu den drei führenden Organisatoren dieser Straftaten in der Türkei festgestellt werden. Zu diesen Personen bestand bereits ein Rechtshilfeersuchen des Polizeipräsidiums München. Die Bielefelder Ermittlungen untermauerten die bereits vorliegenden Erkenntnisse der Münchener Ermittler.

Darüber hinaus identifizierten die Bielefelder Kriminalbeamten vier weitere Hintermänner in der Türkei. Auch diese Erkenntnisse wurden mittels Rechtshilfeersuchen den türkischen Behörden übermittelt. In diesem Zusammenhang hatte die Gründung eines Sonderdezernats zur Bearbeitung von Betrugsfällen gegen ältere Menschen bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld viele begünstigende Faktoren, die sich auf den gesamten Ermittlungskomplex positiv auswirkten.

Die Koordinierung der Rechtshilfeersuchen sowie den Informationsaustausch unter Einbindung eines Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamtes (BKA) übernahmen Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums München.

Durch die intensiven Recherchen und die Koordinierung der Ermittlungsarbeiten der drei deutschen Polizei unter anderem in Bielefeld ist es der Generalstaatsanwaltschaft Izmir und der Polizei Izmir gelungen, einen bedeutenden Schlag gegen das Callcenter und dessen Führung zu landen. Eine vorläufige Bilanz der türkischen Behörden lautet: 39 Festnahmen, darunter auch die relevanten Führungsköpfe der Organisation. 48 Wohnungs- und Geschäftsdurchsuchungen mit Sicherstellung von 1,5 Millionen Euro und 200.000 US Dollar Bargeld, fünf Kilo Gold, 25 Armbanduhren und fünf illegalen Schusswaffen. Beschlagnahme zahlreicher Immobilien, Fahrzeuge und Firmenanteile. „Insgesamt liegen Sicherstellungen im Wert von etwa 105 Millionen Euro vor“, sagt der Bielefelder Polizeisprecher.

Die Ermittlungen in Izmir werden wegen des Bildens einer kriminellen Vereinigung, qualifizierten Betruges, sowie Geldwäsche und anderen Delikten geführt.

Der Polizei ist bekannt, dass durch diese Taten gegen ältere Menschen oftmals Existenzen vernichtet und Lebenswerke zerstört werden können. Gleichzeitig besteht bei jedem Opfer die Gefahr, dass eine psychische Beeinträchtigung hervorgerufen werden könnte. In Gesprächen erleben die Ermittler der Kripo auch, wie das vorhandene Vertrauen der betrogenen Menschen gegenüber der Polizei oder anderen Behörden nachhaltig beeinträchtigt wird.

Polizeisprecher Kötter: „Gerade wegen den großen Verlusten und Emotionen der Opfer sind die Ermittler des Bielefelder Betrugskommissariats besonders erfreut über die Festnahmen der Tatverdächtigen und die Sicherstellungen. Eine Grundlage dafür sehen sie in der guten Zusammenarbeit mit den anderen genannten Behörden im In- und Ausland.“

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