Die Erwartungen von Industrie und Handel ans Bielefelder Stadtparlament
Was auf dem Wunschzettel steht

Bielefeld WB -

Im Rathaus wird an einer neuen Koalition gebastelt. Die Wirtschaft hat derweil klare Erwartungen an Politik und Verwaltung. „Wir hatten über eine lange Zeit eine gute konjunkturelle Entwicklung“, sagt Petra Pigerl-Radtke, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK). „Jetzt, bei einem Rückgang, darf nicht an den falschen Stellschrauben gedreht werden.“

Samstag, 05.12.2020, 07:38 Uhr aktualisiert: 05.12.2020, 07:40 Uhr
Petra Pigerl-Radtke ist Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Foto: Bernhard Pierel

Differenzierte Corona-Regeln: Wenn es verschärfte Regeln gebe, werde die Wirtschaft sie mittragen müssen, formuliert Pigerl-Radtke. „Wir wünschen uns aber eine differenzierte Herangehensweise, gerade in Bezug auf die Hygienestandards.“ Wo die hoch seien, müsse dies auch berücksichtigt werden.

Keine Steuererhöhungen: „In der jetzigen Situation wären etwa höhere Gewerbesteuern völlig kontraproduktiv“, meint Pigerl-Radtke. Auch höhere Grundsteuern würden die Betriebe erheblich belasten.

Die Stadt muss erreichbar bleiben: „Ich bin verwundert über die Konfliktlinien, die es in Bielefeld in der Verkehrspolitik gibt“, so die Hauptgeschäftsführerin. 85.000 Einpendler, 50.000 Auspendler, 120.000 innerstädtische Pendler müssten berücksichtigt werden. Zwei Drittel der Wege würden nach wie vor mit dem Auto zurückgelegt. „Natürlich müssen der ÖPNV und Radwege ausgebaut werden, aber im Zweifel eben auch wichtige Einfallstraßen.“ Gut findet Pigerl-Radtke, dass es jetzt einen Lenkungskreis Mobilität gibt. Denn: „Wir müssen reden.“

Neue Gewerbeflächen: 2,5 Hektar Gewerbeflächen hat Bielefeld noch im Angebot. 280 Hektar werden perspektivisch benötigt. „Das muss im neuen Regionalplan Berücksichtigung finden“, sagt Pigerl-Radtke. Und sie räumt mit dem Vorurteil vom Flächenfresser Gewerbe auf: „In NRW werden werden 2,18 Prozent der Gesamtfläche von Industrie und Gewerbe genutzt, in OWL 1,42 Prozent.“

Bestehende Gewerbeflächen: Die IHK-Chefin warnt davor, immer mehr ehemalige Gewerbeflächen in Wohngebiete umzuwandeln, nennt als Beispiele Areale an der Grafenheider Straße, an der Mielestraße oder östlich des Nordparks. „Da geht viel Substanz verloren.“

Baulandstrategie: „Ich kann noch keinen positiven Effekt erkennen“, sagt Pigerl-Radtke dazu, dass die Stadt jetzt als eine Art Grundstückzwischenhändler auftreten will. Aber: „Vielleicht muss man dem Ganzen noch mehr Zeit geben.“

Standortranking: „Die Attraktivität Bielefelds hängt wesentlich von seinen Unternehmen ab“, unterstreicht Pigerl-Radtke. Platz 8 im Städte-Ranking der wichtigsten Standorte von Familienbetrieben, Platz 9 bei mittelständischen Betrieben und Rang 18 bei Weltmarktführern seien großartig. „Das darf man nicht gefährden.“

Den Handel stärken: Mit Sorge blickt die IHK-Chefin auf die Entwicklung des Innenstadt-Handels. Sie rät der Stadt, sich um weitere Mittel aus dem „Sofortprogramm Innenstadt“ zu bemühen, um bestehenden oder drohenden Leerstand zu analysieren. Die bisher beantragten 99.000 Euro seien zu wenig.

 

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