Die Gesellschaft Ressource besteht jetzt seit 225 Jahren
Willkommen im Club

Bielefeld -

Die einen sagen ihr Geheimniskrämerei nach, die anderen sprechen von angestaubten Traditionen. Doch im 225. Jahr ihres Bestehens zeigt sich die Bielefelder Gesellschaft Ressource erstaunlich lebendig und modern. In mancher Beziehung ist sie aber auch herrlich von gestern.

Montag, 07.12.2020, 08:02 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 08:10 Uhr
Johannes Delius blättert in dem Buch, in dem seit dem 19. Jahrhundert Versammlungsprotokolle der Ressource gesammelt werden. Foto: Bernhard Pierel

Und ein bisschen elitär ist die Ressource auch geblieben, wenngleich ihr Vorsitzender Johannes Delius das gar nicht so gern hört. „Wenn man die Tatsache, dass man nicht einfach Mitglied werden kann, als exklusiv bezeichnet, dann bin ich einverstanden“, sagt er.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Frauen. „Damen können Mitglied in der Gesellschaft werden, allerdings nicht als ordentliches Mitglied, sondern als so genanntes Kartenmitglied“, erläutert Delius. In dieser Form habe sich das gesellschaftliche Leben in der Ressource bewährt. Aktuell zählt sie 135 Mitglieder.

Vor 225 Jahren war die Ressource ausschließlich Männersache. Delius‘ Vorfahr Ernst August Delius (1763 – 1839) gründete die Gesellschaft gemeinsam mit Theodor Adolph Möller und Carl-Friedrich von Laer sowie fünf weiteren Gleichgesinnten in einem gemieteten Zimmer an der Obernstraße. Heute würde man sagen, sie gehörten damals zur Start-up-Szene der Stadt.

Kaufleute hatten einige Jahre zuvor den vor der Stadt gelegenen Meindersgarten erworben und dort mehrere Fabriken aufgebaut, eine Seifensiederei, eine Damastmanufaktur, eine Garnbleiche und zwei holländische Leinwandbleichen. Dort, wo später die Ravensberger Spinnerei entstand.

Die Ressource wurde für die Kaufleute und Gründer zum Rückzugsort, zum Ort, sich auszutauschen jenseits des Alltags. Ernst-August Delius hatte die Idee aus Berlin mitgebracht, wo er eine Bank-Lehre absolviert hatte. „Mein Ururur-Großvater hatte schon eine Zeitung abonniert. Zu jener Zeit etwas ganz Besonderes In der Ressource wurde daraus vorgelesen“, erzählt Johannes Delius.

Die Gründer waren beseelt von den Gedanken der Französischen Revolution, einer neuen bürgerlichen Gesellschaft. Ohnehin war im zu Ende gehenden 18. Jahrhundert alles Französische angesagt. Daher auch der Name: Ressource, eine Quelle, ein Ort, wo man sich Inspiration von Gleichgesinnten holen konnte.

Nichts anderes sind die Clubabende, die heute bei Thumel am Gehrenberg abgehalten werden. Da kommen regelmäßig 15 bis 25 Mitglieder zusammen, diskutieren darüber, was gerade ansteht in Bielefeld, Berlin oder sonstwo auf der Welt.

Über viele Jahrzehnte verfügte die Ressource über ein eigenes Clubhaus, zunächst an der Renteistraße, später das Gesellschaftshaus am Klosterplatz. Zu teuer und aufwendig sei das am Ende gewesen. Deshalb habe man sich von der Immobilie getrennt, so Delius. Der erlöste Kaufpreis entbindet die Gesellschaft bis heute von allen finanziellen Sorgen.

Fest im Terminkalender stehen ein jährliches Wild- und ein Spargelessen sowie gemeinsame, zwei- bis dreitägige Fahrten. Im Moment verhindert Corona all das, auch das große Stiftungsfest, das eigentlich zum 225. Geburtstag gefeiert werden sollte – als traditioneller Ball, die Herren gern im Smoking, die Damen in Abendrobe.

Doch alles ein bisschen fein und abgehoben? „Nein“, wehrt Johannes Delius ab. „Wir achten aber darauf, dass die Menschen, die zu uns kommen, auch zu uns passen.“ Früher wurde mittels einer sogenannten Ballotage entschieden, wer dabei sein durfte. Die Mitglieder konnten eine weiße Kugel für „aufgenommen“ oder eine schwarze Kugel für „abgelehnt“ in ein Gefäß werfen. So mancher große Bielefelder Name fiel beim Wahlgang durch.

„Heute kann sich derjenige um eine Aufnahme in die Gesellschaft bewerben, der von einem Mitglied eingeführt wurde und an mehreren Veranstaltungen als Gast teilgenommen hat“, erläutert Delius das Verfahren. Er werde dann zu „gegebener Zeit“ gebeten, sich unter der Nennung von zwei Bürgen um die Aufnahme in die Gesellschaft zu bewerben. Dieser Bewerbung müssten dann alle Mitglieder zustimmen. Dabei sind Unternehmer, Banker, Rechtsanwälte, Mediziner, auf der Gästeliste stehen auch Studenten. Bis heute gilt der satzungsgemäße Zweck: „Gesellschaftliches Vergnügen und freundschaftliche gegenseitige Unterhaltung.“ Netzwerken ganz ohne Homepage, Facebook oder Xing.

Johannes Delius selbst kam als 30-Jähriger in die Gesellschaft, die damals ein Club alter Herren geworden war. „Entweder gehe ich hier nie wieder hin, oder ich gehe in den Vorstand“, habe er damals gesagt. Er ging in den Vorstand.

 

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